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ERP-Betreuung: intern, Partner oder Mischmodell?

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Gilt für: Versionunabhängig und ohne Produktbezug; gilt für Betrieb und Weiterentwicklung eines ERP in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kurz gesagt

Nach der redaktionellen Entscheidungsregel dieses Artikels trägt die interne Betreuung, solange zwei Personen die Abläufe kennen und Updates im Testsystem abnehmen können. Fehlt dieses Wissen, übernimmt ein Dienstleister Betrieb und Änderungen; im Mischmodell teilen Haus und Partner Standardfälle und technische Fälle. Die Beispielrechnung nennt Zeitbudget und Monatsbeträge; sie gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Das Wichtigste

  • Drei Modelle: Betreuung im Haus, Dienstleister über einen Betreuungsvertrag, Mischmodell mit geteilter Zuständigkeit.
  • Entscheidungsgrößen der Tabelle: Nutzerzahl, Anpassungen über den Standard hinaus, Wissen im Haus.
  • Beispielrechnung Zeitbudget je Monat: Vollbetreuung durch den Partner 24 Stunden, Mischmodell 38 Stunden, interne Betreuung 60 Stunden.
  • Beispielrechnung Kosten je Monat bei erfundenen Stundensätzen: Vollbetreuung durch den Partner 2.600 Euro (Hauszeit 8 × 55 = 440 Euro, Partnerzeit 16 × 135 = 2.160 Euro), Mischmodell 2.890 Euro (Hauszeit 1.540 Euro), interne Betreuung 3.300 Euro (60 Stunden im Haus, kein Partneranteil); die Hauszeit ist nur im Mischmodell und bei interner Betreuung der größte Posten.
  • ITIL ist ein Rahmenwerk von PeopleCert und kein Gesetz; die aktuelle Version ist ITIL (Version 5), ITIL 4 bleibt verfügbar.
  • Alle Zahlen dieses Artikels sind Annahmen der Beispielrechnung; Marktdaten und Anbieternamen nennt er nicht.

Die Frage stellt sich zum Beispiel, wenn die Person, die das ERP eingeführt hat, den Betrieb verlässt, wenn die Zahl eigener Berichte wächst oder wenn ein Update liegen bleibt, weil es niemand vorher im Testsystem prüfen konnte: Wer trägt dann Betrieb und Weiterentwicklung?

Worum es bei der Auswahl geht

Bei der internen Betreuung übernehmen Beschäftigte die Annahme von Anfragen, die Pflege von Benutzern und Rollen (Rollen- und Rechtekonzept), Updates und Änderungen; das Wissen bleibt im Haus, die Zeit fehlt im Tagesgeschäft.

Ein Dienstleister arbeitet über einen Betreuungsvertrag mit Servicezeiten, Reaktionszeiten und Stundenkontingent und bringt Erfahrung mit Störungen und Updates mit; die fachliche Entscheidung bleibt bei Ihnen.

Im Mischmodell nimmt das Haus Anfragen an und entscheidet fachlich, der Partner bearbeitet technische Fälle, Updates und Programmierung.

Der Unterschied zeigt sich nicht im Angebotspreis, sondern darin, wer die Abläufe kennt und wie viel Zeit der Betrieb monatlich bindet.

Diese Kriterien zählen

Die Tabelle ordnet jedem Kriterium eine Prüfung zu, die Sie ohne Anbieterhilfe machen können; die Reihenfolge ist ein Vorschlag, keine Rangfolge.

Kriterium Warum es zählt Wie Sie es prüfen Frage an Partner oder Bewerber
Prozesskenntnis und Vertretung Wer Sonderfälle kennt, ordnet einen Fehler ein, statt ihn weiterzugeben Zwei Personen aus dem Haus erklären je einen Fall: Reklamation, Teillieferung, Gutschrift “Wie sichern Sie Wissen bei uns, und wer dokumentiert es?”
Zahl und Tiefe der Anpassungen Was außerhalb des Standards liegt, ist nach jedem Update erneut zu prüfen Zählen Sie Formulare, Berichte, Felder und Schnittstellen, die der Standard nicht kennt “Wer zieht eine Anpassung nach dem Update nach, zu welchem Preis?”
Updates und Testsystem Ein Update ohne Nachbau trifft den Produktivbetrieb ungeprüft Lassen Sie Testumgebung, Datenkopie und die Testfälle des letzten Updates zeigen “Welche Testfälle haben Sie beim letzten Update abgearbeitet?”
Zugriff, Rollen und Protokoll Wer im Wartungsfall auf Produktivdaten zugreift, bestimmt, was Sie nachvollziehen können Lassen Sie Freigabe und Protokollierung eines Fernzugriffs zeigen “Wie protokollieren Sie Zugriffe, und wer gibt sie frei?”
Messgrößen und Kostenaufteilung Servicezeit, Reaktionszeit und Kontingent entscheiden mit über den Monatsbetrag Verlangen Sie die Zusagen je Priorität schriftlich und eine Positionsliste mit dem, was nicht enthalten ist “Welche Reaktionszeit gilt je Priorität, und was ist in der Pauschale nicht enthalten?”
Dokumentation und Übergabe Ohne Beschreibung von Rollen, Berichten und Anpassungen hängt der Betrieb an Personen Verlangen Sie eine Stichprobe: eine Anpassung von der Anforderung bis zur Änderung erklärt “Was übergeben Sie bei Vertragsende, in welchem Format?”

