Arbeitsplan erstellen: Rüstzeit, Stückzeit und Arbeitsgänge
Kurz gesagt
Ein Arbeitsplan listet die Arbeitsgänge eines Produkts in ihrer Fertigungsreihenfolge auf und ordnet jedem Arbeitsgang einen Arbeitsplatz sowie Zeiten zu. Die Rüstzeit fällt je Los einmalig an, die Stückzeit je Stück. Die Durchlaufzeit ergibt sich, wenn die Arbeitsgänge nacheinander ohne Überlappung ausgeführt werden, aus der Summe der Arbeitszeiten aller Arbeitsgänge plus Warte- und Transportzeiten. Das Vorgehen gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich.
Das Wichtigste
- Arbeitsplan: Reihenfolge der Arbeitsgänge, zugeordneter Arbeitsplatz und Zeiten je Arbeitsgang.
- Rüstzeit: Zeit für Rüstaufgaben, fällt je Los einmalig an, belegt Kapazität, ist nicht wertschöpfend (REFA).
- Stückzeit: Zeitaufwand je Stück, entspricht der REFA-Zeitart „Zeit je Einheit“ bei der Menge m = 1.
- Arbeitszeit je Arbeitsgang = Rüstzeit + Stückzeit × Losgröße.
- Durchlaufzeit = Summe der Arbeitszeiten aller Arbeitsgänge plus Warte- und Transportzeiten, wenn die Arbeitsgänge nacheinander ohne Überlappung ausgeführt werden.
Was Sie vorab brauchen
Bevor Sie den Arbeitsplan anlegen, brauchen Sie vier Angaben:
- Das Produkt als Artikel in Ihrem ERP-System, mit der Stückliste, aus der sich die zu fertigenden Teile ergeben.
- Die Arbeitsplätze, an denen die Fertigung stattfindet, etwa Säge, Fräse, Bohren, Entgraten, Montage.
- Die Losgröße, also die Stückzahl, die Sie in einem Fertigungsauftrag herstellen.
- Die Zeiten je Arbeitsgang: die Rüstzeit je Los und die Stückzeit je Stück, aus einer Zeitaufnahme nach REFA oder aus vorhandenen Vorgabezeiten.
Fehlt ein Wert, ist der Arbeitsplan für diesen Arbeitsgang unvollständig und die daraus berechnete Durchlaufzeit unbrauchbar.
Schritt für Schritt: Arbeitsplan anlegen
Schritt 1: Arbeitsgänge in Fertigungsreihenfolge erfassen
Legen Sie für das Produkt die Arbeitsgänge in der Reihenfolge an, in der sie ausgeführt werden, etwa Sägen, Fräsen, Bohren, Entgraten, Montieren. Jeder Arbeitsgang hat eine fortlaufende Nummer (10, 20, 30 …). Die Nummer bestimmt die Reihenfolge im Arbeitsplan. Ende: Sie sehen die vollständige Folge der Arbeitsgänge.
Schritt 2: Arbeitsplätze zuordnen
Ordnen Sie jedem Arbeitsgang den Arbeitsplatz zu, an dem er ausgeführt wird. Der Arbeitsplatz ist der räumliche Bereich, in dem ein Arbeitssystem angeordnet ist (DIN EN ISO 6385). Ein Arbeitsgang kann an mehreren Arbeitsplätzen ausgeführt werden; dann tragen Sie alle ein und die Reihenfolge, in der sie belegt werden. Ende: Jeder Arbeitsgang hat mindestens einen Arbeitsplatz.
Schritt 3: Rüstzeit je Los eintragen
Tragen Sie für jeden Arbeitsgang die Rüstzeit ein. Die Rüstzeit ist die Zeit für die Rüstaufgaben, etwa Werkzeug einrichten, Programm laden, Probeteil anfahren. Sie fällt je Los einmalig an, unabhängig von der Stückzahl, und belegt die Kapazität des Arbeitsplans, ist aber nicht wertschöpfend (REFA). Ende: Jeder Arbeitsgang hat eine Rüstzeit in Minuten je Los.
Schritt 4: Stückzeit je Stück eintragen
Tragen Sie für jeden Arbeitsgang die Stückzeit ein. Die Stückzeit ist der Zeitaufwand je Stück und entspricht der REFA-Zeitart „Zeit je Einheit“ bei der Menge m = 1. Sie wächst mit der Stückzahl: Bei 200 Stück dauert die Bearbeitung 200 mal die Stückzeit. Ende: Jeder Arbeitsgang hat eine Stückzeit in Minuten je Stück.
Schritt 5: Warte- und Transportzeiten ergänzen
Ergänzen Sie die Zeiten, die zwischen den Arbeitsgängen anfallen: Wartezeit, etwa auf das nächste Los, und Transportzeit zwischen den Arbeitsplätzen. Diese Zeiten sind Teil der Durchlaufzeit, aber keine Belegungszeit des Arbeitsplans. Ende: Der Arbeitsplan enthält neben den Bearbeitungszeiten auch die Zeiten zwischen den Arbeitsgängen.
