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Kreislaufinventur planen: Zyklische Zählung nach ABC

Rechtsstand: · Aktualisiert:

Gilt für: Versionunabhängiger Prozess für Warenwirtschafts- und Lagersysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz; keine Produkt- oder Versionsbindung.

Kurz gesagt

Sie klassifizieren Ihre Artikel nach ABC und legen je Klasse eine Zählfrequenz fest (Beispiel: A-Artikel monatlich, B-Artikel alle zwei Monate, C-Artikel halbjährlich). Die tägliche Zählliste umfasst eine feste Anzahl Artikel, die Sie über das Jahr gleichmäßig verteilen. So ist jeder Artikel zum Jahresende die geforderte Anzahl gezählt.

Das Wichtigste

  • ABC-Klassifikation: Zählfrequenz je Klasse festlegen, z. B. A-Artikel 12×/Jahr, B-Artikel 6×/Jahr, C-Artikel 2×/Jahr (redaktionelle Empfehlung).
  • Tägliche Zählliste: Zählvorgänge pro Jahr geteilt durch Arbeitstage, z. B. 3.800 / 250 = 15,2; 200 Tage mit 15 und 50 Tage mit 16 Zählungen ergeben 3.800.
  • DE: § 241 Abs. 2 HGB entbehrlich die körperliche Bestandsaufnahme am Jahresende, wenn ein GoB-entsprechendes anderes Verfahren den Bestand nach Art, Menge und Wert für den Abschlussstichtag sichert; § 241 Abs. 3 HGB erlaubt einen Zähltag 3 Monate vor bis 2 Monate nach dem Jahresende mit Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren.
  • AT: § 192 Abs. 2 UGB entbehrlich die körperliche Bestandsaufnahme am Jahresende, wenn ein GoB-entsprechendes anderes Verfahren den Bestand nach Art, Menge und Wert für den Abschlussstichtag sichert; § 192 Abs. 3 UGB erlaubt einen Zähltag 3 Monate vor bis 2 Monate nach dem Jahresende mit Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren.
  • CH: Art. 958c Abs. 2 OR verlangt den Nachweis des Bestands durch ein Inventar oder auf andere Art.

Eine Kreislaufinventur verteilt die Zählarbeit über das ganze Jahr: Statt einmal im Jahr den gesamten Bestand zu zählen, zählen Sie täglich eine kleine Liste von Artikeln. Die ABC-Klassifikation bestimmt, wie oft jeder Artikel gezählt wird. So bleibt der Buchbestand laufend aktuell, und die Jahresinventur wird kürzer.

Was Sie vorab brauchen

  • die Artikelstammdaten mit Jahresumsatz oder Jahresverbrauch je Artikel
  • die Entscheidung, welches ABC-Kriterium Sie verwenden (Umsatz, Verbrauch, Marge)
  • die Zahl der aktiven Artikel und die Arbeitstage im Jahr
  • die Festlegung, welche Zählfrequenz je Klasse gilt
  • ein Zählgerät oder eine App, die die gezählten Mengen erfasst
  • die Festlegung, wer zählt und wann
  • die Möglichkeit, Differenzen direkt zu buchen

Schritt für Schritt: Kreislaufinventur planen

Schritt 1: Artikel nach ABC klassifizieren

Sortieren Sie Ihre Artikel nach dem Jahresumsatz oder Jahresverbrauch und klassifizieren Sie sie in drei Gruppen. A-Artikel sind die 10 Prozent der Artikel, die 70 Prozent des Werts ausmachen. B-Artikel sind die nächsten 20 Prozent der Artikel mit 20 Prozent des Werts. C-Artikel sind die restlichen 70 Prozent der Artikel mit 10 Prozent des Werts. Die Grenzwerte sind redaktionelle Empfehlungen; passen Sie sie an Ihren Betrieb an. Tragen Sie die Klasse als Feld in die Artikelstammdaten ein, damit das System die Zählliste automatisch erzeugen kann.

  • Ergebnis: Jeder Artikel trägt eine ABC-Klasse.

