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Disposition (Bedarf ermitteln, Beschaffung auslösen)

Aktualisiert:

Gilt für: Versionsunabhängige Beschreibung der Disposition in Warenwirtschafts- und ERP-Systemen für Deutschland, Österreich und die Schweiz; Beispielzahlen erfunden.

Kurz gesagt

Disposition ist die Aufgabe, den Bedarf an Artikeln nach Menge und Termin zu bestimmen, Bestand und offene Zugänge gegenzurechnen und daraus die Beschaffung auszulösen. In fünf Schritten führt sie vom Bedarf zum Bestellvorschlag. Die Rechnung ist betriebswirtschaftlich und gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich.

Das Wichtigste

  • Disposition bestimmt Menge und Termin; wer die Bestellung auslöst und wer sie freigibt, ist eine Frage der Aufgabenteilung im Betrieb.
  • Bedarf kommt programmorientiert aus Aufträgen und Stücklisten oder verbrauchsgesteuert aus dem Verbrauch der Vergangenheit.
  • Nettobedarf ist Bruttobedarf minus verfügbarer Bestand; offene Bestellungen gehen in den Vergleich ein.
  • Bestellpunkt = Tagesnachfrage × Lieferzeit + Sicherheitsbestand (Universität Zürich, Vorlesung Lagerhaltungsmanagement).
  • Ein Dispositionssystem führt die Schritte aus und erzeugt Bestellvorschläge; es geht in ERP-Systemen auf. Ob automatische Bestellungen oder Freigaben unterstützt werden, ist in der Dokumentation des jeweiligen Systems zu prüfen.
  • Eine Vorschrift, die eine Disposition vorschreibt, nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht.

Disposition ist in Einkauf und Lager die Aufgabe, den Bedarf an Artikeln nach Menge und Termin zu bestimmen und daraus Beschaffungs- oder Fertigungsvorgänge auszulösen, damit die Versorgung termingerecht gedeckt ist.

Wozu sie dient

Die Disposition steht zwischen dem Bedarf und der Bestellung. Sie beantwortet je Artikel drei Fragen: wie viel wird gebraucht, wann wird es gebraucht und was muss deshalb beschafft werden. Sie ist eine Teilaufgabe der Materialwirtschaft, neben der Bedarfsermittlung, der Bestellmengenplanung, der Wareneingangskontrolle und der Lagerung (Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort Materialwirtschaft).

Den Bedarf bestimmt sie auf zwei Wegen. Die bedarfsgesteuerte, auch programmorientierte Disposition rechnet den Sekundärbedarf aus dem Primärbedarf und den Erzeugnisstrukturdaten, also aus Aufträgen und Stücklisten (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Bedarfsgesteuerte Disposition). Die verbrauchsgesteuerte Disposition leitet den erwarteten Bedarf aus dem Verbrauch der Vergangenheit ab; nach dieser Quelle werden Materialien geringeren Werts so disponiert (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Verbrauchsgesteuerte Disposition).

Vom Bedarf zum Bestellvorschlag

Die Disposition läuft in einer festen Reihenfolge ab. Zuerst wird der Nettobedarf aus dem Bruttobedarf und dem Lagerbestand gerechnet, danach werden Beschaffungszeitpunkt und Beschaffungsmenge über die Losgrößenbildung und die Vorlaufverschiebung bestimmt (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Bedarfsgesteuerte Disposition).

Diese Folge lässt sich von Hand oder von einem Dispositionssystem ausführen. Ein Dispositionssystem ist ein computergestütztes Anwendungssystem, das dispositive Aufgaben unter anderem im Bestellwesen und in der Lagerhaltung ausführt und heute in ERP-Systemen aufgeht (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Dispositionssystem).

