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ABC-Analyse (Artikel nach Bedeutung ordnen)

Aktualisiert:

Gilt für: Versionsunabhängige Beschreibung der ABC-Analyse in Warenwirtschafts- und ERP-Systemen für Deutschland, Österreich und der Schweiz; Beispielzahlen erfunden.

Kurz gesagt

Die ABC-Analyse sortiert Artikel absteigend nach ihrem Verbrauchs- oder Umsatzwert und teilt sie in drei Klassen: A für die höchsten Wertanteile, B in der Mitte, C für die geringen Wertanteile. Im Beispiel mit zehn Artikeln tragen die ersten zwei 70 Prozent des Umsatzes. Die Klassengrenzen setzt der Betrieb selbst; in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt die Methode gleich.

Das Wichtigste

  • ABC-Analyse: Artikel absteigend nach Verbrauchs- oder Umsatzwert sortieren und in drei Klassen einteilen.
  • Als Beispielwerte nennt die geöffnete Vorlesung A rund 80 Prozent, B rund 15 Prozent, C rund 5 Prozent des Wertes.
  • Die Klassengrenzen setzt der Betrieb selbst; starre Grenzen nennt das Controlling-Skript nicht.
  • Die geöffnete Vorlesung ordnet A-Gütern laufende Bestandskontrolle, kleine Sicherheitsbestände und kurze Bestellzyklen zu, C-Gütern größere Zyklen.
  • Eine gesetzliche Rechenvorschrift für die ABC-Analyse nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht.

ABC-Analyse ist ein Verfahren der Material- und Lagerwirtschaft, das Artikel nach einem Merkmal – etwa dem Verbrauchs- oder Umsatzwert eines Jahres – absteigend sortiert und in die drei Klassen A, B und C einteilt, damit die Bearbeitung den wertmäßig wichtigsten Positionen folgt.

Wozu die ABC-Analyse dient

Die Methode trennt das Wesentliche vom Unwesentlichen und setzt Schwerpunkte: Sie zeigt, welche Positionen den größten Teil des Wertes tragen und deshalb genauer disponiert, kontrolliert und verhandelt werden, und welche sich mit geringem Aufwand bewirtschaften lassen (Universität Duisburg-Essen, ABC-XYZ Analyse; Technische Hochschule Mittelhessen, Controlling, Abschnitt 3.6.7). Klasse A hat dabei die höchste, Klasse C die geringste Priorität (VDI ZRE Kurzanalyse Nr. 20, S. 56).

Im Warenwirtschafts- oder ERP-System lässt sich die Analyse als Auswertung über einen Zeitraum einrichten; das Ergebnis kann dort als Klassenmerkmal am Artikel stehen und Bestellregeln und Zählrhythmen steuern (redaktioneller Umsetzungsvorschlag; die geöffneten Lehrquellen beschreiben die Methode und Behandlungsempfehlungen, keine einzelne Systemfunktion). Wie Ihr System die Klassen bildet, steht in seiner Dokumentation.

So gehen Sie vor

  1. Merkmal festlegen: Verbrauchs- oder Umsatzwert eines Zeitraums, Menge in Stück je Zeitraum oder Zugriffshäufigkeit. Das Merkmal bestimmt, welche Zahl Sie je Artikel sortieren.
  2. Kennzahl je Artikel rechnen: Bei einem Wertmerkmal Menge in Stück je Zeitraum × Preis in Euro je Stück = Verbrauchs- oder Umsatzwert in Euro je Zeitraum. Bei einem Mengen- oder Zugriffsmerkmal steht die Menge in Stück je Zeitraum oder die Zahl der Zugriffe selbst als Kennzahl; sie wird nicht mit dem Preis multipliziert.
  3. Nach fallender Kennzahl sortieren und je Artikel den Anteil an der Gesamtkennzahl rechnen: Kennzahl des Artikels ÷ Gesamtkennzahl × 100.
  4. Kumulierte Anteile bilden, indem jeder Anteil zu dem der vorherigen Artikel addiert wird.
  5. Grenzen setzen und zuordnen: bis zur ersten Grenze A, bis zur zweiten B, der Rest C.
  6. Behandlung je Klasse festlegen: Zählrhythmus, Sicherheitsbestand, Bestellverfahren, Prüftiefe im Wareneingang.

Die Schritte folgen dem Vorgehen der geöffneten Vorlesung, die Gesamtwert, relativen Anteil, Sortierung, Kumulierung und Zuordnung in sieben Schritten vorführt, daneben den relativen Mengenanteil je Klasse ausweist und in einem eigenen Beispiel auf Menge bezogen rechnet, sowie dem Controlling-Skript (Jahresumsatz je Position, Sortierung nach fallenden Werten, Kumulierung, prozentualer Anteil). Die Grenzen sind eine Entscheidung des Betriebs; das Controlling-Skript hält fest, dass es keine starren Grenzen gibt und auch vier Gruppen möglich sind.

