Metallverarbeitung: ERP für Feinplanung, Rüstzeiten, Fremdarbeit
Kurz gesagt
Ein Blech- oder Zerspanungsbetrieb prüft sein ERP an vier Stellen: endliche Feinplanung je Maschine, Rüstfamilien in der Reihenfolge, externe Arbeitsgänge mit Beistellung sowie Zeugnis und Rückverfolgbarkeit von Los oder Schmelze. Die Kriterien gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich. Verbindlich werden Normen und Richtlinien durch Auftrag, Ausschreibung oder Zertifizierung.
Das Wichtigste
- Endliche Feinplanung: Bedarf und verfügbare Maschinenzeit stehen sich je Arbeitsplatz und Zeitraum gegenüber, eine Überlast bleibt sichtbar.
- Rüstzeit fällt je Los an; sie gehört getrennt von der Stückzeit in den Arbeitsplan und in die Belegungsrechnung.
- Ein externer Arbeitsgang braucht Bestellung, Beistellung, Rücklieferung und Rückmeldung mit Bezug zum Fertigungsauftrag.
- Werkstoffzeugnis und Los- oder Schmelznummer hängen an der Wareneingangsposition und bleiben nach dem Zuschnitt am Teil.
- EN 10204:2004 ist als harmonisierte Norm gelistet (Anhang I Nr. 50 des Durchführungsbeschlusses (EU) 2025/165); der Beschluss gilt für Druckgeräte.
- DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit 8. Oktober 2026 bestellbar; die Norm bindet nur, wenn Vertrag oder Zertifizierung sie verlangen.
Zwei Betriebe mit derselben Maschinenhalle planen mit verschiedenen Größen: Die Blechbearbeitung denkt in Blechformat, Verschachtelung und Biegefolge, die Zerspanung in Werkzeug, Spannmittel und Standzeit. Beide verkaufen Maschinenstunden. Sortiert das System die Aufträge nur nach Liefertermin und nicht nach Maschine, bleibt die Belegung unsichtbar.
Worum es bei der Auswahl geht
Dieser Artikel beschreibt Prüfkriterien für ein ERP in einem Betrieb, der Bleche schneidet, biegt und schweißt oder Werkstücke dreht und fräst. Er nennt keine Produkte und keine Anbieter; die Reihenfolge der Kriterien ist keine Bewertung. Prüfen Sie jedes Kriterium an einem eigenen Auftrag in der Testumgebung.
Die Prüfliste unten ordnet jedem Punkt eine Stufe zu: Muss, wenn Recht, Vertrag oder Ihr eigener Prozess es verlangen; Soll, wenn es die Arbeit erleichtert; Nice für den Komfort. Was eine Norm bindend macht, steht im Abschnitt zu Normen und Vertrag.
- Auftrag anlegenMenge, Termin, Werkstoff
- Arbeitsgänge planenArbeitsplatz, Rüstzeit, Stückzeit
- Kapazität abgleichenBelegung je Maschine und Zeitraum
- Fertigung rückmeldenZeiten, Mengen, Ausschuss
- Auftrag abrechnenIst-Werte gegen die Kalkulation
Schematischer Ablauf; die Prüfliste dieses Artikels betrifft die Schritte zwei bis vier.
Diese Anforderungen zählen
Die Tabelle ist die Prüfliste. Jede Zeile gilt für die genannte Bedingung; Stand: 16. Oktober 2026.
