Lagerplätze vergeben: Festplatz, chaotisch oder Zonen?
Kurz gesagt
Festplatz, chaotische Vergabe und Zonen sind drei Arten, Lagerplätze zuzuteilen; sie unterscheiden sich in Flächennutzung, Wegstrecke, Fehlerrisiko und Datenbedarf. Festplatz kostet Platz, ist aber ohne System lesbar; chaotisch zielt darauf, jeden freien Platz zu nutzen, und verlangt eine dokumentierte Platzzuordnung; Zonen sind der Kompromiss bei stark unterschiedlicher Umschlagshäufigkeit. Die Wahl folgt aus Sortiment, Fächerzahl und Zahl der Kommissionierer, nicht aus dem Land.
Das Wichtigste
- Festplatz: ein Fach je Artikel; freie Reserven bleiben gesperrt, der Platzbedarf liegt höher.
- Chaotisch: Einlagerung auf jeden freien Platz mit dem Ziel, den Lagerraum auszunutzen; der Bericht nennt Unübersichtlichkeit als Nachteil und verlangt dafür die detaillierte Dokumentation je Lagerplatz.
- Zonen: Artikel nach Umschlagshäufigkeit und weiteren Merkmalen; innerhalb der Zone chaotisch, jedes Fach eindeutig nummeriert.
- Kommissionierung mit Papierliste: rund 0,3 Prozent Fehlerquote in einer Untersuchung, berichtet 2012.
- Weg je Position, Belegungsgrad und Lagerorganisationsgrad zeigen, ob die Zuordnung noch passt.
- Die Kriterien gelten für manuelle Lager in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die VDI-Richtlinie 3590 unterscheidet am Kommissioniersystem ein Informations-, ein Materialfluss- und ein Organisationssystem (öffentliches Inhaltsverzeichnis zu Blatt 1, Ausgabe April 1994). Die Vergabe der Lagerplätze berührt alle drei: die Regel, den Weg und die Daten, die das System führen muss.
Worum es bei der Auswahl geht
Gesucht ist keine Rangfolge der Verfahren, sondern die Zuordnung, die zu Ihrem Sortiment und Ihrem Team passt. Drei Größen entscheiden: wie viele Artikel sich Fächer teilen können, wie ungleich die Nachfrage über die Artikel verteilt ist und wie viel Technik im Lager einen Platz finden und bestätigen kann. Die VDI-Richtlinie 3590 behandelt diese Fragen in Blatt 2 (Systemfindung, Ausgabe Juli 2002): Das öffentliche Inhaltsverzeichnis nennt Basisdaten, Kennzahlen, Entscheidungskriterien und Entscheidungshilfen für Organisations-, Informations- und Materialflusssystem. Blatt 3 (Praxisbeispiele, Ausgabe August 2002) führt Beispiele aus dem technischen Großhandel, dem Pharmagroßhandel mit Apotheke, dem Versandhandel und dem Kommissionieren für die Montage. Der Rahmen ist damit klar: Das Sortiment setzt die Bedingungen, das Verfahren folgt ihnen.
Die drei Arten der Zuordnung
Der Abschlussbericht des Forschungsprojekts ReKom (Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart, Laufzeit 1. April 2015 bis 31. März 2017) beschreibt die Strategien im Abschnitt Lagerplatzzuordnung des zweiten Kapitels, auf den Seiten 6 bis 8.
Bei der festen Lagerplatzvergabe hat jeder Artikel einen festen Platz und liegt stets an derselben Stelle. Der Bericht nennt als Nachteil, dass die Ausnutzung der Fächer unvollständig und uneinheitlich ist, weil bei schwankenden Beständen freie Reserven für andere Artikel gesperrt bleiben; der Platzbedarf liegt deshalb hoch. Als Vorteil nennt er die sehr gute Bestimmbarkeit des Lagerortes: Es muss nicht lange gesucht werden, und in einem manuellen Lager ist sogar eine Zeitoptimierung möglich. Eine Unterform ist die Vergabe mit Querverteilung: Mehrere Lagereinheiten eines Artikels liegen über mehrere Gänge verteilt, damit auf einen schnelldrehenden Artikel parallel zugegriffen werden kann und er bei einer Störung in einem Gang erreichbar bleibt.