Beispielrechnung mit zehn Artikeln

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Der Betrieb setzt die Grenzen bei 80 Prozent für Klasse A und bei 95 Prozent für Klasse B; der Zeitraum ist ein Jahr. Der Gesamtumsatz beträgt 100.000 Euro.

Artikel Menge (Stück je Jahr) Preis (Euro je Stück) Umsatz (Euro je Jahr) Umsatzanteil Kumulierter Umsatzanteil Klasse
1 900 50,00 45.000 45,0 Prozent 45,0 Prozent A
2 500 50,00 25.000 25,0 Prozent 70,0 Prozent A
3 5.500 2,00 11.000 11,0 Prozent 81,0 Prozent B
4 7.000 1,00 7.000 7,0 Prozent 88,0 Prozent B
5 10.000 0,50 5.000 5,0 Prozent 93,0 Prozent B
6 30.000 0,10 3.000 3,0 Prozent 96,0 Prozent C
7 20.000 0,10 2.000 2,0 Prozent 98,0 Prozent C
8 20.000 0,05 1.000 1,0 Prozent 99,0 Prozent C
9 12.000 0,05 600 0,6 Prozent 99,6 Prozent C
10 8.000 0,05 400 0,4 Prozent 100,0 Prozent C

Die Klasse folgt dem kumulierten Anteil: Artikel 2 erreicht 70,0 Prozent und bleibt A, Artikel 3 überschreitet mit 81,0 Prozent die 80-Prozent-Grenze und wird B; Artikel 5 bleibt mit 93,0 Prozent B, Artikel 6 wird mit 96,0 Prozent C.

Klasse Artikel Anteil an den Artikeln Anteil am Umsatz Anteil an der Menge
A 1 und 2 20 Prozent 70,0 Prozent 1,2 Prozent
B 3 bis 5 30 Prozent 23,0 Prozent 19,8 Prozent
C 6 bis 10 50 Prozent 7,0 Prozent 79,0 Prozent

Die Gegenprobe: 70,0 + 23,0 + 7,0 = 100,0 Prozent des Umsatzes; die Mengen 1.400 + 22.500 + 90.000 = 113.900 Stück, davon 1,2 Prozent in Klasse A und 79,0 Prozent in Klasse C. Die wenigen wertvollen Artikel tragen den größten Teil des Umsatzes, die zahlreichen geringen Artikel den größten Teil der Stückzahl.

Behandlung je Klasse

Die folgende Tabelle ist eine Beispielpolitik mit erfundenen Werten. Die Richtung der Regeln stammt aus der geöffneten Vorlesung, die A-Teile und C-Teile in diesen Merkmalen gegenüberstellt.

Klasse Bestandsüberwachung Sicherheitsbestand Bedarfsermittlung Bestellzyklus Einkauf
A laufend, nach jeder Bewegung klein, genau festgelegt auftragsbezogen, terminbestimmt kurz, mit festen Terminen je Bestellung intensive Preisverhandlung, alternative Lieferanten prüfen
B quartalsweise Zählung mittel verbrauchsgesteuert mit fester Bestellmenge mittel Preisverhandlung bei Bedarf
C jährliche Zählung großzügig verbrauchsgesteuert, Losgröße nach Verbrauch größere Zyklen, Sammelbestellung geringer Beschaffungsaufwand

Das Berufsschul-Arbeitsblatt zieht für den Wareneingang dieselbe Linie wie die Vorlesung: exakte Lagerbuchführung und Beschaffung in bedarfsnahen, auftragsspezifischen kleinen Losen bei A-Gütern, großzügige Lagerhaltung und weniger Kontrollen bei C-Gütern. Wie Sie die Zählung über das Jahr verteilen, steht unter Kreislaufinventur planen.

Wo die Methode an ihre Grenzen kommt

Die Grenzwerte beruhen nach der geöffneten Kritik auf Erfahrungswerten und sind damit willkürlich, drei Klassen sind grob, und die Analyse zeigt nur den aktuellen Stand: Ändert sich der Absatz eines Artikels, ändert sich seine Klasse. Auch das Merkmal entscheidet über das Ergebnis; nach Zugriffshäufigkeit im Lager kann ein anderer Artikel vorn liegen als nach Wert, und die geöffnete Vorlesung nennt dafür je Bereich eine eigene Kennzahl. Die Verbindung mit der Planbarkeit des Verbrauchs ist das Thema der ABC-XYZ-Analyse.

Grundlage der Methode

Erstmals beschrieben wurde die ABC-Analyse nach der geöffneten Vorlesung 1951 von H. Ford Dickie (General Electric); Grundlage waren Ergebnisse von Vilfredo Pareto und M. O. Lorenz. Als Beispielwerte je Klasse nennt dieselbe Quelle A rund 80 Prozent des Wertes bei rund 10 Prozent der Menge, B rund 15 Prozent bei rund 20 Prozent und C rund 5 Prozent bei rund 70 Prozent der Menge. Das Pareto-Prinzip 80 zu 20 ist dabei eine Beobachtung, kein Naturgesetz: Die Folien halten fest, dass das Verhältnis auch 80 zu 10 lauten kann.