| Kriterium | Stufe | Grundlage | So prüfen Sie es |
|---|---|---|---|
| Endliche Feinplanung je Maschine: Bedarf und verfügbare Zeit (Schichtkalender, Wartungsfenster, Ausfallzeit) stehen sich je Arbeitsplatz und Zeitraum gegenüber, eine Überlast bleibt sichtbar | Muss, wenn mehrere Aufträge um dieselbe Maschine konkurrieren | Ihr Planungsprozess; Rechnung und Begriffe in Kapazitätsplanung: Auslastung und Engpass berechnen | Drei Aufträge auf einen Arbeitsplatz legen und die Wochenansicht je Maschine zeigen lassen: Bleibt die Überlast sichtbar, und nennt das System für einen verschobenen Auftrag den neuen Termin samt den betroffenen Folgeterminen? |
| Rüstzeit je Los und Stückzeit je Einheit getrennt geführt | Muss | Getrennte Zeitarten im Arbeitsplan, siehe Arbeitsplan erstellen: Rüstzeit, Stückzeit und Arbeitsgänge | Die Losgröße verdoppeln: Die Rüstzeit muss gleich bleiben, die Fertigungszeit sich verdoppeln |
| Rüstfolge nach Familien: Aufträge mit gleichem Spannmittel, Werkzeug oder Werkstoff hintereinander | Soll | Verkürzung des Rüstaufwands durch die Reihenfolge (Rüstzeit) | Zwei Aufträge mit gleichem Spannmittel hintereinander einplanen und die Rüstzeit vergleichen |
| Externer Arbeitsgang mit Bestellung, Beistellung, Rücklieferung und Termin | Muss, wenn Sie Bearbeitungsschritte vergeben | Lohnfertigung und Beistellung im ERP abbilden | Einen Arbeitsgang vergeben und zeigen lassen, wie die Rücklieferung den Folgetermin verschiebt |
| Werkstoffzeugnis je Wareneingangsposition: Art, Nummer, Aussteller und Datei hängen an der Position | Muss, wenn Auftrag, Ausschreibung oder Regel ein Zeugnis verlangen | Auftrag und Liefervertrag; EN 10204:2004 ist gelistet (Anhang I Nr. 50 des Durchführungsbeschlusses (EU) 2025/165); Zuordnung und Schmelznummer in Stahl- und Metallhandel: ERP für Zeugnisse, Zuschnitt, Tagespreise | Eine Lieferung mit zwei Zeugnissen buchen und in der Lieferposition beide wiederfinden |
| Los-, Schmelz- oder Chargennummer bleibt nach dem Zuschnitt am Teil | Muss, wenn der Auftrag Rückverfolgbarkeit verlangt | Auftrag und Qualitätsvereinbarung; Verfahren in Chargenverwaltung im ERP einrichten | Ein Blech zuschneiden und ein Teilstück über die Nummer der Ausgangsposition suchen |
| Nesting und Reststücke: Teile je Blech verschachteln, Verschnitt ausweisen, Reststück als Bestand führen | Soll | Ihr Zuschnittprozess; Reststücke im Stahl- und Metallhandel: ERP für Zeugnisse, Zuschnitt, Tagespreise | Vier Teile auf ein Blech legen und Verschnittanteil sowie Reststück zeigen lassen |
| Rückmeldung je Arbeitsgang mit Zeit, Menge und Ausschuss, danach Nachkalkulation | Muss | Betriebsdatenerfassung: Welche Daten Sie wirklich erfassen sollten | Einen Arbeitsgang teilweise rückmelden und die Restmenge im Plan sowie die Ist-Zeit in der Kalkulation prüfen |
| Losgröße als eigene Entscheidung statt als Rest der Auftragsmenge | Soll | Rüstkosten gegen Lagerkosten, siehe Losgrößenverfahren im Vergleich: Feste Menge, Andler, Silver-Meal | Zwei Losgrößen am selben Bedarf durchrechnen und die Rüststunden der Woche gegenüberstellen |
Was die Anforderungen im Betrieb bedeuten
Endliche Planung je Maschine
Endlich heißt begrenzte Kapazität: Das System stellt den Kapazitätsbedarf dem vorhandenen Kapazitätsangebot je Maschine und Zeitraum gegenüber und führt einen Kapazitätsabgleich durch; so werden die belegten und die freien Stunden sichtbar (Definition der Kapazitätsplanung im REFA-Lexikon). Ob der Planungshorizont eine Woche oder einen Monat umfasst, ist davon getrennt zu sehen. Wird ein Auftrag wegen einer Überlast verschoben, muss der neue Termin samt seinen Folgen für die nachgelagerten Arbeitsgänge sichtbar bleiben. Zur Feinplanung gehört, dass Arbeitsgänge in einer Reihenfolge stehen und die Rüstzeit des Loses mitgezählt wird; welche Stufe ein ERP abdeckt, beschreibt Fertigungsplanung im ERP: Was PPS leistet und was nicht. Die Belegung ist nur so aktuell wie die Rückmeldungen aus der Werkstatt; wann eine eigene Betriebsdatenerfassung nötig wird, steht in BDE im ERP oder MES: Ab wann reicht das ERP nicht mehr?.
Rüstzeit und Rüstfamilie
Rüstzeit entsteht einmal je Los; sie wächst nicht mit der Stückzahl (Definition der Rüstzeit im REFA-Lexikon). Der Rüstanteil je Teil hängt dagegen von der Losgröße ab: Bei kleinerem Los trägt jedes Teil mehr Rüstzeit, bei größerem weniger. Falsch wird die Kalkulation, wenn ein unveränderter Rüstzuschlag auf die Stückzeit für jede Losgröße gilt, obwohl das Los kleiner wird und mehr Rüstvorgänge anfallen; eine Umlage, die den Rüstanteil je Teil mit der Losgröße neu rechnet, ist dagegen richtig. Prüfen Sie, ob der Arbeitsplan Rüst- und Stückzeit getrennt führt, ob die Belegung die Rüstzeit des Loses mitzählt und ob sich die Reihenfolge nach Rüstfamilien bilden lässt. Eine Rüstfamilie fasst Aufträge zusammen, deren Rüsten kurz ausfällt, weil Spannmittel, Werkzeug oder Werkstoff gleich bleiben.
