Peppol (Netzwerk für den Austausch von E-Rechnungen)
Kurz gesagt
Peppol ist ein Netz für den Austausch strukturierter Geschäftsdokumente, das OpenPeppol AISBL betreibt: Das ERP übergibt die Rechnung an einen Access Point, der sie über die Teilnehmer-ID an den Access Point des Empfängers weiterleitet; für Rechnungen sind dort mehrere Dokumenttypen registriert, darunter Peppol BIS Billing 3.0 und XRechnung. Die Richtlinie 2014/55/EU schreibt keinen Übertragungsweg vor, verpflichtet aber öffentliche Auftraggeber und Sektorenauftraggeber, Rechnungen aus Aufträgen im Anwendungsbereich der Vergaberichtlinien zu empfangen und zu verarbeiten, die der Norm EN 16931 und einer Syntax der veröffentlichten Liste entsprechen (Art. 1 und 7).
Das Wichtigste
- Peppol ist ein Netz für den Austausch strukturierter Geschäftsdokumente; Betreiber ist OpenPeppol AISBL in Brüssel.
- Adressiert wird mit der Teilnehmer-ID aus Schema-Nummer und Wert, etwa 0088:7300010000001 (GLN) oder 9930 (USt-IdNr., Deutschland).
- Für Rechnungen sind in Peppol mehrere Dokumenttypen registriert, unter anderem Peppol BIS Billing 3.0 (Fassung 3.0.21) und XRechnung 3.0; Peppol BIS Billing 3.0 ist eine Anwendungsvorgabe (CIUS) der Norm EN 16931-1:2017, verlangt die Syntax UBL und erlaubt die Syntax Cross Industry Invoice (CII) nur, wenn der Empfänger CII zusätzlich in seinem Service Metadata Publisher registriert.
- Öffentliche Auftraggeber und Sektorenauftraggeber müssen in den Vergabebereichen der Richtlinie 2014/55/EU Rechnungen nach der Norm EN 16931 und einer Syntax der im Amtsblatt veröffentlichten Liste empfangen und verarbeiten (Art. 1 und 7 der Richtlinie 2014/55/EU).
- Die Teilnahme an Peppol beruht auf Verträgen mit dem Access-Point-Anbieter und der Peppol-Kennungsrichtlinie.
Peppol ist ein Netz für den Austausch strukturierter Geschäftsdokumente, in dem Access Points die Nachrichten zwischen Sender und Empfänger weiterleiten und beide Seiten über eine Teilnehmer-ID (Peppol-ID) adressiert werden.
Wofür Peppol verwendet wird
Übertragen werden Rechnungen, Gutschriften und weitere Belege als XML-Datensatz zwischen zwei Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Verwaltung. Peppol unterstützt mehrere registrierte Rechnungs-Dokumenttypen, darunter Peppol BIS Billing 3.0 (Fassung 3.0.21) und XRechnung 3.0. Peppol BIS Billing 3.0 ist eine Anwendungsvorgabe (CIUS) der Norm EN 16931-1:2017; sie verlangt die Syntax UBL und unterstützt die Syntax UN/CEFACT Cross Industry Invoice (CII) nur, wenn der Empfänger CII zusätzlich in seinem Service Metadata Publisher registriert. Ihr ERP braucht dafür keine eigene Netzinfrastruktur, sondern eine Schnittstelle zu einem Access Point; die Einrichtung beschreibt Peppol-Anschluss im ERP einrichten.
Schritt für Schritt: so kommt eine Rechnung an
Senderseite und Empfängerseite zerfallen im Vier-Ecken-Modell in je zwei Ecken: Das Unternehmen ist Ecke 1 oder Ecke 4, sein Access Point ist Ecke 2 oder Ecke 3.
- Sender-ERP (Ecke 1): Das ERP erzeugt die Rechnung als XML-Datensatz. Er trägt die elektronischen Adressen von Verkäufer (BT-34) und Käufer (BT-49), je mit Angabe des Schemas. Wird nach Peppol BIS Billing 3.0 abgerechnet, trägt er zusätzlich die Kennungen dieser Spezifikation: CustomizationID
urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0und ProfileIDurn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:01:1.0(Abschnitt 13.2 „Profile 01 – Billing“; die CustomizationID gehört zu Peppol BIS Billing, nicht zu XRechnung; den Prozesswerturn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:01:1.0führt die Peppol-Dokumenttypliste 9.7 auch für XRechnung 3.0). Andere Rechnungs-Dokumenttypen tragen eine eigene CustomizationID; XRechnung 3.0 etwa die CustomizationIDurn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:xeinkauf.de:kosit:xrechnung_3.0, in der Syntax UBL oder Cross Industry Invoice (Peppol-Dokumenttypliste 9.7). - Access Point des Senders (Ecke 2): Er ermittelt aus der Teilnehmer-ID des Empfängers dessen Access Point. Dazu fragt er den Domainnamen im Service Metadata Locator (SML) ab und liest beim Service Metadata Publisher (SMP) des Empfängers die Endpunkt-Adresse sowie die dort registrierten Dokumenttypen und Prozesse.