Schritt 2: Zählfrequenz je Klasse festlegen

Legen Sie fest, wie oft Sie je Klasse pro Jahr zählen. A-Artikel zählen Sie 12×/Jahr (monatlich), B-Artikel 6×/Jahr (alle zwei Monate), C-Artikel 2×/Jahr (halbjährlich). Die Frequenz richtet sich nach dem Wert und der Volatilität des Bestands. Je höher der Wert und die Volatilität, desto öfter zählen Sie. Die Frequenz ist eine redaktionelle Empfehlung; passen Sie sie an die Toleranzen Ihres Betriebs an.

  • Ergebnis: Je Klasse steht die Zählfrequenz fest.

Schritt 3: Tägliche Zählliste berechnen

Rechnen Sie die Gesamtzahl der Zählvorgänge pro Jahr aus und teilen Sie sie durch die Arbeitstage. Beispielrechnung: 100 A-Artikel × 12 + 200 B-Artikel × 6 + 700 C-Artikel × 2 = 3.800 Zählvorgänge. Geteilt durch 250 Arbeitstage ergibt das 15,2. 15 × 250 = 3.750, es fehlen 50 Zählungen. Planen Sie 200 Tage mit 15 und 50 Tage mit 16 Zählungen, damit alle 3.800 Zählvorgänge abgedeckt sind. Prüfen Sie, ob 15–16 Artikel in der verfügbaren Zeit zu zählen sind; wenn nicht, verteilen Sie die Liste auf zwei Schichten oder passen Sie die Frequenz an.

  • Ergebnis: Die tägliche Zählliste umfasst 15–16 Artikel.

Schritt 4: Zählplan im Kalender verteilen

Verteilen Sie die Zählvorgänge über das Jahr, indem Sie die Artikelgruppen über die Monate versetzen. A-Artikel zählen Sie jeden Monat (alle 100). B-Artikel teilen Sie in zwei Gruppen zu je 100: Gruppe B1 zählt in den Monaten 1, 3, 5, 7, 9, 11, Gruppe B2 in den Monaten 2, 4, 6, 8, 10, 12. C-Artikel teilen Sie in zwölf Gruppen zu je 58–59; jede Gruppe zählt zweimal im Jahr, sechs Monate auseinander, sodass pro Monat zwei Gruppen anfallen. So bleibt die tägliche Zählliste über das Jahr gleichmäßig. Der Kalender zeigt die vollständige Abdeckung im Jahr:

Monat A (100 Artikel) B (200 Artikel) C (700 Artikel) Summe
Januar 100 100 117 317
Februar 100 100 117 317
März 100 100 117 317
April 100 100 117 317
Mai 100 100 116 316
Juni 100 100 116 316
Juli 100 100 117 317
August 100 100 117 317
September 100 100 117 317
Oktober 100 100 117 317
November 100 100 116 316
Dezember 100 100 116 316
Summe 1.200 1.200 1.400 3.800
  • Ergebnis: Der Kalender zeigt die vollständige Abdeckung im Jahr.

Schritt 5: Zählen und dokumentieren

Zählen Sie täglich die 15–16 Artikel der Zählliste und dokumentieren Sie die gezählte Menge. Vergleichen Sie sie mit dem Buchbestand und buchen Sie Differenzen. Wenn die Differenzquote steigt, prüfen Sie die Zählgenauigkeit und passen Sie die ABC-Grenzwerte an. Halten Sie Datum, Zähler und gezählte Menge fest, damit sich jede Zählung nachvollziehen lässt.

  • Ergebnis: Die gezählten Mengen sind dokumentiert und der Buchbestand ist aktuell.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Prüfen Sie, dass jeder Artikel die geforderte Anzahl gezählt wurde: A-Artikel 12×, B-Artikel 6×, C-Artikel 2×.
  • Vergleichen Sie die Differenzquote mit dem Vorjahr; eine steigende Quote deutet auf ungenaue Zählung hin.
  • Stellen Sie sicher, dass die tägliche Zählliste realistisch ist (15–16 Artikel in der verfügbaren Zeit) und dass 200 × 15 + 50 × 16 = 3.800 Zählvorgänge abgedeckt sind.
  • Dokumentieren Sie die Zählung und die Differenzen, damit sich jede Zählung nachvollziehen lässt.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Mögliche Ursache Lösung
Tägliche Zählliste zu groß Zu viele Artikel in Klasse A ABC-Grenzwerte anpassen, A-Gruppe verkleinern
Differenzquote steigt Zählung ungenau Zählgerät verwenden, Doppelzählung einführen
Artikel werden vergessen Zählplan nicht eingehalten Zählplan im ERP automatisieren
Jahresinventur bleibt lang C-Artikel werden zu selten gezählt C-Frequenz von 2× auf 4×/Jahr erhöhen
Zähler streiten über Mengen Keine feste Zählregel Doppelzählung mit Abweichungsgrenze einführen