Eine gesetzliche Rechenvorschrift für die ABC-Analyse nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht; die Methode stammt aus Materialwirtschaft und Controlling. Die genannten Veröffentlichungen sind Fach- und Lehrunterlagen ohne normative Wirkung; die VDI-Kurzanalyse stammt von einem Fachverband und bindet nicht von Gesetzes wegen.

Nicht zu verwechseln mit

  • Meldebestand: die Bestandsmenge, ab der nachbestellt wird. Die Klasse sagt, mit welcher Sorgfalt der Bestand eines Artikels überwacht wird.
  • Sicherheitsbestand: der Puffer gegen Schwankungen; seine Höhe kann sich nach der Klasse richten.
  • Losgröße: die Menge je Bestellung; eine Behandlungsregel, die aus dem Bestellzyklus der Klasse folgt.
  • Disposition: die Aufgabe, Bedarf und Bestand gegenzurechnen; die Klasse liefert ihr ein Prioritätsmerkmal.
  • Materialbedarfsplanung (MRP): rechnet den Bedarf aus Aufträgen und Stücklisten; die ABC-Analyse ordnet Artikel nach einem Wertmerkmal ein.
  • Lagerumschlag: eine Kennzahl aus Verbrauch und Bestand; ein niedriger Umschlag sagt nichts über die Klasse.

Häufige Fragen

Welches Merkmal nehme ich für die Einteilung?

Das folgt aus Ihrer Frage. Für gebundenes Kapital eignet sich der Verbrauchs- oder Umsatzwert eines Jahres, für Wege und Griffhäufigkeit im Lager die Zugriffshäufigkeit. Die geöffnete Vorlesung nennt für den Einkauf das Einkaufsvolumen, für den Vertrieb den Umsatz und für die Lagerhaltung die Zugriffshäufigkeit. Ein anderes Merkmal ergibt andere A-Artikel.

Muss ich die Grenzen bei 80 und 95 Prozent ziehen?

Nein. Die geöffneten Quellen nennen rund 80, 15 und 5 Prozent als Beispielwerte, das Berufsschul-Arbeitsblatt arbeitet mit 85 und 97 Prozent, und das Controlling-Skript schreibt, es gebe keine starren Grenzen und auch vier Gruppen seien möglich. Prüfen Sie, welche Artikel an der Grenze liegen.

Wie oft zähle ich A-Artikel?

Eine Zahl geben die geöffneten Quellen nicht vor. Die Vorlesung stellt A-Gütern eine laufende und C-Gütern eine jährliche Bestandskontrolle gegenüber; die Rhythmen legt Ihr Betrieb selbst fest. Wenn Sie die Zählungen über das Jahr verteilen, hilft der Ablauf unter [Kreislaufinventur planen](/warenwirtschaft/kreislaufinventur-zyklische-zaehlung-planen/).

Lässt sich die Analyse auch auf Kunden oder Lieferanten anwenden?

Ja. Die Vorlesung nennt Material und Materialgruppe (Einkaufsvolumen), Lieferant (Rechnungsbetrag), Produkt (Umsatz), Kunde und Kundengruppe (Umsatz), Absatzgebiet (Umsatz) und Lieferant im Qualitätsmanagement (fehlerhafte Produkte). Die Rechnung bleibt dieselbe, nur das Merkmal wechselt.

Quellen

  1. ABC-XYZ Analyse, Einführung, Folien 2 bis 16 (Definition und Vorgehen, Beispielwerte A/B/C, Merkmale A-Teil gegen C-Teil, Kritik an der Methodik); Quelle der Folien: Uta HorstmannUniversität Duisburg-Essen, Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Institut für Produkt Engineering, Transportsysteme und -logistik (Prof. Dr.-Ing. Bernd Noche) · abgerufen am
  2. Operatives und strategisches Controlling als Instrument der Unternehmensführung, Abschnitt 3.6.7 ABC-Analyse, Seiten 126 bis 129 (Tabelle mit zehn Positionen, keine starren Grenzen, Anwendungsbereiche); Dozent Frank NockemannTechnische Hochschule Mittelhessen · abgerufen am
  3. ABC-Analyse, Arbeitsblatt mit Lösungserwartung (zehn Artikel A1 bis A10, Wertgrenzen 85 und 97 Prozent, Schlussfolgerungen je Klasse)Städtische Berufsschule Nürnberg · abgerufen am
  4. VDI ZRE Kurzanalyse Nr. 20: Ressourceneffizienz durch Maßnahmen in der Produktentwicklung, November 2017, Seiten 56 und 57 (ABC-Analyse, Priorität der Klassen A bis C, Tabelle 17)VDI Zentrum Ressourceneffizienz GmbH · abgerufen am