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Probemigration: Daten testweise laden und Abweichungen prüfen

Aktualisiert:

Gilt für: Systemunabhängig: Verfahren für die Datenübernahme in ein neues ERP, ohne Bezug auf einzelne Produkte, Anbieter oder Release-Stände.

Kurz gesagt

Testen Sie die Übernahme in zwei Probeläufen: zuerst mit einem Teilbestand je Datenart, dann mit dem vollständigen Export im Umfang des späteren Endlaufs. Je Datenart vergleichen Sie Anzahl, eine Summe und die letzte übernommene Nummer. Der Endlauf ist frei, wenn kein Fehler der Klasse A offen und jede Abweichung erklärt ist.

Das Wichtigste

  • Zwei Probeläufe: erst ein Teilbestand je Datenart, dann der vollständige Export im Umfang des Endlaufs, geladen in ein geleertes Testsystem.
  • Abgleich je Datenart über Anzahl, Summe und die letzte übernommene Beleg- oder Vorgangsnummer.
  • Probelauf 1 prüft Feldformate, Mapping und Reihenfolge, Probelauf 2 Laufzeit, Nummernkreise und Summen.
  • Fehlerliste mit den Klassen A, B und C, Zuständigem und Termin; Klasse A blockiert die Freigabe.
  • ISO/IEC/IEEE 29119-2:2021 beschreibt Testprozesse, Teil 3:2021 die Testdokumentation; die Norm bindet nicht durch Gesetz.

Ein Export lässt sich problemlos öffnen und trotzdem falsche Salden, doppelte Kundennummern oder unlesbare Belegverweise erzeugen. Eine Probemigration ist die Übernahme der Altdaten in ein Testsystem, mit dem Ziel, solche Abweichungen zu finden, bevor der Umstieg läuft und das Altsystem abgeschaltet wird. Geladen wird zweimal, zuerst ein Ausschnitt und danach der ganze Bestand.

Was Sie vorab brauchen

  • den Exportstand mit Datum und Uhrzeit: Dateiname, Zeilenzahl und Feldliste des Altsystems
  • die Reihenfolge der Übernahme nach der Datenübernahme-Checkliste für Stammdaten
  • ein Testsystem ohne Verbindung zur Produktivdatenbank, mit abgeschalteten Schnittstellen
  • den Abgleichbogen und die Fehlerliste aus den folgenden Abschnitten
  • die Referenzzahlen aus dem Altsystem: Anzahl und Summe je Datenart, letzte Belegnummer
  • zwei Personen: eine lädt und korrigiert, eine prüft und zeichnet ab
  • eine Festlegung, wer die Testkopie nach dem letzten Durchlauf löscht

Der Plan für die zwei Probeläufe

Beide Durchläufe folgen demselben Prüfplan. Lauf 1 sucht mit wenigen Sätzen Fehler in der Abbildung, Lauf 2 Fehler in Menge, Zeit und Verknüpfung.

Durchlauf Was geladen wird Was er zeigen soll Abgeschlossen, wenn
Probelauf 1 Teilbestand: je Datenart rund ein Zehntel, dazu Sätze mit leerem Pflichtfeld, Sonderzeichen, Auslandsadresse und mehreren Lieferadressen Feldformate, Mapping, Pflichtfelder, Reihenfolge der Objekte jede Datenart geladen, Abgleichbogen ausgefüllt
Probelauf 2 vollständiger Export im Umfang des Endlaufs, in ein geleertes Testsystem Laufzeit, Nummernkreise, Summen, Verknüpfungen, Schnittstellenverhalten jede Abweichung erklärt, kein Fehler der Klasse A offen

Schritt für Schritt: zwei Probeläufe bis zur Freigabe

Schritt 1: Umfang und Prüfzahlen festlegen

Notieren Sie, welche Datenarten Sie laden, in welcher Reihenfolge und mit welchen zwei Zahlen Sie jede prüfen. Sätze außerhalb des Umfangs gehören in dieselbe Liste; bereinigte und stillgelegte Sätze kommen aus der Dublettenbereinigung. Ende: der Prüfplan liegt schriftlich vor.

Schritt 2: Exportstand und Testsystem festhalten

Erstellen Sie den Export einmal und halten Sie ihn fest: Dateiname, Erstellungszeit, Zeilenzahl, letzte Belegnummer. Prüfen Sie, dass das Testsystem keine Verbindung zur Produktivumgebung hat. Ende: die Anmeldemaske ist erreichbar, die Kennzahlen stehen im Protokoll.

