Endanwender-Schulung beim ERP-Start: Zeitpunkt, Umfang, Formate
Kurz gesagt
Planen Sie die Endanwender-Schulung nach dem Terminmodell dieses Artikels im Fenster der letzten drei Wochen vor dem Start, je Anwendergruppe zwei bis zehn Stunden (Beispielplanung, kein Erfahrungswert). Geübt wird in einer Sandbox mit kopierten oder erfundenen Daten, nicht im Produktivsystem. In Deutschland bestimmen Sie den Schulungstermin auf der Grundlage des § 106 GewO nach billigem Ermessen, soweit Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Gesetz nichts anderes festlegen; in Österreich hat der Betriebsinhaber einen bestehenden Betriebsrat nach § 94 Abs. 1 ArbVG zum ehestmöglichen Zeitpunkt in Kenntnis zu setzen.
Das Wichtigste
- Redaktioneller Richtwert dieses Artikels: Die Schulung liegt im Fenster von drei Wochen bis eine Woche vor dem Start; die Stundenzahlen der Tabelle sind Beispielwerte.
- Üben Sie in einer Sandbox mit kopierten oder erfundenen Daten; das Produktivsystem bleibt frei von Übungsbuchungen.
- Deutschland: Nach § 106 GewO bestimmt der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen, soweit Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Gesetz nichts anderes festlegen; die Vorschrift gilt seit dem 1. Januar 2003.
- Deutschland: Nach § 96 Abs. 2 BetrVG haben Arbeitgeber und Betriebsrat darauf zu achten, dass den Beschäftigten unter Berücksichtigung der betrieblichen Notwendigkeiten die Teilnahme an betrieblichen und außerbetrieblichen Maßnahmen der Berufsbildung ermöglicht wird.
- Deutschland: Bei der Durchführung von Maßnahmen der betrieblichen Berufsbildung bestimmt der Betriebsrat nach § 98 Abs. 1 BetrVG mit; nach § 98 Abs. 6 BetrVG gelten die Absätze 1 bis 5 entsprechend für sonstige Bildungsmaßnahmen im Betrieb.
- Österreich: Der Betriebsinhaber hat einen bestehenden Betriebsrat nach § 94 Abs. 1 ArbVG zum ehestmöglichen Zeitpunkt über geplante betriebliche Schulungen in Kenntnis zu setzen.
Zwei Größen legen Sie fest, bevor der erste Termin im Kalender steht: den Abstand zum Start und die Stunden je Anwendergruppe. Das Terminmodell ist eine redaktionelle Planungshilfe dieses Artikels; die Stundenzahlen, Blocklängen und Gruppengrößen sind Beispielwerte ohne Erhebung.
Was Sie vorab brauchen
- die Rollenliste aus dem Fachkonzept mit der Aufgabe, die jede Rolle künftig ausführt (siehe Sollprozesse festlegen)
- ein Testsystem mit kopierten Stammdaten (Sandbox), getrennt vom Produktivsystem
- Key User, die die Gruppen unterrichten; ihre eigene Schulung steht in Key-User-Schulung
- den festen Starttermin mit Urlaubs-, Inventur- und Saisonzeiten des Betriebs
- Übungsfälle je Rolle mit Anfangszustand und erwartetem Ergebnis
- je Gruppe einen Raum oder eine Videokonferenz und je Person einen Testzugang
- eine Anwesenheitsliste je Gruppe
Schritt 1: Anwendergruppen bilden
Teilen Sie nach Aufgabe, nicht nach Abteilung: Wer den Vorgang täglich abschließt, braucht einen anderen Umfang als die Vertretung.
-
Gruppe A: gelegentliche Nutzung, etwa Vertretung und Aushilfe
-
Gruppe B: Kernnutzung, die einen eigenen Vorgang erfasst und ändert
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Gruppe C: Abschluss und Kontrolle, etwa Lager und Buchhaltung
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Gruppe D: Key User, die zusätzlich Kollegen anleiten
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Ergebnis: Jede Person ist genau einer Gruppe zugeordnet, und je Gruppe ist die Aufgabe benannt, die sie im neuen System ausführt.