Schritt 6: Arbeitsplan speichern und prüfen
Speichern Sie den Arbeitsplan und prüfen Sie die Summe der Zeiten. Falls Ihr System die Arbeitszeit je Arbeitsgang und die Durchlaufzeit automatisch berechnet, prüfen Sie, ob die berechneten Werte stimmen. Ende: Der Arbeitsplan ist gespeichert und die berechnete Durchlaufzeit ist sichtbar.
Ein Rechenbeispiel
Die folgende Beispielrechnung ist erfunden und dient nur der Veranschaulichung. Alle Zahlen sind Annahmen.
Produkt: Alu-Griff, Losgröße 200 Stück.
| Arbeitsgang | Arbeitsplatz | Rüstzeit (min je Los) | Stückzeit (min je Stück) |
|---|---|---|---|
| 10 Sägen | Säge | 15 | 0,5 |
| 20 Fräsen | Fräse | 30 | 2,0 |
| 30 Bohren | Bohren | 10 | 0,25 |
| 40 Entgraten | Entgraten | 5 | 0,1 |
| 50 Montieren | Montage | 10 | 1,5 |
Arbeitszeit je Arbeitsgang = Rüstzeit + Stückzeit × Losgröße:
| Arbeitsgang | Rechnung | Arbeitszeit (min) |
|---|---|---|
| 10 Sägen | 15 + 0,5 × 200 | 115 |
| 20 Fräsen | 30 + 2,0 × 200 | 430 |
| 30 Bohren | 10 + 0,25 × 200 | 60 |
| 40 Entgraten | 5 + 0,1 × 200 | 25 |
| 50 Montieren | 10 + 1,5 × 200 | 310 |
| Summe | – | 940 |
Die Summe der Arbeitszeiten beträgt 940 Minuten. Bei nacheinander ausgeführten Arbeitsgängen ohne Überlappung ergibt sich die Durchlaufzeit, wenn Sie Warte- und Transportzeiten hinzuzählen. Bei 10 Minuten Warte- und Transportzeit zwischen je zwei Arbeitsgängen (4 Abschnitte) sind das 40 Minuten. Die Durchlaufzeit beträgt dann 940 + 40 = 980 Minuten, das sind 16 Stunden 20 Minuten.
So prüfen Sie das Ergebnis
Prüfen Sie, ob jeder Arbeitsgang einen Arbeitsplatz und beide Zeiten hat. Ein Arbeitsgang ohne Rüstzeit oder Stückzeit erzeugt eine unvollständige Arbeitszeit. Prüfen Sie die Summe der Arbeitszeiten gegen die berechnete Durchlaufzeit: Bei nacheinander ausgeführten Arbeitsgängen muss die Durchlaufzeit mindestens so groß sein wie die Summe der Arbeitszeiten, denn sie enthält zusätzlich die Warte- und Transportzeiten. Prüfen Sie zuletzt, ob die Reihenfolge der Arbeitsgänge der technologischen Fertigungsreihenfolge entspricht. Falls Ihr System die Vorlaufzeiten aus dem Arbeitsplan automatisch in die Materialbedarfsplanung übernimmt, prüfen Sie, ob sie dort korrekt übernommen wurden.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Umgang |
|---|---|---|
| Durchlaufzeit ist kleiner als die Summe der Arbeitszeiten | Rechen- oder Einheitenfehler, oder der Ablauf weicht ab (etwa parallele Arbeitsgänge) | Rechnung und Einheiten prüfen, Ablauf prüfen |
| Arbeitszeit eines Arbeitsgangs ist null | Rüstzeit oder Stückzeit fehlt | Fehlende Zeit eintragen |
| Ein Arbeitsgang hat keinen Arbeitsplatz | Arbeitsplatz nicht zugeordnet | Arbeitsplatz zuordnen |
| Durchlaufzeit ist deutlich länger als erwartet | Rüstzeit, Stückzeit oder Warte- und Transportzeiten sind zu hoch, oder die Losgröße ist zu groß | Zeiten prüfen oder Losgröße verkleinern |
| Reihenfolge der Arbeitsgänge ist falsch | Arbeitsgangnummern sind nicht fortlaufend | Nummern korrigieren |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie einen Arbeitsorganisator oder Ihre Fertigungsplanung hinzu, wenn die Zeiten aus einer Zeitaufnahme nach REFA stammen sollen und Sie die Zeitaufnahme nicht selbst durchführen können, oder wenn der Arbeitsplan mehr als zehn Arbeitsgänge hat und Sie die Reihenfolge nicht sicher bestimmen können. Wenn die Rüstzeiten von den Werten in Ihrem ERP abweichen, klären Sie die Werte schriftlich; ein mündlicher Wert ist keine Stammdatenbasis.