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Stücklistenarten erklärt: Struktur-, Baukasten- und Mengenstückliste

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Die drei Grundformen unterscheiden sich darin, wie tief sie die Erzeugnisstruktur auflösen. Für den Aufbau im ERP eignet sich die Baukastenstückliste mit je einer einstufigen Liste pro Baugruppe; die Strukturstückliste zeigt alle Ebenen in einer Liste, die Mengenübersichtsstückliste nur die Gesamtmenge je Teil. Eine mehrstufige Stückliste entsteht, indem jede Baugruppe ein eigener Artikel mit eigener einstufiger Liste wird.

Das Wichtigste

  • Baukastenstückliste, einstufig: je übergeordneter Baugruppe nur die Teile der nächsten Stufe (Gabler Wirtschaftslexikon).
  • Strukturstückliste, mehrstufig: alle Teile über alle Fertigungsstufen, hierarchisch geordnet (Gabler Wirtschaftslexikon).
  • Mengenübersichtsstückliste: je Teil eine Gesamtmenge für eine Einheit des Erzeugnisses, ohne Ebenen (Gabler Wirtschaftslexikon).
  • Eine mehrstufige Stückliste entsteht aus einstufigen Listen je Baugruppe mit der Menge je Einheit des übergeordneten Teils.
  • Analytische Auflösung: vom Erzeugnis über die Strukturstückliste; synthetische: von der Baugruppe über die Baukastenstückliste.
  • Keine DIN-Norm gilt von selbst; verbindlich wird sie über einen Vertrag oder eine gesetzliche Vorschrift (DIN e. V.).

Wer eine Werkbank, eine Maschine oder ein Möbelstück im ERP abbildet, entscheidet beim Aufbau der Stammdaten, wie tief die Stückliste die Erzeugnisstruktur auflöst. Die drei Grundformen beantworten unterschiedliche Fragen: Was geht unmittelbar in eine Baugruppe ein, was steckt über alle Stufen im Erzeugnis, und welche Menge wird insgesamt gebraucht.

Was eine Stückliste festhält

Eine Stückliste ordnet einem übergeordneten Teil, dem Erzeugnis oder einer Baugruppe, die untergeordneten Teile zu, die zu seiner Herstellung nötig sind. Jede Position trägt nach dem Gabler Wirtschaftslexikon die Teilenummer, die Teilebezeichnung und den Mengenkoeffizienten: die Menge, mit der das Teil in eine Einheit des übergeordneten Teils eingeht. Hinzukommen können eine Variantennummer und ein Verweis auf die Konstruktionszeichnung.

Für den Aufbau folgt daraus: Die Liste hängt an genau einem übergeordneten Teil. Eine Baugruppe, die in mehreren Erzeugnissen steckt, führen Sie deshalb als eigenen Artikel; dann pflegen Sie ihre Teile einmal, und die Liste gilt für jeden Einsatz.

Die drei Grundformen im Vergleich

Die Tabelle stellt die Formen einander gegenüber. Die Definitionen folgen dem Gabler Wirtschaftslexikon.

Form Was sie zeigt Menge bezieht sich auf Wofür sie dient Grenze
Baukastenstückliste, einstufig die Teile und Baugruppen, die direkt in eine übergeordnete Baugruppe eingehen eine Einheit der übergeordneten Baugruppe Pflege der Stammdaten; Auflösung von der Baugruppe ausgehend (synthetisch) die Gesamtstruktur ergibt sich aus der Summe aller einstufigen Listen
Strukturstückliste, mehrstufig alle Teile über alle Fertigungsstufen, hierarchisch nach Stufen geordnet eine Einheit der jeweils übergeordneten Baugruppe Konstruktion und Übersicht; Auflösung vom Erzeugnis ausgehend (analytisch) ein Teil steht für jede übergeordnete Baugruppe erneut in der Liste
Mengenübersichtsstückliste alle Teile und Baugruppen eines Erzeugnisses, jedes Teil einmal eine Einheit des Erzeugnisses (Gesamtmenge) Kalkulation, Bestellübersicht, Prüfung der Struktur zeigt keine Ebenen und ist für die Disposition in Zwischenstufen nicht geeignet
Sonderformen: Varianten- und Matrixstückliste Ausprägungen eines Erzeugnisses und die Mehrfachverwendung eines Teils je nach Modell ein Merkmal oder ein Matrixfeld Variantenfertigung und Gleichteileverwaltung erfordert gepflegte Merkmale und Zuordnungen