Bei der chaotischen Lagerplatzvergabe ist ein Artikel an keinen festen Ort gebunden. Er kommt auf jeden freien Platz, mit dem Ziel, den Lagerraum bestmöglich auszunutzen. Der Bericht nennt als Vorteil Zeitersparnisse, weil Artikel überwiegend im vorderen Bereich des Lagers abgelegt werden, und die größere Ausfallsicherheit: Ist eine Lagergasse blockiert, liegen Lagereinheiten desselben Artikels auch in anderen Gassen. Als Nachteil nennt er die Unübersichtlichkeit vor allem in großen Lagern und die Folge daraus: Jeder eingelagerte Artikel muss mit seinem Lagerplatz detailliert dokumentiert sein.
Die klassenbasierte Vergabe nach Lagerzonen ist nach dem Bericht ein Kompromiss: Die chaotische Zuordnung gilt nur innerhalb einzelner Bereiche, Vorteile und Nachteile treten abgeschwächt auf. Voraussetzung ist, dass jedes Lagerfach eindeutig nummeriert ist. Die Artikel werden nach Merkmalen wie Wegstrecke, Umschlagshäufigkeit, Wertigkeit, Gewicht, Zugriffshäufigkeit und Volumen einer Zone zugeordnet; häufig bewegte Artikel liegen nahe am Ein- und Auslagerungspunkt. Für die Einteilung wird nach dem Bericht typischerweise die ABC-Analyse verwendet, die Ihnen die ABC-XYZ-Analyse für Ihr Sortiment liefert. Verwandt, aber unabhängig von den drei Strategien ist die Zuordnung nach Teilefamilien: Artikel, die häufig gemeinsam kommissioniert werden, liegen benachbart, um Anschlusswege zu verkürzen.
Diese Kriterien zählen
Die Tabelle stellt die drei Strategien nebeneinander, für manuelle Lager in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Mechanik in den Spalten Festplatz, chaotisch und Zonen stammt aus den Seiten 6 bis 8 des geöffneten Abschlussberichts; die Zuordnung der Kennzahlen zu den Strategien ist unsere Einschätzung.
| Kriterium | Festplatz | Chaotische Vergabe | Zonen |
|---|---|---|---|
| Flächennutzung | Ein Fach gehört einem Artikel; freie Reserven bleiben bei schwankendem Bestand gesperrt, der Platzbedarf ist hoch (S. 7) | Jeder freie Platz wird genutzt; die Vergabe ist auf die Ausnutzung des Lagerraums gerichtet (S. 7) | Chaotisch nur innerhalb der Zone; freie Fächer einer anderen Zone bleiben für einen Artikel unbenutzt (S. 8) |
| Wegstrecke | Der Ort ist ohne Technik bestimmbar; nach dem Bericht muss nicht lange gesucht werden, im manuellen Lager ist eine Zeitoptimierung möglich (S. 7) | Kurze Wege entstehen, weil Artikel überwiegend im vorderen Bereich eingelagert werden; ohne Regel liegt der Artikel dort, wo gerade Platz war (S. 7) | Artikel mit hoher Zugriffshäufigkeit liegen nahe am Ein- und Auslagerungspunkt; wie die Wege je Auftrag wirken, zeigt Kommissionierverfahren im Vergleich (S. 8) |
| Fehlerrisiko | Ein Fach gehört genau einem Artikel; ob der Artikel richtig liegt, prüfen Sie durch den Abgleich von Artikel und Fach, ohne Gerät | Beschäftigte kennen nur die Fachnummer, nicht den Artikel; falsch eingelagerte Ware fällt erst bei einem zusätzlichen Abgleich auf, und die Art der Fachcodierung beeinflusst die Fehlerquote (Logistics Journal 2012, S. 4) | Fehler treten in zwei Richtungen auf: Artikel in der falschen Zone, im Bericht nachgewiesen (S. 31), und Artikel im falschen Fach innerhalb der Zone; die Zuordnung ist eine Regel im System, die nachgeführt werden muss (S. 8) |
| Systemaufwand | Die Zuordnung steht im Artikelstammsatz, beim Einlagern entfällt die Platzsuche; Aufwand entsteht beim Wiedereinlagern, wenn eine Erweiterung keinen Anschlussplatz findet | Die Einlagerung braucht einen freien Zielplatz aus dem System, die Auslagerung führt zum dokumentierten Platz der Lagereinheit; Voraussetzung ist, dass jeder eingelagerte Artikel mit seinem Lagerplatz dokumentiert ist (S. 7) | Zusätzlich zur Platzverwaltung kommen die Zoneneinteilung und ihre Pflege hinzu; auch hier muss jedes Fach eindeutig nummeriert sein (S. 8) |