Schritt 2: Stunden je Anwendergruppe festlegen
Die Tabelle ist eine Beispielplanung mit erfundenen Zahlen; messen Sie die Zeit im ersten Durchlauf.
| Anwendergruppe | Beispiel: Stunden | Inhalte |
|---|---|---|
| Gelegentliche Nutzung | 2, als ein Block | anmelden, suchen, Vorgang ansehen, Beleg drucken |
| Kernnutzung | 6, als zwei Blöcke | Vorgang erfassen, ändern, stornieren, Folgeprozess auslösen |
| Abschluss und Kontrolle | 10, als vier Blöcke | Auswertungen, Abstimmung, Fehlerfälle, Monatsabschluss |
| Key User, zusätzlich | 8, als drei Blöcke | Systemtiefe, Übungsfälle schreiben, Kollegen anleiten |
| Nachschulung nach dem Start | 1 bis 2 je Gruppe | offene Fehler, Sonderfälle aus dem Alltag |
Als redaktioneller Richtwert dieses Artikels dauert ein Block höchstens drei Stunden und endet mit einer eigenen Übung; längere Einheiten verlegen Sie auf einen zweiten Tag. Die Stundenzahl je Gruppe ergibt sich aus der Zahl der Blöcke.
- Ergebnis: Je Gruppe steht eine Stundenzahl mit der Zahl der Blöcke im Plan, und die Summe ist als interne Position in der Kapazitätsplanung erfasst, wie in ERP-Projektkapazität beschrieben.
Schritt 3: Das Terminmodell vom Start rückwärts aufstellen
Setzen Sie die Schulung nicht früher als drei Wochen vor dem Start an. Der Abstand ist ein redaktioneller Richtwert dieses Artikels: kurz genug, dass die erste echte Anwendung vor dem Start liegt, lang genug, dass Fehler aus der Schulung noch vor dem Start behoben werden.
| Zeitpunkt relativ zum Start | Aufgabe |
|---|---|
| Start minus 6 Wochen | Sandbox aufsetzen, Übungsfälle schreiben, Key User schulen |
| Start minus 3 Wochen | erste Gruppenschulung für Kernnutzung sowie Abschluss und Kontrolle |
| Start minus 2 Wochen | Gruppenschulung der übrigen Gruppen, erster Durchlauf der Übungsfälle |
| Start minus 1 Woche | Wiederholung im Schattenbetrieb, offene Punkte schließen |
| Starttag | Key User begleiten die ersten echten Vorgänge am Arbeitsplatz |
| 1. bis 4. Woche danach | kurze Nachschulung je Gruppe, Fehlerliste einarbeiten |
Wer früher geschult wird, lernt einen Stand, den die Konfiguration bis zum Start noch ändern kann. Wer erst nach dem Start schult, arbeitet die ersten Tage ohne geübte Anwender. Verschiebt sich der Start, verschiebt sich das Fenster mit.
Halten Sie den Systemstand ab dem Abnahmetest stabil; sonst passt keine Übung mehr zum System, wie im Abnahmetest festgehalten.
- Ergebnis: Jede Gruppe hat einen Termin im Fenster zwischen drei Wochen und einer Woche vor dem Start, und der Termin steht im Cut-over-Plan.
Schritt 4: Übungsfälle für die Sandbox schreiben
Schreiben Sie je Aufgabe der Rollenliste einen Fall: Anfangszustand, Schritte und ein erwartetes Ergebnis, das die Person am Bildschirm prüft.