- Netz: Die beiden Access Points tauschen die Nachricht über das AS4-Profil aus, das nur das Muster One-Way/Push kennt und TLS auf Port 443 verwendet. Die Nachricht besteht aus dem OpenPeppol Business Message Envelope (SBDH) mit Sender- und Empfänger-Teilnehmer-ID sowie der Rechnung als Nutzlast; Signatur und Verschlüsselung laufen über die Peppol-PKI.
- Access Point des Empfängers (Ecke 3): Er prüft die Nachricht gegen das XML-Schema, die Regeln der EN 16931 und die Peppol-Regeln und übergibt den Datensatz an das Empfänger-ERP.
- Empfänger-ERP (Ecke 4): Es übernimmt die Rechnung, prüft sie fachlich und bucht sie.
Welche Kennungen dabei vorkommen
| Kennung | Beispiel | Wo sie erscheint |
|---|---|---|
| Teilnehmer-ID (Schema-Nummer und Wert) | 0088:7300010000001 (Global Location Number) | Umschlag, SMP-Eintrag, Adressierung des Zugriffs |
| Meta-Schema der Teilnehmer-ID | iso6523-actorid-upis | Attribut scheme beziehungsweise Authority |
| Länderschemata | 9930 (USt-IdNr., Deutschland), 9914 (UID, Österreich), 9927 (MWST-Nummer, Schweiz), 0204 (Leitweg-ID, Deutschland) | Teilnehmer-ID |
| Dokumenttyp-Kennung (Beispiel Peppol BIS Billing 3.0, Syntax UBL) | urn:oasis:names:specification:ubl:schema:xsd:Invoice-2::Invoice##urn:cen.eu:en16931:2017#compliant#urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:3.0::2.1 | SMP-Registrierung und Übertragung |
| SML-Zone | participant.sml.prod.tech.peppol.org | DNS-Abfrage des sendenden Access Points |
Die Kennungs-Beispiele stehen in der Peppol-Codeliste (Fassung 9.7). Für die DNS-Abfrage ist seit dem 1. September 2026 die von OpenPeppol betriebene Zone participant.sml.prod.tech.peppol.org vorgesehen; die zuvor genutzte Zone der Europäischen Kommission, edelivery.tech.ec.europa.eu, war bis zum 31. August 2026 gültig (OpenPeppol, SML Insourcing; AgID, SML-Migration). Die Teilnehmer-ID besteht aus Schemakennung und Wert. Peppol führt kein eigenes Parteischema ein, sondern stützt sich auf ein föderiertes Kennungssystem im Format der ISO 15459; die Schemakennungen stammen aus der Peppol-Codeliste, deren numerische Werte auf ISO 6523 (International Code Designator) beruhen und die Peppol um eigene, mit 99 beginnende Werte ergänzt.
Rechtliche und vertragliche Grundlage
Die Richtlinie 2014/55/EU gilt für E-Rechnungen aus Aufträgen, die unter die Vergaberichtlinien 2009/81/EG, 2014/23/EU, 2014/24/EU und 2014/25/EU fallen (Art. 1; ausgenommen sind geheim erklärte Aufträge nach Art. 1 Abs. 2). Nach Art. 7 müssen öffentliche Auftraggeber und Sektorenauftraggeber Rechnungen empfangen und verarbeiten, die der europäischen Norm und einer Syntax der veröffentlichten Liste entsprechen. Die Kommission hat die Fundstelle der Norm EN 16931-1:2017 und die Syntaxliste CEN/TS 16931-2:2017 im Amtsblatt veröffentlicht und dafür den 18. April 2019 als spätesten Termin benannt (Art. 2 des Durchführungsbeschlusses (EU) 2017/1870); für subzentrale Auftraggeber ließ Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie einen Aufschub bis höchstens 30 Monate nach der Veröffentlichung zu. Einen Übertragungsweg schreibt die Richtlinie nicht vor.
Peppol ist demgegenüber privatrechtlich organisiert: OpenPeppol AISBL hält die zentralen Bestandteile des Netzes, zu denen der Service Metadata Locator und die PKI gehören. Diensteanbieter dürfen Peppol-Dienste erst anbieten, wenn sie eine Service-Provider-Vereinbarung unterzeichnet und die Konformitätstests bestanden haben; die Kennungsrichtlinie soll Bestandteil jeder Teilnahmevereinbarung sein. Rechtlich binden die Peppol-Regeln damit durch Vertrag, nicht durch Gesetz.
Nicht zu verwechseln
- EN 16931: die Norm für den Inhalt der Rechnung, nicht für den Übertragungsweg. Peppol BIS Billing 3.0 setzt sie um (EN 16931).
- XRechnung: die deutsche Anwendungsvorgabe für Rechnungen an die Verwaltung. Sie lässt sich über Peppol übertragen, ist aber nicht das Netz (Rechnung an die öffentliche Hand).
- Leitweg-ID: die Kennung des behördlichen Rechnungsempfängers. In Peppol dient sie als Schema 0204 der Teilnehmer-ID (Leitweg-ID).
- EDI: der Austausch strukturierter Geschäftsdaten zwischen Computersystemen (electronic data interchange), also ein Verfahren und kein einzelnes Regelwerk. Der europäische Standard kennt als Syntaxen die Cross Industry Invoice und UBL; ein EDI-Verfahren kann daneben als vereinbarter Weg bestehen bleiben.