Schritt Manuell Systemgestützt (Dispositionslauf)
1. Bedarf ermitteln Der Disponent liest Aufträge, Verkaufszahlen oder Verbrauchslisten und schätzt den Bedarf Das System rechnet den Bedarf aus Aufträgen und Stücklisten oder aus einer Verbrauchsprognose
2. Bestand und Zugänge prüfen Der Lagerbestand wird gezählt oder aus der Kartei gelesen, offene Bestellungen aus einer Liste Das System führt den verfügbaren Lagerbestand und offene Zugänge und rechnet sie gegen
3. Nettobedarf rechnen Die Differenz wird von Hand gebildet Das System zieht den verfügbaren Bestand vom Bruttobedarf ab
4. Menge und Termin festlegen Erfahrungswerte und der auf der Karte notierte Meldebestand Losgrößenregel und Bestellpunkt aus den Stammdaten des Artikels
5. Beschaffung auslösen Die Bestellung wird geschrieben und an den Lieferanten geschickt Das System erzeugt einen Bestellvorschlag; ob es Bestellungen oder Freigaben automatisch ausführt, prüfen Sie in der Systemdokumentation

Die Zuordnung der beiden Spalten ist eine redaktionelle Darstellung; die Schrittfolge selbst folgt den geöffneten Quellen.

Beim Rechnen mit dem Bestellpunkt löst der Vergleich des verfügbaren Bestands mit dem Meldebestand eine Menge aus, entweder als feste Losgröße oder aufgefüllt auf den Maximalbestand; beim Bestellrhythmus ist der Termin die führende Größe (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Brutto-Netto-Bedarfsrechnung). Der Lauf gibt geplante Bestellfreigaben und Ausnahmelisten aus (MIT-Vorlesung zu MRP). Ob ein System Bestellungen oder Freigaben automatisch ausführt, sagen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht; das ist anhand der Dokumentation des jeweiligen Systems zu prüfen. Der klassische Bestellpunkt lässt sich auch ohne System führen: Erreicht der Restbestand den Meldebestand, geht die Bestellung an den Lieferanten (THM, Betriebliche Logistik, Bestellpunktverfahren).

Beispielrechnung

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Ein Artikel hat einen gleichmäßigen Bedarf von 20 Stück je Tag und eine Wiederbeschaffungszeit von 8 Tagen. Der Sicherheitsbestand beträgt 100 Stück. Der Meldebestand ist 20 × 8 + 100 = 260 Stück. Sinkt der verfügbare Bestand auf 260 Stück, löst die Disposition eine Bestellung aus; bei einer festen Bestellmenge von 400 Stück trifft der Zugang acht Tage später ein. Die Formel Bestellpunkt = Tagesnachfrage × Lieferzeit + Sicherheitsbestand steht in der Vorlesung Lagerhaltungsmanagement der Universität Zürich (Folie 19).

Wodurch die Aufgabe bestimmt ist

Eine Vorschrift, die eine Disposition vorschreibt, nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht. Die Aufgabe stammt aus der Betriebswirtschaftslehre: Das Aachener PPS-Modell des FIR e. V. an der RWTH Aachen strukturiert die Aufgaben der Produktionsplanung und -steuerung; in seiner Aufgabensicht gehört das Bestandsmanagement zu den Querschnittsaufgaben und die Produktionsbedarfs- sowie die Fremdbezugsplanung zu den Kernaufgaben (IPH Hannover, Darstellung des Aachener PPS-Modells nach Schuh). Die Rechnung gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich; Währung und Lohnwerte ändern sich, die Schritte nicht.

Ob ein ERP-System den Lauf automatisch startet, periodisch anstößt oder erst auf Anfrage rechnet, steht in seiner Dokumentation. Ob sich eine automatische Disposition für Ihre Artikelgruppen rechnet, rechnet der Artikel automatische Disposition im ERP durch; die dafür nötige Wiederbeschaffungszeit kommt aus dem Lieferantenstamm.

Nicht zu verwechseln mit

  • Meldebestand: die Bestandsmenge, bei deren Erreichen bestellt wird; die Disposition ist die Aufgabe, die diesen Punkt festlegt und die Beschaffung anstößt.
  • Sicherheitsbestand: der Puffer gegen Schwankungen von Verbrauch und Lieferzeit; er ist eine Eingangsgröße der Disposition, nicht ihr Ergebnis.
  • Materialbedarfsplanung (MRP): rechnet den Teilbedarf über die Stücklisten aus; die programmorientierte Disposition setzt darauf auf und bestimmt Menge und Termin.
  • Bestandsführung und Lagerverwaltung: buchen Zu- und Abgänge; die Disposition liest diese Zahlen und entscheidet, was beschafft wird.