Schritt 3: Probelauf 1 laden

Laden Sie den Teilbestand in der festgelegten Reihenfolge und stoppen Sie je Objekt die Uhr. Brechen Sie nicht ab, sondern notieren Sie jede Meldung mit Zeitpunkt. Ende: jedes Objekt ist geladen oder mit Meldung vermerkt.

Schritt 4: Abgleichbogen ausfüllen

Vergleichen Sie je Datenart Anzahl, Summe und Referenznummer gegen das Altsystem und tragen Sie jedes Ergebnis ein, auch die bestandenen. Ende: der Abgleichbogen ist vollständig, jede Abweichung mit Wert und Beispielsatz notiert.

Schritt 5: Fehlerliste abarbeiten

Übertragen Sie jede Abweichung in die Fehlerliste, vergeben Sie Klasse, Zuständigen und Termin und beheben Sie die Ursache dort, wo sie entsteht: im Exportfilter, im Mapping oder im Ladeprogramm. Eine Korrektur, die nur einzelne Sätze im Testsystem berichtigt, ist keine Lösung. Ende: jede Abweichung ist geschlossen oder mit Termin offen.

Schritt 6: Probelauf 2 laden und die Freigabe zeichnen

Leeren Sie das Testsystem und laden Sie den vollständigen Export desselben Stands, mit demselben Filter und Stichtag wie der Endlauf. Messen Sie die Gesamtzeit, wiederholen Sie die Prüfungen aus Schritt 4 und gehen Sie die Freigabekriterien Punkt für Punkt durch. Ende: Protokoll und Freigabe oder die Liste der blockierenden Punkte sind abgezeichnet.

Der Abgleichbogen

Je Datenart stehen zwei Zahlenpaare und eine Referenznummer im Bogen; eine reine Zählung sieht Summenfehler nicht.

Datenart Gezählt und gesummt Referenznummer Zusätzlich geprüft
Konten Anzahl Konten; Eröffnungsbilanz in Soll und Haben Kontonummernbereich keine Nummer doppelt, Soll gleich Haben
Kunden Anzahl Debitor-Sätze; offene Debitorensalden letzte Belegnummer vor dem Export Sätze mit offenem Saldo vollständig
Lieferanten Anzahl Kreditor-Sätze; offene Kreditorensalden letzte Belegnummer vor dem Export Zahlungsziele und Währungen übernommen
Artikel Anzahl Artikel-Sätze; Bestandswert zum Stichtag Artikelnummernbereich keine Einheit leer, kein negativer Bestand
Offene Posten Anzahl Positionen; Summe je Debitor und Kreditor Belegnummern der Positionen Summe stimmt mit dem Saldenkonto

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen:

Prüfung Altsystem Testsystem Abweichung Erklärung
Kundensätze 2.000 1.681 −319 168 zusammengeführt, 151 stillgelegt
offene Posten (Positionen) 640 640 0 Zusammenführen verändert keine Buchung
offene Debitorensalden 486.300,00 Euro 486.300,00 Euro 0,00 Euro keine
Artikelsätze 1.240 1.112 −128 128 ohne Bestand und Bestellung stillgelegt
Laufzeit Probelauf 2 — 2 Stunden 10 Minuten — Fenster 6 Stunden, Reserve 3 Stunden 50 Minuten

Die Probe geht auf: 1.681 + 168 + 151 = 2.000 und 1.112 + 128 = 1.240. Offene Posten ändern beim Zusammenführen weder Anzahl noch Summe; für den Abgleich mit dem Saldenkonto gilt die Übernahme der offenen Posten. Zulässig sind Rundungsdifferenzen, die Sie mit Betrag und Regel ausweisen.