| Datenbedarf | Fach je Artikel; Belegungsgrad der Platzgruppen | Platzzuordnung je Lagereinheit, Weg je Position, Anfahrtshäufigkeit je Lagerplatz, Lagerorganisationsgrad (liegt der Artikel im richtigen Fach?) | Wie chaotisch, zusätzlich je Artikel Umschlagshäufigkeit, Artikelkorrelation, Verweildauer, Vorhersagbarkeit und Saisonalität der Nachfrage für die Zonengrenzen (S. 27 bis 29) |
Die Kennzahlen der letzten Zeile erhebt der Abschlussbericht für alle Varianten; welche davon Sie brauchen, hängt an der gewählten Zuordnung. Für die Fehlerquote nennt der geöffnete Beitrag aus dem Logistics Journal vier Handlungsfelder: Technik, Prozess, Organisation und Motivation der Beschäftigten (S. 3). Innerhalb der Organisation gehört die Lagerplatzzuordnung dazu: Eine auf die Zugriffshäufigkeit ausgerichtete Einlagerung ist sinnvoll, muss aber mit der Trennung ähnlich aussehender Artikel verbunden werden, weil diese sonst verwechselt werden (S. 4). Für die Strategie allein heißt das: Die Zuordnung bestimmt die Fehlerquote nicht allein; die Bestätigungsschritte im Prozess entscheiden mit. In einer Auswertung von zehn Kommissioniersystemen wurden die Ursachen von Mengen- und anderen Fehlern den Kriterien Mensch, Methode, Umfeld und Sonstiges zugeordnet (S. 2). In der klassischen Belegkommissionierung mit Papierliste trat in einer Untersuchung des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik der Technischen Universität München eine Fehlerquote von durchschnittlich rund 0,3 Prozent auf (S. 1); das Scannen jeder Entnahmeeinheit kostet nach der dort zitierten MTM-Zeitstudie rund 4 Sekunden zusätzlich und schützt gegen Auslassungs-, Typ- und Mengenfehler, sofern die Codes vorhanden sind (S. 5 und 7). Welche Geräte und Codes dafür nötig sind, beschreibt die mobile Datenerfassung am ERP.
Was eine Umstellung an Aufwand und Daten verlangt
Rechnen Sie vor der Entscheidung diese Felder durch; Preise und Tagessätze gehören mit Ihren eigenen Werten hinein.
| Aufwandsfeld | Was Sie eintragen |
|---|---|
| Fachnummern | Aufwand für die eindeutige Nummerierung und Beschriftung aller Fächer, die der Bericht für die Zonenvergabe verlangt (S. 8); die chaotische Vergabe setzt eine dokumentierte Platzzuordnung je Lagerplatz voraus (S. 7) |
| Erfassung | Geräte und Codes, mit denen Ein- und Auslagerung bestätigt werden; eine Scanprüfung setzt vorhandene Codes voraus (Logistics Journal 2012, S. 5) |
| Stammdaten | Pflege von Platzzuordnung, Umschlagshäufigkeit und Artikelkorrelation sowie Gewichten, wenn Kontrollwiegen eingesetzt wird |
| Umlagerung | Zeit für das Umschichten bei Sortimentswechsel und Nachfrageverschiebung; Abschnitt 4.3 des Berichts behandelt die Wirtschaftlichkeit solcher Reorganisationen (ab S. 41) |
| Kennzahlen | Laufender Aufwand für die Auswertung von Weg je Position, Belegungsgrad und Lagerorganisationsgrad |
Ein Beispiel aus dem geöffneten Bericht zeigt die Größenordnung: Nach der Angabe des Berichts umfasst das dort validierte Modell 1.440 Artikel in drei Zonen mit 360, 720 und 360 Artikeln; je Artikel liegt ein Ladungsträger in einem eigenen Lagerfach (S. 46 bis 47). Die Zonen folgen der Nachfrage: In einem Partnerunternehmen lagen die Artikel mit der höchsten Nachfrage in der A-Zone, danach B-, C- und D-Zone, verteilt über Fächerbereiche (S. 30 bis 31). Die Auswertung zeigte dort Abweichungen: Einzelne Artikel in der B-Zone gehörten nach ihrer Nachfrage in die A-Zone, und nachfrageschwache Artikel belegten Fächer der A-Zone. Genau solche Abweichungen misst der Lagerorganisationsgrad.
Warnsignale
- Die Zonen sind nach Zuständigkeiten oder Regalreihen geschnitten, nicht nach Umschlagshäufigkeit und Zugriff (S. 8).
- Die Zuordnung ist seit Jahren unverändert, obwohl Sortiment und Nachfrage sich geändert haben; nach dem Bericht werden Reorganisationen genau deshalb notwendig (Kurzfassung und Kapitel 3 ab S. 16).