Häufige Fragen

Wer disponiert – der Einkauf oder das Lager?

Das entscheidet der Betrieb, nicht die Methode. Die Schritte bleiben dieselben, nur die Zuständigkeit wechselt: Legen Sie fest, wer den Bedarf kennt, wer den Bestellvorschlag fachlich beurteilt und wer Preis und Lieferant verhandelt. Diese Rollen können in einer Hand liegen oder getrennt sein; verantwortlich bleibt, wer Fehlmengen und Kapitalbindung vertritt.

Kann die Disposition ganz automatisch laufen?

Die Rechnung ja, die Verantwortung nein. Die geöffneten Lehrquellen beschreiben einen Lauf, der Bestellvorschläge, Änderungsmitteilungen und Ausnahmelisten ausgibt; ob automatische Bestellungen und Freigaben unterstützt werden, ist anhand der Dokumentation des jeweiligen Systems zu prüfen. Die Ausnahmeliste zeigt Fälle, in denen Stammdaten oder Bestände nicht zusammenpassen, und braucht weiterhin eine Person, die sie liest.

Gilt die Rechnung in der Schweiz und in Österreich gleich?

Ja. Die Schrittfolge und die Formeln sind betriebswirtschaftlich und an kein Land gebunden. Unterschiedlich sind Währung, Lohnwerte und die Verfügbarkeit der Stammdaten wie Lieferzeit und Mindestbestellmenge. In der Schweiz rechnen Sie in Franken, in Österreich in Euro; die Bestellmenge ändert das nicht.

Was passiert, wenn die Stammdaten falsch sind?

Dann stimmt der Vorschlag nicht, obwohl die Rechnung richtig ist. Bestellpunkt, Losgröße und Sicherheitsbestand kommen aus dem Artikel- oder Lieferantenstamm; eine zu kurze Lieferzeit oder ein zu kleiner Sicherheitsbestand führt zu Fehlmengen, ein zu großer zu gebundenem Kapital. Prüfen Sie die Stammdaten, bevor Sie einen Lauf freigeben.

Quellen

  1. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Bedarfsgesteuerte Disposition (Wilhelm Dangelmaier)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am
  2. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Verbrauchsgesteuerte Disposition (Wilhelm Dangelmaier)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am
  3. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Brutto-Netto-Bedarfsrechnung (Wilhelm Dangelmaier)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am
  4. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Dispositionssystem (Roland Gabriel)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am
  5. Gabler Wirtschaftslexikon: Materialwirtschaft (Teilaufgaben der Materialwirtschaft, darunter Disposition)Springer Gabler Verlag · abgerufen am
  6. Produktionsmanagement: Produktionsplanung, Produktionssteuerung und Produktionscontrolling (Aufgabensicht des Aachener PPS-Modells nach Schuh, Produktionsplanung und -steuerung, 3. Auflage 2006)IPH – Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH · abgerufen am
  7. Forschung: Produktionsplanung (Arbeit auf Grundlage des Aachener PPS-Referenzmodells)FIR e. V. an der RWTH Aachen · abgerufen am
  8. Vorlesung 14: Lagerhaltungsmanagement, 19. Dezember 2016 (Bestellpunkt R = Tagesnachfrage × Lieferzeit + Sicherheitsbestand, Folie 19; optimale Bestellmenge, Folien 16 bis 18)Universität Zürich, Institut für Betriebswirtschaftslehre · abgerufen am
  9. 2.854 Introduction to Manufacturing Systems, Fall 2016: Material Requirements Planning (Nettobedarf, geplante Bestellfreigaben und Ausnahmelisten)Stanley B. Gershwin; MIT OpenCourseWare · abgerufen am
  10. Betriebliche Logistik, 3.1.3. bis 3.1.4. Beschaffungslogistik, Wintersemester 2010/11 (Teilaufgaben der Materialwirtschaft; Bestellpunktverfahren mit Sicherheits-, Melde- und Höchstbestand)Technische Hochschule Mittelhessen, B. Lackmann · abgerufen am