Meldebestand (Wann nachbestellt wird)
Kurz gesagt
Der Meldebestand ist die Bestandsmenge, bei deren Erreichen eine Bestellung ausgelöst wird. Er ist Tagesverbrauch mal Beschaffungszeit plus Sicherheitsbestand; in einer Beispielrechnung mit angenommenen Zahlen ergibt ein Artikel mit 15 Stück Tagesverbrauch, 12 Tagen Beschaffungszeit und 60 Stück Sicherheitsbestand einen Meldebestand von 240 Stück. Die Rechnung gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich.
Das Wichtigste
- Meldebestand in Stück = Tagesverbrauch in Stück je Tag × Beschaffungszeit in Tagen + Sicherheitsbestand in Stück.
- Erreicht der verfügbare Bestand den Meldebestand, geht eine Bestellung an den Lieferanten.
- Die Beschaffungszeit umfasst Bestelldisposition, Lieferzeit sowie Warenannahme, Prüfung und Einlagerung.
- Den Sicherheitsbestand legt der Betrieb je Artikel selbst fest; er ist Puffer für Schwankungen und Lieferverzögerungen.
- Eine gesetzliche Rechenvorschrift für den Meldebestand nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht.
Meldebestand, auch Bestellpunkt genannt, ist eine Planungsgröße am Artikel: die Bestandsmenge, ab der das Bestellpunktverfahren den nächsten Nachschub beschafft, damit der Verbrauch bis zum Eintreffen der Lieferung gedeckt ist.
Wozu der Meldebestand dient
Der Meldebestand beantwortet eine Frage: wann bestellt wird. Er gehört zum Bestellpunktverfahren der Vorratsbeschaffung, das die erwartete Lieferzeit der Ware berücksichtigt, um die Lieferbereitschaft des Lagers zu sichern und Fehlmengenkosten zu begrenzen (Technische Hochschule Mittelhessen, Beschaffungslogistik). Wie viel bestellt wird, entscheidet der Meldebestand nicht; das ist die Bestellmenge. Beide Werte können als Stammdaten am Artikel stehen, und ein Warenwirtschafts- oder ERP-System kann daraus einen Bestellvorschlag erzeugen; ob und wie es das tut, steht in seiner Dokumentation.
Formel und Beispielrechnung
Der Meldebestand setzt sich aus dem Verbrauch während der Beschaffungszeit und dem Sicherheitsbestand zusammen. Die Beschaffungszeit umfasst nach der geöffneten Quelle die Bestelldisposition, die Lieferzeit sowie die Zeit für Warenannahme, Prüfung und Einlagerung.
Meldebestand in Stück = Tagesverbrauch in Stück je Tag × Beschaffungszeit in Tagen + Sicherheitsbestand in Stück.
Ohne Sicherheitsbestand bleibt nur das Produkt aus Tagesnachfrage und Lieferzeit (Universität Zürich, Vorlesung Lagerhaltungsmanagement, Folie 19).
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Ein Handelsbetrieb lagert einen Artikel mit gleichmäßigem Absatz von 15 Stück je Tag. Die Beschaffungszeit beträgt 12 Tage, der Sicherheitsbestand 60 Stück.
| Größe | Rechnung | Wert |
|---|---|---|
| Tagesverbrauch | – | 15 Stück je Tag |
| Beschaffungszeit | – | 12 Tage |
| Verbrauch während der Beschaffungszeit | 15 × 12 | 180 Stück |
| Sicherheitsbestand | – | 60 Stück |
| Meldebestand | 180 + 60 | 240 Stück |
Sinkt der verfügbare Bestand auf 240 Stück, geht die Bestellung heraus. Trifft die Lieferung nach 12 Tagen ein, sind rechnerisch 180 Stück verbraucht, und es bleiben die 60 Stück Sicherheitsbestand im Lager. Bestellt der Betrieb eine feste Menge von 500 Stück, ergibt sich der Höchstbestand als Sicherheitsbestand plus Bestellmenge, also 60 + 500 = 560 Stück (Technische Hochschule Mittelhessen).
Grundlage der Rechnung
Eine gesetzliche Rechenvorschrift für den Meldebestand nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht. Die Formel steht in der Lagerhaltungslehre: Die Vorlesung Lagerhaltungsmanagement der Universität Zürich führt das Bestellpunktverfahren mit R = T × L + Sicherheitsbestand (Tagesnachfrage T, Lieferzeit L), die Beschaffungslogistik der Technischen Hochschule Mittelhessen schreibt Meldebestand = Beschaffungszeit × Tagesbedarf + Sicherheitsbestand und rechnet als Beispiel 5 × 100 + 300 = 800 Stück. Wie hoch der Sicherheitsbestand ausfällt, legt der Betrieb je Artikel auf Basis von Durchschnitts- und Erfahrungswerten selbst fest (Technische Hochschule Mittelhessen). Gegen Mengenunsicherheit wirkt ein höherer Sicherheitsbestand, gegen Terminunsicherheit eine zusätzliche Sicherheitsvorlaufzeit (MIT OpenCourseWare, Material Requirements Planning). Die Rechnung gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich; Währung und Stammdaten unterscheiden sich.
Nicht zu verwechseln mit
- Sicherheitsbestand: der Puffer gegen unregelmäßigen Verbrauch und Lieferverzögerungen. Er ist eine Eingangsgröße der Formel, nicht der Auslösepunkt.
- Losgröße: die Menge je Bestellung. Der Meldebestand sagt wann, die Losgröße wie viel bestellt wird. Den Höchstbestand bildet aber nicht der Meldebestand: Er ist der Sicherheitsbestand plus die Bestellmenge (Technische Hochschule Mittelhessen, Beschaffungslogistik).
- Disposition: die Aufgabe, die Bedarf, Bestand und Zugänge gegenrechnet und den Bestellvorschlag erzeugt; der Meldebestand ist einer ihrer Werte.
- Materialbedarfsplanung (MRP): rechnet den Bedarf programmorientiert aus Aufträgen und Stücklisten; das Bestellpunktverfahren arbeitet verbrauchsgesteuert.
- Wiederbeschaffungszeit: die Zeitspanne von der Bestellauslösung bis zum Eintreffen der Ware im Lager. Nach der Definition der Universität Duisburg-Essen gehören dazu die Verwaltungsabwicklung im eigenen Haus, Auftragsannahme und -bearbeitung beim Lieferanten, der Transport, die Wareneingangserfassung, die Qualitätskontrolle und die Einlagerung. Für die Formel zählt die Zeit bis zur Verfügbarkeit der Ware; die Beschaffungszeit der Technischen Hochschule Mittelhessen (Bestelldisposition, Lieferzeit sowie Warenannahme, Prüfung und Einlagerung) beschreibt dieselbe Spanne (Wiederbeschaffungszeit ermitteln).