- Chaotische Vergabe läuft ohne gepflegten Platzstamm; dann fehlt die Übersicht, die der Bericht als Nachteil nennt (S. 7).
- Leicht zu verwechselnde Artikel, etwa gleiche Verpackung mit anderer Etikettierung, liegen direkt benachbart (Logistics Journal 2012, S. 4).
- Ein Scanner oder Kontrollwiegen ist geplant, aber die Codes oder die Artikelgewichte fehlen im System (Logistics Journal 2012, S. 5).
- Keine der Kennzahlen wird erhoben; dann gibt es keinen Beleg dafür, dass die Zuordnung noch trägt (S. 27 bis 29).
Welche Zuordnung zu welchem Sortiment passt
Die Tabelle ordnet wiederkehrende Profile einer Zuordnung zu. Sie ist eine redaktionelle Einschätzung, keine Marktangabe; die Mechanismen in der Begründungsspalte sind belegt.
| Profil | Zuordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Stammkunden-Sortiment, Bestellungen wiederholen sich, wenige Beschäftigte | Festplatz, bei Schnelldrehern mit Querverteilung | Der Ort ist ohne Gerät lesbar; Bestände je Artikel sind stabil, die gesperrten Reserven kosten wenig, und Zugriffe auf Schnelldreher verteilen sich auf mehrere Gänge (S. 7) |
| Viele Artikel, stark unterschiedliche Umschlagshäufigkeit, hohe Bestände | Zonen mit ABC-Einteilung, innerhalb der Zone chaotisch | Die Zonen halten Schnelldreher nahe am Ein- und Auslagerungspunkt, während die Fläche innerhalb der Zone geteilt genutzt wird (S. 8) |
| Sortiment wechselt häufig, Aktionsware, Restposten | Chaotisch mit vollständigem Platzstamm | Jeder freie Platz ist nutzbar, und es gibt keine feste Bindung an Artikel, die bald nicht mehr im Programm sind (S. 7) |
| Leicht zu verwechselnde Artikel, gleiche Verpackung, kleine Teile | Festplatz oder Zonen mit getrennten Bereichen, zusätzlich Scan- oder Wägeprüfung | Ähnlich aussehende Artikel lassen sich leichter verwechseln, wenn sie benachbart liegen; die Trennung wirkt auch bei fester Zuordnung (Logistics Journal 2012, S. 4) |
| Sperrige, schwere oder hochwertige Artikel | Eigene Zone nahe dem Ein- und Auslagerungspunkt | Weglänge, Gewicht und Wertigkeit sind Merkmale der Zoneneinteilung (S. 8) |
| Mehrere Schichten, wechselndes oder neues Personal | Chaotisch oder Zonen, wenn Fachnummern eindeutig und im System abfragbar sind | Der Ort muss nicht eingelernt werden, wenn das System ihn führt; ohne gepflegten Platzstamm kehrt sich der Vorteil um (S. 7) |
| Eine Person, die einlagert und kommissioniert, kein Scanner, keine Waage | Festplatz | Die Prüfung erfolgt über den Ort und den Augenschein; Bestätigungsschritte am Gerät, die das Logistics Journal 2012 als wirksam beschreibt, fehlen (S. 4 und 5) |
Soll nur entschieden werden, ob das ERP-Lagermodul ausreicht, hilft ERP-Lagermodul oder WMS. Ob die Buchbestände stimmen, die jede Zuordnung voraussetzt, zeigt Bestandsgenauigkeit messen.
So gehen Sie in fünf Schritten vor
- Erheben Sie die Basisdaten aus Ihrem System: Artikelzahl, Zahl der Fächer, mittlerer und höchster Bestand je Artikel, Zugriffe je Artikel und je Lagerplatz (S. 27 bis 29).
- Messen Sie im Lager den Weg je Position und, wenn Kontrollpunkte bestehen, die Fehlerquote je Kontrollpunkt (S. 28; Logistics Journal 2012, S. 3 und 4).
- Bestimmen Sie den Belegungsgrad der Fächer und den Lagerorganisationsgrad, also den Anteil der Artikel im richtigen Fach (S. 28).
- Rechnen Sie zwei Varianten mit Ihren Werten durch und legen Sie fest, wer die Platzzuordnung pflegt und wer die Kennzahlen liest.
- Führen Sie die gewählte Zuordnung ein, nummerieren Sie die Fächer eindeutig, und prüfen Sie nach drei Monaten erneut Weg je Position, Warenumschlag und Positionen je Arbeitszeit (S. 29).