Die analytische Auflösung geht vom Fertigerzeugnis aus, mit der Strukturstückliste; die synthetische geht vom Einzelteil oder der Baugruppe aus, mit der Baukastenstückliste (Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort Stücklistenauflösung). Für die Bedarfsrechnung über mehrere Stufen brauchen Sie die Ebenen, also die Baukasten- oder die Strukturstückliste; die Mengenübersichtsstückliste ist für die Disposition in den Zwischenstufen nicht geeignet. Ob eine Variantenstückliste oder ein Konfigurator passt, behandelt Variantenfertigung: Konfigurator oder Variantenstückliste.

Beispiel: eine Werkbank in drei Darstellungen

Das Beispiel ist erfunden, alle Zahlen sind Annahmen. Das Erzeugnis ist eine Werkbank WB-1 mit dem Gestell GE-2 als einziger Baugruppe. Arbeitsplatte AP-1 und Schraube SK-6 werden zugekauft; Standfuß SF-3 und Traverse TR-4 gehören zum Gestell.

Strukturstückliste (mehrstufig, alle Ebenen in einer Liste):

Pos. Ebene Teil Bezeichnung Menge je übergeordneter Einheit Einheit Herkunft
1 1 GE-2 Gestell 1 Stück Eigenfertigung
2 2 SF-3 Standfuß 4 Stück Zukauf
3 2 TR-4 Traverse 2 Stück Zukauf
4 2 SK-6 Schraube M8 x 40 8 Stück Zukauf
5 1 AP-1 Arbeitsplatte 1 Stück Zukauf
6 1 SK-6 Schraube M8 x 40 4 Stück Zukauf

Die Schraube SK-6 steht zweimal in dieser Liste, weil sie in zwei verschiedene übergeordnete Einheiten eingeht: acht Stück je Gestell und vier Stück je Werkbank. Die Mengenspalte nennt damit keinen Gesamtbedarf, sondern die Menge je Elterneinheit.

Baukastenstückliste (je Baugruppe eine einstufige Liste):

Übergeordnetes Teil Pos. Teil Bezeichnung Menge je einer Einheit des übergeordneten Teils Einheit
WB-1 1 GE-2 Gestell 1 Stück
WB-1 2 AP-1 Arbeitsplatte 1 Stück
WB-1 3 SK-6 Schraube M8 x 40 4 Stück
GE-2 1 SF-3 Standfuß 4 Stück
GE-2 2 TR-4 Traverse 2 Stück
GE-2 3 SK-6 Schraube M8 x 40 8 Stück

Aus diesen sechs Zeilen in zwei Listen entsteht dieselbe Struktur wie oben. Die Liste des Gestells gilt überall dort, wo das Gestell eingesetzt wird.

Mengenübersichtsstückliste (Gesamtmengen für eine Werkbank):

Teil Bezeichnung Gesamtmenge je 1 Werkbank Einheit Herkunft
GE-2 Gestell 1 Stück Eigenfertigung
AP-1 Arbeitsplatte 1 Stück Zukauf
SF-3 Standfuß 4 Stück Zukauf
TR-4 Traverse 2 Stück Zukauf
SK-6 Schraube M8 x 40 12 Stück Zukauf

Rechnungsweg der Schraube: 8 Stück je Gestell mal 1 Gestell je Werkbank plus 4 Stück je Werkbank ergibt 12 Stück. Für 25 Werkbänke gilt derselbe Satz mit dem Faktor 25: 25 Gestelle, 25 Arbeitsplatten, 100 Standfüße, 50 Traversen und 300 Schrauben.

Die Mengenübersichtsstückliste führt die Baugruppen mit auf. Für den Einkauf filtern Sie die zugekauften Blattartikel heraus, für die Montage zählen die Baugruppen; diese Auswahl ist eine redaktionelle Empfehlung.

