Stundensatz kalkulieren: Vom Gehalt zum Verrechnungssatz
Kurz gesagt
Der Verrechnungssatz besteht aus drei Größen: Personalkosten, Gemeinkosten und verrechenbare Stunden des Jahres, dazu der Gewinnaufschlag. Rechnen Sie mit den Stunden, die Sie tatsächlich abrechnen können, nicht mit den bezahlten. Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Bei Gesamtkosten von 510.000 Euro im Jahr (318.000 Euro Personalkosten und 192.000 Euro Gemeinkosten), vier verrechenbaren Personen, 1.600 verrechenbaren Stunden je Person und 20 Prozent Aufschlag ergibt das 95,63 Euro je Stunde; die Rechnung gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich.
Das Wichtigste
- Selbstkostensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten) des Jahres ÷ verrechenbare Stunden des Jahres.
- Verrechnungssatz = Selbstkostensatz × (1 + Gewinnaufschlag) (Beispielrechnung: 20 Prozent).
- Verrechenbare Stunden je Person und Jahr: bezahlte Zeit ohne Feiertage, Urlaub, Krankheit und interne Zeit (Beispiel 1.600, im SECO-Beispiel 1'700).
- Ein Gewinnaufschlag von 20 Prozent entspricht einer Umsatzmarge von 16,7 Prozent.
- Sinkt die verkaufte Stundenzahl, steigt der nötige Verrechnungssatz: im Beispiel von 95,63 auf 127,50 Euro je Stunde.
Wer Dienstleistungen nach Stunden verkauft, braucht einen Satz, der die Kosten deckt und Gewinn übrig lässt. Dieser Satz folgt aus vier Größen des eigenen Betriebs: Personalkosten, Gemeinkosten, verrechenbare Stunden und Gewinnaufschlag. Alle vier stehen in der Kostenrechnung, und die Schritte unten ergeben daraus einen nachvollziehbaren Verrechnungssatz.
Was Sie vorab brauchen
Halten Sie die folgenden Angaben bereit, bevor Sie rechnen:
- Personalkosten je Personengruppe: Bruttolöhne und Gehälter aus der Lohnbuchhaltung, dazu die Lohnnebenkosten als Prozentsatz (im Beispiel 20 Prozent, eine Annahme).
- Gemeinkosten des Jahres als Summe: Miete, Energie, Fahrzeuge, Versicherungen, Buchhaltung, Werbung, Abschreibungen und Zinsen.
- die verrechenbaren Stunden je Person und Jahr, getrennt nach Feiertagen, Urlaub, Krankheit und interner Zeit.
- die Zahl der Personen, deren Stunden Sie verrechnen.
- den Zielgewinnaufschlag als Setzung der Geschäftsleitung.
- eine Zeiterfassung, die verkaufte Stunden je Auftrag ausweist.
Die Gemeinkosten kommen aus der Kostenrechnung, nicht aus einzelnen Belegen. Wie Sie Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger trennen, steht in Kostenstellen und Kostenträger. Die Verteilung der Gemeinkosten auf Aufträge behandelt die Zuschlagskalkulation.
Schritt für Schritt: vom Gehalt zum Verrechnungssatz
Schritt 1: Personalkosten je verrechenbare Person ermitteln
Multiplizieren Sie den Bruttolohn mit eins plus Lohnnebenkostensatz. Die Lohnnebenkosten sind die Beiträge, die der Betrieb zusätzlich zum Bruttolohn trägt; sie hängen von Land, Lohn und Betrieb ab, deshalb übernehmen Sie den Satz aus Ihrer Lohnbuchhaltung. Das SECO-Fallbeispiel rechnet mit 18 Prozent, das Rechenbeispiel unten mit 20 Prozent; beides sind Annahmen, keine Vorgabe.
- Ergebnis: Personalkosten je Person in Euro im Jahr (Beispiel: 66.250 Euro Bruttolohn mal 1,20 = 79.500 Euro).
