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Rüstzeit (Aufwand, bis die Maschine produziert)

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Rüstzeit ist die Zeit, die ein Arbeitsplatz für das Umrüsten auf die nächste Arbeitsaufgabe braucht, etwa Werkzeugwechsel, Programmieren und Probeteil. Sie fällt je Fertigungslos einmal an, nicht je Stück, belegt die Kapazität und geht als Rüstkosten je Los in die Kosten je Stück ein. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt dieselbe Rechnung.

Das Wichtigste

  • Rüstzeit: Zeit zum Einrichten eines Betriebsmittels für die nächste Arbeitsaufgabe; sie fällt je Los einmal an (REFA).
  • Bei handgeführtem Arbeitsmittel und in der Werkstattfertigung ist die Rüstzeit die Zeit für den Werkzeugwechsel (REFA).
  • Die REFA-Zeitart tr ist Bestandteil der Auftragszeit und der Belegungszeit; sie belegt Kapazität, ist aber nicht wertschöpfend.
  • Die Zeitart tr umfasst beim Menschen Rüstgrundzeit trg, Rüstverteilzeit trv und Rüsterholungszeit ter, beim Betriebsmittel Betriebsmittel-Rüstgrundzeit trgB und Betriebsmittel-Rüstverteilzeit trvB.
  • Rüstkosten je Stück = Rüstkosten je Los ÷ Losgröße; im Beispiel sinken sie von 6,00 Euro auf 0,06 Euro.
  • Größere Lose brauchen weniger Rüstvorgänge, binden aber mehr Lagerbestand und Kapital (REFA).

Rüstzeit ist die Zeitspanne, die ein Arbeitsplatz für das Rüsten braucht, das Umstellen einer Maschine oder Anlage von einer Arbeitsaufgabe auf die nächste. In der Serienfertigung reicht sie nach dem REFA-Lexikon vom letzten Gutteil des alten Loses bis zum ersten Gutteil des neuen Loses.

Wozu sie dient

Der Arbeitsplan führt die Rüstzeit je Arbeitsgang; sie fällt einmal je Los an, die Stückzeit dagegen je Stück. Die REFA-Auftragszeit fasst beide zusammen: Auftragszeit = Rüstzeit + stückzahlbezogene Ausführungszeit. Weil das Rüsten den Arbeitsplatz belegt, zählt die Kapazitätsplanung sie zum Kapazitätsbedarf der Periode; das REFA-Lexikon nennt sie kapazitätsbelegend, aber nicht wertschöpfend. Zusammen mit dem Kostensatz des Arbeitsplatzes wird daraus der Rüstkostenblock je Los, den die Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik auf Fertigungslöhne, Sachkosten und Kapazitätskosten des Rüstzeitanteils zurückführt. Je größer das Los, desto kleiner der Rüstanteil je Stück, desto höher aber Lagerbestand und Kapitalbindung; diesen Ausgleich rechnet die Losgröße aus.

Rechenbeispiel: Rüstzeit je Stück bei Losgröße 10, 100 und 1000

Erfundene Zahlen (Beispielrechnung): Rüstzeit 60 Minuten je Los, Stückzeit 3 Minuten je Stück, Kostensatz des Arbeitsplatzes 60 Euro je Stunde. Das ergibt 1,0 Stunde Rüstzeit und 60,00 Euro Rüstkosten je Los sowie 0,05 Stunden und 3,00 Euro Fertigungskosten je Stück.

Losgröße (Stück) Rüstzeit je Los (h) Rüstkosten je Los (Euro) Rüstkosten je Stück (Euro) Fertigungskosten je Stück (Euro) Kosten je Stück (Euro)
10 1,0 60,00 6,00 3,00 9,00
100 1,0 60,00 0,60 3,00 3,60
1000 1,0 60,00 0,06 3,00 3,06

Bei Losgröße 10 trägt jedes Stück 6,00 Euro Rüstkosten, bei 100 sind es 0,60 Euro, bei 1000 noch 0,06 Euro. Der Rüstanteil je Stück verhält sich umgekehrt zur Losgröße; die Rüstkosten je Los bleiben bei 60,00 Euro. Die Kosten je Stück nähern sich den 3,00 Euro an, ohne sie zu erreichen; die Lagerkosten des größeren Loses enthält diese Rechnung nicht.

Herkunft und Geltung

Die Rüstzeit ist eine Zeitart der REFA-Methodenlehre. REFA trennt internes Rüsten, das nur bei Stillstand der Maschine möglich ist, von externem Rüsten bei laufender Maschine; nur internes Rüsten hält die Anlage an. Den Rüstablauf gliedert das REFA-Lexikon in fünf Schritte: Vorbereiten, Entfernen, Montieren, Justieren sowie Testen und Anpassen mit Probestücken. Zur Verkürzung nennt das REFA-Lexikon technische, organisatorische und personelle Maßnahmen; Ziel ist eine höhere Gesamtanlageneffektivität (OEE), vor allem durch kürzere interne Rüstzeit. Eine Vorschrift, die eine bestimmte Rüstzeit verlangt, steht in den für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht; verbindlich wird der Wert durch Arbeitsplan und Stammdaten. Die Rechnung gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich.

Nicht zu verwechseln mit

  • Stückzeit: Zeitaufwand je Stück. Sie bleibt je Stück gleich; mit der Stückzahl wächst die stückzahlbezogene Ausführungszeit ta der REFA-Auftragszeit, während die Rüstzeit je Los nur einmal anfällt.
  • Stillstandszeit: Nur internes Rüsten hält die Maschine an; externes Rüsten läuft parallel zur Produktion.

Häufige Fragen

Fällt die Rüstzeit bei jedem Stück an?

Nein. Sie fällt je Los und Arbeitsgang einmal an, unabhängig von der Stückzahl. Nur bei Losgröße 1 ist jedes Stück ein eigenes Los und trägt die volle Rüstzeit. Deshalb sinkt der Rüstanteil je Stück mit wachsendem Los, während die Rüstkosten je Los gleich bleiben.

Senkt ein größeres Los die Kosten je Stück?

Im Beispiel sinkt der Rüstanteil je Stück von 6,00 Euro bei 10 Stück auf 0,06 Euro bei 1000 Stück. Dem steht die Kapitalbindung des größeren Bestands gegenüber, die diese Rechnung nicht enthält. Das REFA-Lexikon nennt größere Lose als organisatorischen Weg zu weniger Rüstvorgängen und verweist zugleich auf höhere Lagerbestände und größeren Platzbedarf.

Wie lässt sich die Rüstzeit verkürzen?

Das REFA-Lexikon nennt drei Gruppen: technische Maßnahmen wie Schnellspannverschlüsse und einheitliche Werkzeugträger, organisatorische Maßnahmen wie das Verlegen von Rüstarbeiten in die Zeit der laufenden Produktion und personelle Maßnahmen wie Unterweisung und Schulung. Ziel ist, den internen Rüstanteil und damit die Stillstandszeit der Anlage zu senken.

Quellen

  1. REFA-Lexikon: RüstzeitREFA AG · abgerufen am
  2. REFA-Lexikon: RüstenREFA AG · abgerufen am
  3. REFA-Lexikon: RüstzeitoptimierungREFA AG · abgerufen am
  4. REFA-Lexikon: Rüstzeit trREFA Consulting AG · abgerufen am
  5. REFA-Lexikon: Auftragszeit TREFA Consulting AG · abgerufen am
  6. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Losgrößenplanung (Peter Nyhuis, unter Mitarbeit von Julian Becker)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am