So bauen Sie eine mehrstufige Stückliste auf

  1. Zerlegen Sie das Erzeugnis in seine Ebenen und notieren Sie zu jedem Teil, ob Sie es fertigen oder zukaufen.
  2. Legen Sie für jede montierte Gruppe einen eigenen Artikel an; an ihm hängt die untergeordnete Liste.
  3. Erfassen Sie je Baugruppe die einstufige Liste: Position, Teilenummer, Bezeichnung, Menge je Einheit der Baugruppe, Einheit und Herkunft.
  4. Tragen Sie die Menge auf eine Einheit des übergeordneten Teils ein, nicht auf ein Los oder eine Palette; Losgröße und Vorlaufzeit gehören in den Artikelstamm.
  5. Wiederholen Sie Schritt 2 bis 4 für jede Stufe, bis nur noch Teile ohne untergeordnete Struktur übrig bleiben.
  6. Prüfen Sie nach der Freigabe die Mengen mit einer Mengenübersichtsstückliste und in einem Testauftrag, ob die Bedarfsrechnung die erwarteten Bestell- und Fertigungsvorschläge erzeugt.

Die Mengenrechnung selbst beschreibt Materialbedarfsplanung (MRP) Schritt für Schritt. Wie Sie Änderungen an freigegebenen Listen steuern, steht in Stücklistenänderungen: Versionen und Freigabe; die Zeiten je Arbeitsgang ergänzt Arbeitsplan erstellen: Rüstzeit und Stückzeit.

Typische Fehler beim Aufbau

  • Die Baugruppe bleibt ein Blattartikel. Dann fehlt der Ort für die zweite Stufe, und die Teile des Gestells tauchen in der Auflösung nicht auf.
  • Die Menge bezieht sich auf das falsche Objekt. Eine Menge je Palette oder je Los statt je Stück verfälscht jede weitere Rechnung, weil die Auflösung mit der Menge des übergeordneten Teils multipliziert.
  • Ein Zukaufteil trägt eine Stückliste. Prüfen Sie je Blattartikel die Beschaffungsart und ob die Liste leer bleibt.
  • Die Mengenübersichtsstückliste ist die einzige Quelle. Aus ihr allein lässt sich die Montagefolge nicht ableiten, weil die Zwischenstufen fehlen.
  • Kein Gültigkeitsstand. Ohne Freigabe und Wirksamkeitsdatum ist später nicht nachvollziehbar, mit welcher Liste ein Auftrag gefertigt wurde.

Was Normen sagen und was sie nicht regeln

Die frühere Ausgabe DIN 199-1:2002-03 trug den Titel “Technische Produktdokumentation – CAD-Modelle, Zeichnungen und Stücklisten – Teil 1: Begriffe”; der Herausgeber führt sie als zurückgezogen. Die aktuelle Ausgabe DIN 199-1:2024-06 behandelt “Begriffe im Dokumentationswesen”; laut Zusammenfassung der Produktseite sind Begriffe aus der Ausgabe von 2002 übernommen und an den Sprachgebrauch angepasst.

Eine europäische Norm für die Stückliste als technisches Dokument hat einen engen Anwendungsbereich: EN 15016-2 trägt den Titel “Bahnanwendungen – Technische Dokumente – Teil 2: Stücklisten”. Beim Herausgeber geführt sind die deutsche Fassung DIN EN 15016-2:2026-02, die österreichische Fassung als ÖNORM EN 15016-2:2026-02-01 und die schweizerische Fassung als SN EN 15016-2+A1:2026-02.

Die DIN-Normen binden nicht von selbst. Nach der Darstellung des DIN e. V. entscheidet der Anwender selbst über die Anwendung; Pflicht wird eine Norm erst über einen Vertrag oder über eine gesetzliche Vorschrift, die ihre Einhaltung verlangt. Die drei Grundformen sind Fachbegriffe aus der Betriebswirtschaftslehre: Welche Form Sie führen, entscheidet die Aufgabe, nicht die Norm.

Prüfpunkte für Ihr Stammdatenmodell

  • Jede montierte Baugruppe ist ein eigener Artikel mit eigener einstufiger Liste.
  • Jede Position trägt Teilenummer, Bezeichnung, Menge je Einheit des übergeordneten Teils und Einheit.
  • Für jeden Blattartikel ist geprüft, ob er zugekauft oder gefertigt wird; eine Stückliste trägt nur, was selbst montiert wird.
  • Die Mengenübersichtsstückliste stimmt mit der Summe der einstufigen Listen überein.
  • Jede Liste trägt einen Freigabestand und ein Wirksamkeitsdatum.

