Lagerumschlag und Reichweite (Wie schnell das Lager dreht)
Kurz gesagt
Der Lagerumschlag ist der Verbrauch einer Periode geteilt durch den durchschnittlichen Lagerbestand; die Lagerreichweite ist der durchschnittliche Bestand geteilt durch den Tagesverbrauch. Für beide brauchen Sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz den Verbrauch, den durchschnittlichen Bestandswert aus Ihrem Warenwirtschaftssystem und die Länge der Periode, jeweils in derselben Einheit.
Das Wichtigste
- Lagerumschlag = Verbrauch der Periode ÷ durchschnittlicher Lagerbestand, Einheit Umschläge je Periode.
- Lagerreichweite = durchschnittlicher Lagerbestand ÷ Tagesverbrauch, Einheit Tage.
- Zähler und Nenner brauchen dieselbe Einheit (Euro zu Einstandspreisen, Euro zu Verkaufspreisen oder Stück) und dieselbe Periode.
- Kürzung des Bestands um ein Viertel: Umschlag 10,0 statt 7,5, Reichweite 36 statt 48 Tage (Beispiel).
- Formelgrundlage: schulische Formelsammlung und offenes Lehrbuch; eine gesetzliche Rechenvorschrift für die Kennzahl nennen sie nicht.
Lagerumschlag (auch Umschlagshäufigkeit) ist das Verhältnis aus dem Verbrauch einer Periode und dem durchschnittlichen Lagerbestand derselben Periode; das Ergebnis zählt, wie oft sich der durchschnittliche Bestand in dieser Zeit erneuert hat.
Wozu die Kennzahl dient
Der Umschlag beantwortet eine Frage, die ein einzelner Bestandswert offen lässt: ob 100.000 Euro Lagerbestand viel oder wenig sind. Die Lagerreichweite nennt denselben Zusammenhang in Tagen. Beide Kennzahlen tragen Aussagen über Kapitalbindung, Bestellmengen und Sortimentsbreite, messen aber die Geschwindigkeit, nicht die Versorgungslage: Neben dem Servicegrad zeigt sich, ob der Bestand auch reicht (Servicegrad und Lieferbereitschaft).
Formeln und Einheiten
Zähler und Nenner stehen in derselben Einheit (Euro zu Einstandspreisen, Euro zu Verkaufspreisen oder Stück) und in derselben Periode.
| Kennzahl | Formel | Einheit |
|---|---|---|
| durchschnittlicher Lagerbestand | (Jahresanfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13 | Euro |
| Lagerumschlag | Verbrauch der Periode ÷ durchschnittlicher Lagerbestand | Umschläge je Periode |
| Tagesverbrauch | Verbrauch der Periode ÷ Tage der Periode | Euro je Tag |
| Lagerreichweite | durchschnittlicher Lagerbestand ÷ Tagesverbrauch | Tage |
Beispielrechnung: Bestand um ein Viertel kürzen
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: ein Jahr mit 360 Rechnungstagen, Wareneinsatz 750.000 Euro, durchschnittlicher Lagerbestand 100.000 Euro. Gekürzt wird der Bestand um ein Viertel auf 75.000 Euro, der Verbrauch bleibt.
| Größe | Ausgangslage | Bestand um ein Viertel gekürzt |
|---|---|---|
| Verbrauch je Jahr (Wareneinsatz) | 750.000 Euro | 750.000 Euro |
| durchschnittlicher Lagerbestand | 100.000 Euro | 75.000 Euro |
| Tagesverbrauch | 2.083,33 Euro | 2.083,33 Euro |
| Lagerumschlag | 7,5 | 10,0 |
| Lagerreichweite | 48 Tage | 36 Tage |
Die Probe: 750.000 ÷ 100.000 = 7,5 und 100.000 ÷ 2.083,33 = 48; nach der Kürzung 750.000 ÷ 75.000 = 10,0 und 75.000 ÷ 2.083,33 = 36. Der Umschlag steigt um ein Drittel (10,0 ÷ 7,5 = 1,3333), die Reichweite sinkt um ein Viertel. In Franken gelten dieselben Formeln mit CHF-Beträgen. Bewertungsbasen und Prüfschritte für Ihre Daten: Lagerumschlag und Reichweite berechnen.
Grundlage der Formeln
Die Rechengrößen stehen in der Lernfeldorientierten Formelsammlung Industrie der Berufsschule 4 Nürnberg (Lernfeld 6, Seite 4): durchschnittlicher Lagerbestand, Umschlagshäufigkeit als Verbrauch pro Jahr geteilt durch den durchschnittlichen Bestand, Lagerdauer als 360 geteilt durch die Umschlagshäufigkeit; das Jahr rechnet sie mit 360 Tagen. Das offene Lehrbuch Financial Accounting rechnet den Umschlag ebenso und die gehaltenen Tage als durchschnittlichen Bestand geteilt durch den Tageswareneinsatz, mit 365 Tagen und 360 als Vereinfachung. Beide Quellen sind Lehrmittel; eine gesetzliche Rechenvorschrift nennen sie nicht.
Nicht zu verwechseln
- Meldebestand: die Menge, bei deren Erreichen bestellt wird; die Reichweite ist dagegen eine Dauer in Tagen (Meldebestand).
- Lagerkostensatz und Lagerzinssatz: sie bewerten das gebundene Kapital je Jahr in Prozent, nicht die Zahl der Umschläge (Lagerkosten und Kapitalbindung).
- Sortimentsumschlag und Artikelumschlag: kein Durchschnitt der Artikelumschläge, sondern die Summe von Verbrauch und Bestand über alle Artikel.