- ein Fall je Aufgabe, die die Rolle im Alltag ausführt
- Reihenfolge vom einfachen zum schweren Fall, im Rhythmus des Alltags
- je Rolle ein Fehlerfall: falsche Eingabe erkennen, korrigieren, Ergebnis prüfen
- Anfangszustand vor jeder Gruppe zurücksetzen, sonst häufen sich die Daten
| Gruppe | Beispiel-Übungsfall | Dauer je Person |
|---|---|---|
| Gelegentliche Nutzung | Artikel suchen und Verfügbarkeit lesen | 15 Minuten |
| Kernnutzung | Auftrag erfassen, Teillieferung buchen, Rechnung erstellen | 45 Minuten |
| Lager | Wareneingang buchen und Mengendifferenz melden | 30 Minuten |
| Abschluss und Kontrolle | Tagesumsatz auswerten, offene Posten prüfen | 30 Minuten |
- Ergebnis: Zu jeder Rolle liegt mindestens ein Übungsfall vor, den eine Person ohne Hilfe abschließen kann.
Schritt 5: Die Sandbox einrichten und schützen
Richten Sie eine eigene Firma oder einen eigenen Mandanten im Testsystem ein, sodass keine Buchung in die produktive Buchhaltung läuft. Kopieren Sie die Stammdaten, oder erfinden Sie Beispieldaten. Enthält die Kopie personenbezogene Daten von Kunden oder Lieferanten, klären Sie mit dem Datenschutzbeauftragten, wer zugreifen darf und wann die Kopie gelöscht wird. Jede Person braucht einen eigenen Zugang mit denselben Rechten wie im Produktivsystem; fehlende Rechte brechen die Übung ab.
- Ergebnis: Die Sandbox ist erreichbar, enthält den freigegebenen Datenstand und wird vor jeder Gruppe zurückgesetzt.
Schritt 6: Das Format je Gruppe wählen
| Format | Wofür | Grenze |
|---|---|---|
| Präsenz in Kleingruppen von vier bis acht Personen | mehrstufige Vorgänge und die erste Übung in der Sandbox | Raum und Trainerzeit je Gruppe |
| Online mit geteiltem Bildschirm | verteilte Standorte, kurze Wiederholung | ohne eigenen Zugang bleibt die Übung aus |
| Kurze Videos und Arbeitsanweisungen | Nachschlagen nach der Schulung | ersetzen die eigene Ausführung nicht |
| Kollegenschulung durch den Key User | den eigenen Bereich im eigenen Tempo | braucht Freistellung und Vertretung |
| Begleitung am Arbeitsplatz am Starttag | die ersten echten Vorgänge | eine Person begleitet am Starttag wenige Arbeitsplätze gleichzeitig |
Redaktionelle Einschätzung: In die erste Schulung des eigenen Vorgangs gehört ein Format, in dem jede Person selbst klickt. Eine Vorführung zeigt den Ablauf, ersetzt die eigene Ausführung aber nicht.
- Ergebnis: Je Gruppe steht das Format mit Teilnehmerzahl, Dauer und Trainer im Plan.
Was in Deutschland und Österreich den Zeitpunkt betrifft
Für Deutschland gilt die am 14.10.2026 geltende Fassung (BetrVG zuletzt geändert am 19. Juli 2024, GewO am 20. Juli 2026), für Österreich § 94 ArbVG in der seit 1. Januar 1987 geltenden Fassung. Der Arbeitgeber bestimmt Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen, soweit Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag oder Gesetz nichts anderes festlegen (§ 106 GewO; die Vorschrift gilt seit dem 1. Januar 2003, BAG 10 AZR 330/16 (A), Rz. 64); auf dieser Grundlage legen Sie den Schulungstermin und die Arbeitszeit fest, in der er liegt. Sobald feststeht, dass sich die Tätigkeit ändern wird und die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten für die künftigen Aufgaben nicht ausreichen, hat der Arbeitgeber mit dem Mitarbeitenden zu erörtern, wie sie im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten angepasst werden können (§ 81 Abs. 4 Satz 2 BetrVG); Einzelheiten stehen in Widerstand gegen das neue ERP.