Häufige Fragen

Reicht eine Mengenübersichtsstückliste als Grundlage für die Planung?

Nein. Sie verzeichnet je Teil nur eine Gesamtmenge und zeigt keine Ebenen; nach dem Gabler Wirtschaftslexikon ist sie für die Materialdisposition in den Zwischenstufen der Fertigung nicht geeignet. Für die Bedarfsrechnung über mehrere Stufen brauchen Sie die einstufigen Listen oder die Strukturstückliste. Als Prüfrechnung gegen die Zeichnung ist die Gesamtmenge dagegen nützlich.

Muss jede Baugruppe ein eigener Artikel sein?

Ja, wenn ihre Liste mehrfach gelten soll. Die untergeordnete Liste hängt an einem übergeordneten Teil; wird das Gestell als Artikel geführt, pflegen Sie seine Teile einmal und setzen es in jedem Erzeugnis ein. Bleibt die Baugruppe ein Blattartikel, endet die Struktur bei ihr.

Muss ich eine DIN-Norm zur Stückliste anwenden?

Nein. Nach der Darstellung des DIN e. V. entscheidet der Anwender selbst, ob er eine Norm anwendet; Pflicht wird sie erst über einen Vertrag oder über eine gesetzliche Vorschrift, die ihre Einhaltung verlangt. Verlangt ein Kunde eine bestimmte Darstellung, prüfen Sie das im Angebot: Grundlage ist dann der Vertrag, nicht die Norm.

Zählt die Mengenübersichtsstückliste die Baugruppen mit?

Ja. Sie verzeichnet die in einer Einheit des Erzeugnisses vorkommenden Teile und Baugruppen, jedes Teil einmal mit seiner Gesamtmenge. In der Werkbank des Beispiels steht deshalb das Gestell mit 1 Stück neben seinen Standfüßen. Für den Einkauf filtern Sie die zugekauften Blattartikel heraus; für die Montage zählen die Baugruppen.

Quellen

  1. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort Stückliste (Abschnitte Begriff, Grundformen a bis d, Verwendung)Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  2. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort StrukturstücklisteSpringer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  3. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort BaukastenstücklisteSpringer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  4. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort MengenübersichtsstücklisteSpringer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  5. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort StücklistenauflösungSpringer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  6. DIN 199-1:2024-06, Technische Produktdokumentation (TPD) – Teil 1: Begriffe im Dokumentationswesen; Ausgabedatum Juni 2024; Status beim Herausgeber: aktuellDIN Media GmbH (Herausgeber DIN Deutsches Institut für Normung e. V.) · abgerufen am
  7. DIN 199-1:2002-03, Technische Produktdokumentation – CAD-Modelle, Zeichnungen und Stücklisten – Teil 1: Begriffe; Ausgabedatum März 2002; Status beim Herausgeber: zurückgezogenDIN Media GmbH (Herausgeber DIN Deutsches Institut für Normung e. V.) · abgerufen am
  8. DIN EN 15016-2:2026-02, Bahnanwendungen – Technische Dokumente – Teil 2: Stücklisten; Deutsche Fassung EN 15016-2:2023+A1:2025; Status beim Herausgeber: aktuellDIN Media GmbH (Herausgeber DIN Deutsches Institut für Normung e. V.) · abgerufen am
  9. ÖNORM EN 15016-2:2026-02-01, Bahnanwendungen – Technische Dokumente – Teil 2: Stücklisten; Status beim Herausgeber: aktuellDIN Media GmbH (Normenkatalog) · abgerufen am
  10. SN EN 15016-2+A1:2026-02, Bahnanwendungen – Technische Dokumente – Teil 2: Stücklisten; Status beim Herausgeber: aktuellDIN Media GmbH (Normenkatalog) · abgerufen am
  11. DIN – kurz erklärt (Abschnitte Was ist eine Norm? und Sind Normen Pflicht?)DIN Deutsches Institut für Normung e. V. · abgerufen am
  12. Zusatzmaterial Stücklisten zum Schulbuch (ISBN 978-3-427-16261-2), Arbeitsblatt mit Mengen-, Struktur- und BaukastenstücklisteWestermann Gruppe · abgerufen am