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Ihre Steuerberatung hinzu, wenn die Kreislaufinventur die körperliche Bestandsaufnahme am Jahresende ersetzen soll. In Deutschland verlangt § 241 Abs. 2 HGB, dass ein den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechendes anderes Verfahren sichert, dass der Bestand nach Art, Menge und Wert für den Abschlussstichtag festgestellt werden kann; § 241 Abs. 3 HGB erlaubt einen Zähltag 3 Monate vor bis 2 Monate nach dem Jahresende, wenn ein Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren die Bewertung zum Abschlussstichtag sichert. In Österreich gilt § 192 Abs. 2 UGB mit denselben Bedingungen, in der Schweiz Art. 958c Abs. 2 OR. Klären Sie mit Ihrer Beratung, ob Ihre Kreislaufinventur diese Anforderungen erfüllt, bevor Sie auf die Jahresinventur verzichten.

Häufige Fragen

Kann die Kreislaufinventur die Jahresinventur ersetzen?

Ja, unter Bedingungen. In Deutschland verlangt § 241 Abs. 2 HGB, dass ein den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entsprechendes anderes Verfahren sichert, dass der Bestand nach Art, Menge und Wert für den Abschlussstichtag festgestellt werden kann; § 241 Abs. 3 HGB erlaubt einen Zähltag 3 Monate vor bis 2 Monate nach dem Jahresende, wenn ein Fortschreibungs- oder Rückrechnungsverfahren die Bewertung zum Abschlussstichtag sichert. In Österreich gilt § 192 Abs. 2 UGB mit denselben Bedingungen, in der Schweiz Art. 958c Abs. 2 OR. Klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, ob Ihre Kreislaufinventur diese Anforderungen erfüllt.

Wie viele Artikel zähle ich pro Tag?

Das hängt von der Gesamtzahl der Zählvorgänge und den Arbeitstagen ab. Bei 100 A-Artikel (12×/Jahr), 200 B-Artikel (6×/Jahr) und 700 C-Artikel (2×/Jahr) sind es 3.800 Zählvorgänge. Geteilt durch 250 Arbeitstage ergibt das 15,2. Runden Sie nicht einfach auf 15: 15 × 250 = 3.750, es fehlen 50 Zählungen. Planen Sie 200 Tage mit 15 und 50 Tage mit 16 Zählungen (3.800 gesamt).

Was mache ich, wenn ein Artikel nicht auffindbar ist?

Dokumentieren Sie die Differenz und buchen Sie sie. Wenn die Differenzquote steigt, prüfen Sie die Zählgenauigkeit: Verwenden Sie ein Zählgerät, führen Sie eine Doppelzählung ein und passen Sie die ABC-Grenzwerte an.

Quellen

  1. Handelsgesetzbuch (HGB), § 241 InventurvereinfachungsverfahrenBundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet · abgerufen am
  2. Unternehmensgesetzbuch (UGB), § 192 Inventurverfahren (Fassung gültig ab 1. Jänner 2007)Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) · abgerufen am
  3. Obligationenrecht (OR), Art. 958c Nachweis des Bestandes (Stand am 1. Oktober 2026)Schweizerische Eidgenossenschaft, Fedlex · abgerufen am
  4. Rationalisierung von Inventur und Bestandskontrolle, Jörg Ökonomou, Springer Gabler, 2. Auflage 2023, ISBN 978-3-658-38605-4Springer Fachmedien Wiesbaden · abgerufen am