Besteht ein Betriebsrat, hat der Arbeitgeber auf Verlangen den Berufsbildungsbedarf zu ermitteln und mit ihm Fragen der Berufsbildung zu beraten (§ 96 Abs. 1 BetrVG), und beide Seiten haben darauf zu achten, dass den Beschäftigten unter Berücksichtigung der betrieblichen Notwendigkeiten die Teilnahme an betrieblichen oder außerbetrieblichen Maßnahmen der Berufsbildung ermöglicht wird, auch für ältere, teilzeitbeschäftigte und familienbelastete Beschäftigte (§ 96 Abs. 2 BetrVG). Bei der Durchführung von Maßnahmen der betrieblichen Berufsbildung bestimmt der Betriebsrat nach § 98 Abs. 1 BetrVG mit; nach § 98 Abs. 6 BetrVG gelten die Absätze 1 bis 5 entsprechend, wenn der Arbeitgeber sonstige Bildungsmaßnahmen im Betrieb durchführt. Ob die ERP-Schulung unter die eine oder die andere Fallgruppe fällt, ist eine Rechtsfrage; die Beteiligung im Einzelnen beschreibt Betriebsrat und ERP-Einführung in Deutschland.
In Österreich hat der Betriebsinhaber einen bestehenden Betriebsrat über geplante Maßnahmen der betrieblichen Berufsausbildung sowie der betrieblichen Schulung und Umschulung zum ehestmöglichen Zeitpunkt in Kenntnis zu setzen (§ 94 Abs. 1 ArbVG); an Planung und Durchführung wirkt der Betriebsrat mit, Art und Umfang kann eine Betriebsvereinbarung regeln (§ 94 Abs. 3 ArbVG). Zustimmungspflichten beschreibt Betriebsrat und ERP-Einführung in Österreich, die Mitsprache Mitwirkung in der Schweiz.
So prüfen Sie das Ergebnis
- Jede Person hat den Vorgang ihrer Rolle mindestens einmal selbst ausgeführt.
- Jede Gruppe hat die Übungsfälle ohne Hilfe abgeschlossen; die Stellen mit Hilfe stehen auf der Fehlerliste.
- Für jede Rolle liegt eine Arbeitsanweisung vor, in die die Fehler aus der Schulung eingearbeitet sind.
- Am Starttag ist je Bereich ein Key User als Ansprechpartner eingetragen.
- Die Sandbox bleibt bis vier Wochen nach dem Start offen.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Am Starttag fehlen die Schritte | Der letzte Schulungstermin lag mehr als drei Wochen vor dem Start | kurze Wiederholung in der Startwoche, Sandbox offen halten |
| Die Schulung wird zur Vorführung | Kein Testzugang für die Teilnehmenden | je Person einen Zugang anlegen |
| Die Key User fehlen im Tagesgeschäft | Freistellung nicht eingeplant | Zeit als Projektposition einplanen |
| Die Übung passt nicht zum System | Die Konfiguration wurde nach der Schulung geändert | ab dem Abnahmetest nur noch Fehler beheben |
| Dieselben Fragen kommen nach vier Wochen wieder | Nachschulung fand nicht statt | feste Sprechzeit je Gruppe in den ersten Wochen, wie in Hypercare |
Wann Sie Hilfe holen sollten
- Holen Sie einen externen Trainer hinzu, wenn eine Rolle im neuen System eine Aufgabe bekommt, die bisher niemand im Betrieb ausgeführt hat.
- Klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung, ob die Schulung unter Maßnahmen der betrieblichen Berufsbildung (§ 98 Abs. 1 BetrVG) oder unter sonstige Bildungsmaßnahmen im Betrieb (§ 98 Abs. 6 BetrVG) fällt; in beiden Fallgruppen ist eine Beteiligung des Betriebsrats bei der Durchführung vorgesehen.
- Fragen Sie den Datenschutzbeauftragten, bevor personenbezogene Daten in die Sandbox kopiert werden.
- Regelt eine Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag Schulungszeiten oder Freistellungen, geht sie dem Terminmodell dieses Artikels vor.