Schritt 2: Gemeinkosten des Jahres sammeln
Summieren Sie alle Kosten, die nicht direkt mit einer verkauften Stunde zusammenhängen: Miete, Energie, Fahrzeuge, Versicherungen, Buchhaltung, Werbung, Abschreibungen und Zinsen. Kalkulatorische Kosten wie Abschreibung, Zinsen und Unternehmerlohn gehören dazu; das SECO-Fallbeispiel führt sie als eigene Blöcke. Prüfen Sie, dass kein Betrag zugleich in den Personalkosten und in den Gemeinkosten steht.
- Ergebnis: eine Jahressumme der Gemeinkosten in Euro (Beispiel: 192.000 Euro).
Schritt 3: Verrechenbare Stunden je Person und Jahr bestimmen
Beginnen Sie mit der bezahlten Jahresarbeitszeit und ziehen Sie alles ab, was nicht verrechnet wird: Feiertage, Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, interne Besprechungen, Akquise und Verwaltungszeit. Was übrig bleibt, sind die verrechenbaren Stunden. Das SECO-Fallbeispiel kommt so auf rund 1’700 Stunden je vollbeschäftigte Person. Die offizielle Leseprobe des Vahlen-Lehrbuchs von Macha zeigt dasselbe Bild für Maschinen: Von einer theoretischen Nutzung von 1.965 Stunden je Schicht bleiben nach Ruhe- und Instandhaltungszeiten 1.200 Stunden tatsächliche Laufzeit.
- Ergebnis: verrechenbare Stunden je Person und Jahr in Stunden (Beispiel: 1.600).
Schritt 4: Selbstkostensatz rechnen
Bezeichnen Sie die Größen mit ihrer Einheit, dann bleibt die Rechnung nachvollziehbar:
- PK: Personalkosten des Jahres in Euro (Bruttolöhne, Gehälter und Lohnnebenkosten)
- GK: Gemeinkosten des Jahres in Euro
- n: Anzahl der verrechenbaren Personen
- h: verrechenbare Stunden je Person und Jahr in Stunden
- H: verrechenbare Stunden des Betriebs in Stunden
- SK: Selbstkostensatz in Euro je Stunde
Dann gilt:
- H = n × h
- SK = (PK + GK) ÷ H
Im Rechenbeispiel: n = 4 und h = 1.600 ergeben H = 6.400 Stunden. Mit PK = 318.000 Euro und GK = 192.000 Euro ist SK = 510.000 ÷ 6.400 = 79,69 Euro je Stunde. Zerlegt sind das 49,69 Euro Personalanteil (318.000 ÷ 6.400) und 30,00 Euro Gemeinkostenanteil (192.000 ÷ 6.400) je verrechenbare Stunde. Ist der Betriebsinhaber nicht auf der Lohnliste, setzen Sie einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an und ordnen ihn einmal zu, entweder in PK oder in GK; das SECO-Fallbeispiel führt ihn als eigenen Kostenblock.
- Ergebnis: Selbstkostensatz in Euro je Stunde, ohne Gewinn.
Schritt 5: Verrechnungssatz mit Gewinnaufschlag rechnen
- a: Gewinnaufschlag auf die Selbstkosten als Zahl (0,20 für 20 Prozent)
- VS: Verrechnungssatz in Euro je Stunde
Dann gilt:
- VS = SK × (1 + a)
- Umsatzmarge = (VS − SK) ÷ VS = a ÷ (1 + a)
Im Rechenbeispiel: 79,69 Euro × 1,20 = 95,63 Euro je Stunde. Der Aufschlag von 20 Prozent auf die Selbstkosten ergibt eine Umsatzmarge von 0,20 ÷ 1,20 = 16,7 Prozent. Verwechseln Sie die beiden Zahlen nicht: Wer 20 Prozent Marge auf den Umsatz meint, rechnet VS = SK ÷ (1 − 0,20) = 79,69 ÷ 0,80 = 99,61 Euro. Das SECO-Fallbeispiel rechnet den Gewinn als Aufschlag auf die Selbstkosten.