Die Fehlerliste

Jede Abweichung bekommt eine Nummer und diese Felder:

Feld Eintrag
Nummer und Datum fortlaufend je Durchlauf
Durchlauf und Exportstand Probelauf 1 oder 2; Dateiname und Erstellungszeit
Datenart und Beispielsatz etwa offene Posten, Kunde 10472, Rechnung 2026-1188
Erwartet und vorgefunden Wert aus Altsystem und Testsystem, mit Einheit
Abweichung Differenz, Zahl der betroffenen Sätze und Summe
Ursache Exportfilter, Feldformat, Mapping, Reihenfolge, Programm, offen
Klasse A, B oder C
Zuständig, Termin und Status wer klärt, bis wann; offen, geschlossen oder verschoben

Die Klassen sind eine eigene Festlegung. Klasse A macht die Daten selbst falsch: fehlende oder doppelte Sätze, eine falsche Summe, ein falscher Steuerschlüssel, eine verlorene Verknüpfung zum Beleg. Klasse B stört den Betrieb, etwa eine wiederholte Pflichteingabe, und ist vor dem Endlauf zu beheben oder mit Termin zu versehen. Klasse C ist ein Hinweis ohne Wirkung auf die Daten.

Freigabekriterien für den Endlauf

Der Endlauf ist frei, wenn alle Punkte erfüllt sind; sonst verschieben Sie ihn oder setzen ihn mit einer abgezeichneten Ausnahme an.

  1. Beide Probeläufe sind mit demselben Prüfplan durchgeführt und abgezeichnet.
  2. Kein Fehler der Klasse A ist offen; offene Klasse-B-Fehler haben Zuständigen und Termin.
  3. Die Anzahl stimmt je Datenart, oder jede Differenz ist auf eine dokumentierte Bereinigung oder einen dokumentierten Ausschluss zurückzuführen.
  4. Die Summen stimmen; eine verbleibende Differenz ist kleiner als die festgelegte Toleranz und mit Betrag und benannter Regel ausgewiesen.
  5. Die gemessene Laufzeit passt mit Reserve in das Umstellungsfenster; der Ablauf steht im Cut-over-Plan für das Umstellungswochenende.
  6. Die Nummernkreise für Belege, Kunden und Artikel sind festgelegt und im zweiten Probelauf geprüft.
  7. Der Endlauf nutzt denselben Exportumfang wie Probelauf 2, und der Export wird unmittelbar vor dem Laden neu erstellt.
  8. Drei Durchstich-Vorgänge laufen von Anfang bis Ende: Angebot bis Rechnung, Bestellung bis Lieferantenrechnung, Zahlungseingang bis Ausgleich.

Was die Norm dazu sagt

Die Normenreihe ISO/IEC/IEEE 29119 (Software and systems engineering — Software testing) beschreibt, wie Tests geplant, durchgeführt und dokumentiert werden: Teil 2:2021 Testprozesse, Teil 3:2021 Testdokumentation, Teil 4:2021 Testentwurfsverfahren, Teil 1:2022 Grundbegriffe (Angaben der Verlagsseite der IEC und der Normungskataloge von Austrian Standards und EVS, geöffnet am 14. Oktober 2026). Die Norm ist kostenpflichtig und nicht frei einsehbar; die Abschnitte oben sind eine eigene Verfahrensvorgabe, keine Übernahme von Normtext. Eine Norm bindet nicht durch Gesetz; verbindlich wird sie erst, wenn ein Vertrag, eine Ausschreibung oder ein Qualitätssicherungssystem sie in Bezug nimmt.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Mögliche Ursache Vorgehen
Anzahl stimmt, Summe weicht ab Satz doppelt geladen oder Belegbezug verloren als Klasse A führen, Sätze eingrenzen, Export neu erstellen
Sätze fehlen im Testsystem Exportfilter oder Stichtag weicht vom Prüfplan ab Filter und Stichtag festhalten, Lauf wiederholen
Datumsangaben stehen im falschen Feld Reihenfolge von Tag und Monat passt nicht zum Ladeprogramm Format im Mapping festlegen, Sätze neu laden
Beträge sind um Faktor 100 verschoben Dezimaltrennzeichen oder Einheit passen nicht zum Zielfeld Feldtyp festlegen, Stichprobe nachrechnen
Umlaute und ß erscheinen falsch Zeichensatz der Exportdatei passt nicht zum Ladeprogramm beide Seiten auf einen Zeichensatz festlegen
Das Testsystem verschickt Mails Schnittstellen sind nicht abgeschaltet nach dem Abschalten wiederholen, alte Ergebnisse verwerfen
Laufzeit reisst das Umstellungsfenster Sortierung oder Einzelverarbeitung bremsen Ladeprogramm bündeln, Reihenfolge ändern, erneut messen

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie den Anbieter dazu, wenn das Ladeprogramm ein Feld nicht annimmt oder der Endlauf nur mit einer Programmänderung möglich wäre. Die Fragen rund um die Altdaten gehören zur Steuerberatung: wie lange das Altsystem vorgehalten werden soll und wie Sätze mit Belegbezug zu behandeln sind. Fragen zu Personendaten in der Testkopie klären Sie mit Ihrer Datenschutzberatung.