Externe Arbeitsgänge
Fremdarbeit ist ein Arbeitsgang außer Haus: Härten, Verzinken, Schleifen, Beschichten. Im ERP braucht sie einen Arbeitsgang mit Termin, eine Bestellung an den Lohnfertiger, einen Beleg für die beigestellten Teile und die Rücklieferung mit Rückmeldung. Fehlt die Rückmeldung, plant die Kapazitätsrechnung mit freier Maschinenzeit weiter, und der Auftrag gilt als fertig, obwohl das Teil beim Dienstleister liegt.
Ausbeute, Zeugnis und Rückverfolgbarkeit
Beim Nesting geht es darum, wie viele Teile auf ein Blech passen und wie viel Verschnitt bleibt. Prüfen Sie, ob das System den Verschnittanteil je Blech ausweist und ob Reststücke mit Maß und Lagerort als Bestand entstehen. Verlangt der Auftrag ein Werkstoffzeugnis, gehört es an die Wareneingangsposition und nicht an den Beleg: Eine Lieferung kann mehrere Schmelzen umfassen, und nach dem Zuschnitt trägt nur das Teil die Nummer weiter, die es beim Einbuchen erhalten hat.
Beispielrechnung: Engpass und Rüstzeit einer Fräsmaschine
Alle Zahlen sind erfunden. Eine Fräsmaschine läuft einschichtig: 8 Stunden je Schicht an 5 Tagen ergeben 40,00 Stunden je Woche. Nach Abzug von 15 Prozent für Wartung und ungeplante Stillstände bleiben 34,00 nutzbare Maschinenstunden.
Die drei Aufträge der Woche belegen die Maschine so:
| Auftrag | Teile | Stückzeit in Minuten | Fertigungszeit in Stunden | Rüstzeit in Stunden | Belegung in Stunden |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 240 | 3,0 | 12,00 | 0,75 | 12,75 |
| B | 180 | 3,0 | 9,00 | 0,50 | 9,50 |
| C | 300 | 2,5 | 12,50 | 0,75 | 13,25 |
| Summe | 720 | 33,50 | 2,00 | 35,50 |
Die Belegung liegt mit 35,50 Stunden um 1,50 Stunden über der verfügbaren Zeit, das sind gut vier Prozent Überlast. Zerlegt der Betrieb Auftrag A in vier Lose zu 60 Teilen, weil das Vormaterial in Teilmengen ankommt, fällt die Rüstzeit viermal an: 4 × 0,75 = 3,00 statt 0,75 Stunden. Die Belegung steigt auf 37,75, die Überlast auf 3,75 Stunden.
Dieselbe Rüstzeit wirkt auf den Stückpreis. Bei einem Maschinenstundensatz von 62,00 Euro kostet ein Rüstvorgang von 45 Minuten 0,75 h × 62,00 Euro = 46,50 Euro. Auf 240 Teile verteilt sind das 46,50 Euro ÷ 240 = 0,19 Euro je Teil, auf 60 Teile 46,50 Euro ÷ 60 = 0,78 Euro. Kleine Lose vervierfachen den Rüstanteil je Teil.
Was Normen und Vertrag verlangen
Der VDI gibt auf der Seite zu seinen Richtlinien wieder, technische Regeln seien zunächst zur freiwilligen Anwendung gemacht und erhielten höhere Verbindlichkeit durch Verweise in Rechtsdokumenten und in Verträgen. Belegbar sein muss also, was Auftrag, Ausschreibung oder Zertifizierung verlangen; die Normtexte selbst sind kostenpflichtig und werden über den Verweis in der Vereinbarung verbindlich.
In Anhang I Nr. 50 des Durchführungsbeschlusses (EU) 2025/165 steht die Norm EN 10204:2004 (Metallische Erzeugnisse — Arten von Prüfbescheinigungen), gelistet für Druckgeräte zur Richtlinie 2014/68/EU. Nach Erwägungsgrund 1 begründet die Übereinstimmung mit einer solchen Norm die Vermutung, dass ein Druckgerät die wesentlichen Sicherheitsanforderungen des Anhangs I erfüllt, soweit die Norm sie abdeckt. Der Durchführungsbeschluss (EU) 2026/79 hat andere Zeilen dieser Liste geändert; Zeile 50 ist unverändert. Für Betriebe ohne Druckgeräte begründet die Listung keine Pflicht.