- Ergebnis: Verrechnungssatz in Euro je Stunde, netto vor Umsatzsteuer.
Schritt 6: Auslastung prüfen und Szenarien rechnen
Personalkosten und Gemeinkosten bleiben kurzfristig stehen, wenn Sie weniger Stunden verkaufen; sinken tut zunächst der Umsatz. Rechnen Sie deshalb vor dem Jahr durch, welche verkaufte Stundenzahl welchen Satz verlangt. Das SECO-KMU-Portal nennt für dieselbe Frage den Deckungsbeitrag: Er ist Umsatz minus variable Kosten und soll mindestens den Fixkostenanteil decken.
- Ergebnis: eine Tabelle mit verkauften Stunden und dem jeweils nötigen Satz (siehe unten).
Schritt 7: Sätze in Zeiterfassung und Angebot übernehmen
Hinterlegen Sie je Personengruppe einen Satz und lassen Sie die Zeiterfassung die verkauften Stunden je Auftrag buchen. Wie aus Stunden und Fremdleistungen ein Projektangebot wird, zeigt die Projektkalkulation. Ob die verkauften Stunden die Planung erreichen, zeigt der Plan-Ist-Vergleich im ERP.
- Ergebnis: ein Satz je Personengruppe im System und eine Stundenbuchung je Auftrag.
Beispielrechnung: vier verrechenbare Personen
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Ein Dienstleister hat vier verrechenbare Personen und rechnet für das nächste Jahr so:
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Bruttolöhne und Gehälter (Jahr) | 265.000 Euro |
| Lohnnebenkosten (Annahme: 20 Prozent) | 53.000 Euro |
| Personalkosten PK | 318.000 Euro |
| Gemeinkosten GK (Jahr) | 192.000 Euro |
| Gesamtkosten | 510.000 Euro |
| verrechenbare Personen n | 4 |
| verrechenbare Stunden je Person h | 1.600 h |
| verrechenbare Stunden H | 6.400 h |
| Selbstkostensatz SK (510.000 ÷ 6.400) | 79,69 Euro je Stunde |
| Gewinnaufschlag a (Annahme) | 20 Prozent |
| Verrechnungssatz VS (79,69 × 1,20) | 95,63 Euro je Stunde |
| Umsatzmarge (0,20 ÷ 1,20) | 16,7 Prozent |
Bei 6.400 verkauften Stunden ergibt der genaue Satz von 95,625 Euro einen Umsatz von 612.000 Euro (510.000 × 1,20); der auf 95,63 Euro gerundete Satz ergibt 612.032 Euro. Nach den Kosten von 510.000 Euro bleiben 102.000 Euro Gewinn, das sind 16,7 Prozent des Umsatzes.
In der Schweiz rechnet dasselbe Vorgehen in Franken: Das SECO-Fallbeispiel teilt Gesamtkosten von CHF 400’740 durch 3’400 verrechenbare Stunden und kommt auf gerundete CHF 118 je Stunde; je vollbeschäftigte Person setzt es rund 1’700 Stunden an und rechnet in der Offerte einen Gewinnaufschlag von 20 Prozent. In Deutschland und Österreich stehen dieselben Positionen in Euro. Für Industriebetriebe mit Maschinen liefert die Leseprobe des Vahlen-Lehrbuchs von Macha den vergleichbaren Maschinenstundensatz; wie Material- und Fertigungskosten zu Herstellkosten werden, zeigt Herstellkosten vorkalkulieren.