Häufige Fragen

Muss ich für beide Probeläufe den vollständigen Datenbestand laden?

Nein. Für den ersten Durchlauf genügt ein Teilbestand je Datenart; er zeigt Feldformate, Mapping und Pflichtfeldlücken schneller. Für Laufzeit, Nummernkreise und Summenabgleich nehmen Sie im zweiten Durchlauf den vollständigen Export im Umfang des Endlaufs, und zwar mit demselben Filter und Stichtag wie später beim Endlauf.

Wie groß soll der Teilbestand im ersten Probelauf sein?

Das hängt von Ihrer Datenmenge ab. Als redaktionelle Faustregel gelten rund zehn Prozent je Datenart, mindestens 200 Sätze, dazu je einen Satz für jede Ausprägung, die Ärger macht: leeres Feld, Sonderzeichen im Namen, Auslandsadresse, Kunde mit mehreren Lieferadressen. Die Zahl legen Sie vorher schriftlich fest.

Reicht ein Probelauf nicht auch?

Ein Durchlauf genügt, wenn Sie Exportumfang, Mapping und Ladeprotokoll getrennt prüfen und für jede Abweichung die Ursache belegen. Bleibt die Ursache offen, weil ein Mappingfehler und ein falscher Exportumfang im Ergebnis gleich aussehen, hilft der zweite Durchlauf mit dem vollständigen Export im Umfang des Endlaufs: Er zeigt, ob die Korrekturen aus dem ersten gewirkt haben und ob die Laufzeit in Ihr Umstellungsfenster passt.

Was mache ich mit einer Abweichung, die ich nicht erklären kann?

Sie blockiert die Freigabe. Legen Sie sie in die Fehlerliste, mit Datenart, beiden Werten, Exportstand und einem Beispielsatz, vergeben Sie Klasse, Zuständigen und Termin. Lassen Sie sie vom Anbieter oder vom Datenverantwortlichen aufklären und führen Sie den Abgleich danach erneut durch.

Darf ich das Testsystem danach weiterverwenden?

Als Übungsumgebung ja, aber laden Sie vor jedem Vergleich denselben Exportstand in ein leeres System, sonst sind die Ergebnisse nicht mehr vergleichbar. Im Testsystem stehen die Daten des gewählten Exportumfangs: nach dem ersten Probelauf der geladene Teilbestand, nach dem zweiten der vollständige Export im Umfang des Endlaufs. Halten Sie fest, wer die Testkopie wann löscht, und klären Sie die Fristen vorher mit Ihrer Datenschutzberatung.

Quellen

  1. ISO/IEC/IEEE 29119-2:2021: Software and systems engineering — Software testing — Part 2: Test processes (Publication date 28 October 2021, Edition 2.0, ICS 35.080)International Electrotechnical Commission (IEC), Genf · abgerufen am
  2. ISO/IEC/IEEE 29119-3:2021: Software and systems engineering — Software testing — Part 3: Test documentation (Publication date 28 October 2021, Edition 2.0, ICS 35.080)International Electrotechnical Commission (IEC), Genf · abgerufen am
  3. ISO/IEC/IEEE 29119-4:2021: Software and systems engineering — Software testing — Part 4: Test techniques (Publication date 28 October 2021, Edition 2.0, ICS 35.080)International Electrotechnical Commission (IEC), Genf · abgerufen am
  4. ISO/IEC/IEEE 29119-3:2021, Status NORM Aktuell, Ausgabedatum 28. Oktober 2021Austrian Standards, Wien (Normungsorganisation für Österreich) · abgerufen am
  5. ISO/IEC/IEEE 29119-1:2022: Software and systems engineering — Software testing — Part 1: General concepts (gültig ab 4. Februar 2022)Eesti Standardimis- ja Akrediteerimiskeskus MTÜ (EVS), Tallinn (ISO-Mitglied für Estland) · abgerufen am