DIN EN ISO 9001 bindet nur, wenn Kunde, Ausschreibung oder Zertifizierungsstelle ihre Anwendung verlangen. Aktuell ist DIN EN ISO 9001:2026-11, bestellbar seit 8. Oktober 2026 und Nachfolgerin von DIN EN ISO 9001:2015-11; Zertifikate nach ISO 9001:2015 sind nach der von DIN Media genannten Übergangsregelung bis 30. September 2029 umzustellen. Für die Rückverfolgbarkeit im ERP zählt deshalb, welche Nachweise Ihre Qualitätsvereinbarung oder die Ausschreibung verlangt.
Wer Zeiten und Mengen je Mitarbeitendem erfasst, prüft Zulässigkeit und Mitwirkungsrechte nach dem Recht des jeweiligen Landes; Mitbestimmung bei Zeit- und Leistungsdaten behandelt das für Deutschland, BDE und Betriebsrat in Österreich für Österreich.
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Kapazitätsansicht zeigt Wochen ohne Maschinenbezug, und ein Kapazitätsabgleich über mehrere Maschinen ist nicht vorgesehen.
- Eine Überlast verschwindet aus der Ansicht, weil das System die Aufträge still auf spätere Perioden schiebt, ohne den neuen Termin und die Folgen für die nachgelagerten Aufträge zu nennen.
- Rüstzeit steht nur als Zuschlag auf die Stückzeit, der sich mit der Losgröße nicht ändert; die Belegung zeigt dann nicht, wie viele Rüstvorgänge je Woche anfallen.
- Ein externer Arbeitsgang ist als Bestellung geführt, ohne Bezug zum Fertigungsauftrag; eine verspätete Rücklieferung ändert den Auftragstermin nicht.
- Zeugnisse hängen am Beleg statt an der Position, und Reststücke aus dem Zuschnitt existieren nur als Notiz.
- Rückmeldungen erfassen Mengen, aber keine Zeiten; die Nachkalkulation bleibt leer.
Welche Anforderungen für welchen Betrieb
Die Tabelle ordnet Fälle aus Blech- und Zerspanungsbetrieben; sie ersetzt keine Prüfung und ist keine Rangfolge.
| Betriebsfall | Was am schwersten wiegt |
|---|---|
| Blechbearbeitung mit Laser oder Stanze und Biegen | Nesting und Reststücke: Aufteilung des Blechs, Verschnittanteil, Biegefolge |
| Zerspanung in Kleinserien | Rüstfolge und Werkzeugbereitstellung: Rüstfamilie, Standzeit, Spannmittel |
| Lohnfertiger mit mehreren Fremdarbeitsschritten | Externe Arbeitsgänge: Beistellung, Rücklieferung, Terminkette |
| Zulieferer mit Zeugnispflicht | Werkstoffzeugnis und Losnummer: Zuordnung je Position und nach dem Zuschnitt |
| Einzelteilfertigung mit kurzen Terminen | Endliche Feinplanung je Maschine und zeitnahe Rückmeldung |
| Betrieb mit zwei und mehr Schichten | Verfügbare Zeit je Maschine: Schichtkalender, Wartungsfenster, Ausfallzeit |
So vergleichen Sie in sechs Schritten
- Wählen Sie einen abgeschlossenen Auftrag Ihrer wichtigsten Fertigungsart als Testfall und halten Sie Menge, Zeiten und Werkstoff bereit.
- Lassen Sie den Arbeitsplan mit getrennten Rüst- und Stückzeiten anlegen und denselben Auftrag mit doppelter Losgröße rechnen.
- Legen Sie drei Aufträge auf dieselbe Maschine und lassen Sie die Wochenbelegung mit Überlast anzeigen; lassen Sie den verschobenen Auftrag mit neuem Termin und seinen Folgeterminen zeigen.
- Vergeben Sie einen Arbeitsgang extern und prüfen Sie Bestellung, Beistellung, Rücklieferung und die Wirkung auf den Auftragstermin.
- Buchen Sie eine Lieferung mit zwei Zeugnissen und zwei Losnummern und suchen Sie danach ein abgeschnittenes Teil.
- Melden Sie Zeiten und Mengen zurück und vergleichen Sie die Ist-Zeiten mit Ihrer Kalkulation.