Wie sich die Auslastung auf den Verrechnungssatz auswirkt
Die Tabelle zeigt den nötigen Satz, wenn die verkaufte Stundenzahl von der Planung abweicht. Sie hält das Umsatzziel fest, das die 510.000 Euro Kosten und den Aufschlag von 20 Prozent zusammenbringt (510.000 × 1,20 = 612.000 Euro), und teilt dieses Ziel durch die verkauften Stunden.
| verkaufte Stunden je Person | verkaufte Stunden im Betrieb | nötiger Verrechnungssatz (Euro je Stunde) |
|---|---|---|
| 1.200 | 4.800 | 127,50 |
| 1.400 | 5.600 | 109,29 |
| 1.600 (Planung) | 6.400 | 95,63 |
| 1.800 | 7.200 | 85,00 |
Die Rechnung hinter den Zeilen: 612.000 ÷ 4.800 = 127,50; 612.000 ÷ 5.600 = 109,29; 612.000 ÷ 6.400 = 95,63; 612.000 ÷ 7.200 = 85,00. Werden statt der geplanten 1.600 nur 1.200 Stunden je Person verkauft, muss der Satz auf 127,50 Euro steigen, also um rund ein Drittel. Rechnen Sie die Variante mit Ihrem Marktpreis gegen: Liegt der nötige Satz über dem, was Ihre Kundschaft zahlt, ist nicht der Satz falsch, sondern die Kosten oder die Auslastung sind zu prüfen.
So prüfen Sie das Ergebnis
- Summenprobe: Personalkosten plus Gemeinkosten ergeben die Gesamtkosten, und jeder Kostenblock steht nur einmal darin (im Beispiel 318.000 + 192.000 = 510.000).
- Stundenprobe: Die aus der Zeiterfassung gebuchten Stunden des Jahres gegen die geplanten verrechenbaren Stunden stellen. Fehlt viel, steigt der nötige Satz.
- Aufschlagsprobe: Verrechnungssatz ÷ Selbstkostensatz − 1 ergibt den Aufschlag (95,63 ÷ 79,69 − 1 = 0,20).
- Margenprobe: Umsatz minus Selbstkosten ergibt den Gewinn; Gewinn geteilt durch Umsatz ergibt die Marge (102.000 ÷ 612.000 = 16,7 Prozent).
- Jahresprobe: Lohnnebenkosten und Gemeinkosten jährlich neu aus der Kostenrechnung nehmen und den Satz neu rechnen; fortgeschriebene Vorjahreswerte verlieren den Anschluss an die Kosten.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Der Satz deckt die Kosten nicht, obwohl er über dem Marktpreis liegt | verrechenbare Stunden zu hoch angesetzt | Stunden aus der Zeiterfassung nachrechnen und Fehlzeiten sowie interne Zeit abziehen |
| Am Jahresende bleibt weniger Gewinn als kalkuliert | verkaufte Stunden liegen unter der Planung | Auslastung monatlich verfolgen und den Satz oder die Kosten anpassen |
| Zwei Personen mit gleichem Kundennutzen haben stark verschiedene Sätze | Personalkosten nicht je Personengruppe erfasst | Personalkosten je Personengruppe rechnen und einen Durchschnitt nur für gleiche Gruppen bilden |
| Der Gewinn ist kleiner als die Marge verspricht | Aufschlag und Marge verwechselt | Aufschlag auf die Selbstkosten und Marge auf den Umsatz getrennt ausweisen |
| Der Satz springt von Jahr zu Jahr stark | Lohnnebenkosten und Gemeinkosten ohne Basis fortgeschrieben | Jahreswerte aus der Kostenrechnung nehmen und die verrechenbaren Stunden neu bestimmen |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie Ihre Steuer- oder Treuhandberatung, wenn kalkulatorische Kosten in den Satz sollen, etwa Abschreibungen, Zinsen oder ein Unternehmerlohn: Diese Werte müssen zur Buchhaltung und zum Jahresabschluss passen. Die Softwarebetreuung brauchen Sie, wenn die Zeiterfassung Stunden nur auf Abteilungen, nicht auf Kostenträger bucht; dann fehlt die Datengrundlage. Rechnen Sie Leistungen zwischen verbundenen Unternehmen ab, klären Sie mit der Beratung, welche Unterlagen aufzubewahren sind; der deutsche Aufbewahrungshinweis steht bei Kostenstellen und Kostenträgern.