Die Entscheidungstabelle: Größe, Anpassungen, Wissen

Die Tabelle ist die redaktionelle Entscheidungsregel dieses Artikels, keine Marktstatistik. Sie entscheidet nach Betriebsgröße (Nutzerzahl), Zahl der Anpassungen und Wissen im Haus; lesen Sie die Zeile, die Ihrer Situation am nächsten kommt.

Nutzerzahl Anpassungen über den Standard hinaus Wer im Haus kann testen und Fehler einordnen? Modell nach dieser Regel
bis 10 keine, nur Einrichtungen und Berichte des Standards niemand Dienstleister für Betrieb und Änderungen; im Haus eine fachliche Ansprechperson
bis 10 keine eine Person mit ERP-Erfahrung, wenig Zeit Mischmodell: Haus nimmt Anfragen an, Partner macht Updates und technische Fälle
bis 10 einzelne Berichte und Formulare eine Person, die sie kennt Mischmodell mit festem Kontingent; Programmierung beim Partner
10 bis 50 einzelne dokumentierte Anpassungen, eine Schnittstelle zwei Personen, eine IT-nah Mischmodell: Haus für Einrichtung, Rollen, Annahme; Partner für Updates und Programmierung
10 bis 50 mehrere Anpassungen oder Schnittstellen Wissen liegt beim bisherigen Dienstleister Dienstleister für Betrieb und Änderungen, im Haus ein fachlicher Verantwortlicher
über 50 eigene Programme, mehrere Gesellschaften eigenes Team möglich interne Betreuung mit ein bis zwei Stellen, Partner für Spezialthemen

Nach der redaktionellen Regel dieses Artikels gehören zwei Bedingungen zu jeder Zeile: zwei benannte Personen und ein Testsystem, in dem ein Update vor dem Produktivbetrieb geprüft wird. Fehlt eine davon, trägt das Modell noch nicht. Wie Testfälle und Abnahme aufgesetzt werden, steht unter Update im Testsystem, wie Anpassungen updatefähig bleiben unter Anpassungen updatefähig halten.

Was die drei Modelle im Monat binden

Die folgende Rechnung ist eine Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Annahmen: 25 Nutzerplätze, vier Anpassungen über den Standard hinaus, Hausstunde 55 Euro, Partnerstunde 135 Euro, netto, ohne Lizenzen und Hosting.

Modell Zeit im Haus je Monat Zeit beim Partner je Monat Wofür die Zeit gebraucht wird
Vollbetreuung durch den Partner 8 Stunden 16 Stunden Annahme, Abnahme, Entscheidungen; Störungen, Updates
Mischmodell 28 Stunden 10 Stunden Standardfälle, Rollen, Fachfragen; technische Fälle, Updates
Interne Betreuung 60 Stunden 0 Stunden Annahme, Fehleranalyse, Updates, Berichte, Benutzer

Rechenprobe: 8 + 16 = 24 Stunden im Monat bei Vollbetreuung durch den Partner, 28 + 10 = 38 Stunden im Mischmodell, 60 Stunden bei interner Betreuung. Monatskosten der Beispielrechnung: 8 × 55 + 16 × 135 = 2.600 Euro, 28 × 55 + 10 × 135 = 2.890 Euro, 60 × 55 = 3.300 Euro.

Die Zeit im Haus ist im Mischmodell und bei interner Betreuung der größte Posten dieser Rechnung: 1.540 von 2.890 Euro im Mischmodell, 3.300 von 3.300 Euro bei interner Betreuung. Bei Vollbetreuung durch den Partner liegt der größte Posten beim Partner: 16 der 24 Stunden und 2.160 der 2.600 Euro gegenüber 8 Stunden und 440 Euro im Haus. Nicht enthalten sind Anpassungen außerhalb des Kontingents, Lizenzen, Hosting und der Aufwand beim Ausfall der einzigen Wissensträgerin.

Woraus sich die Kosten zusammensetzen

Fragen Sie jede Position einzeln ab:

  1. Zeit des Hauses: Annahme, Abnahme, fachliche Entscheidungen und Einarbeitung fallen auch bei einem Partner an.
  2. Pauschale und Kontingent: Welches Kontingent ist enthalten, verfallen nicht genutzte Stunden, was kostet eine Stunde darüber?
  3. Anpassungen außerhalb des Kontingents: Stundensatz, Schätzung vor der Ausführung, Verfahren bei Überschreitung.
  4. Updates und Testsystem: Gehört der Testlauf zum Vertrag, wer stellt die Testfälle, wer gibt frei?
  5. Schulung: Zeit für neue Mitarbeitende, Vertretungen und die Übergabe bei Vertragsende.
  6. Ausstieg: Datenexport, Beschreibung der Anpassungen, Rückgabe von Skripten und Zugängen.

Reaktionszeiten, Servicezeiten und Messgrößen hält ein Service-Level-Agreement (SLA) fest; was hineingehört, beschreibt SLA, die Prüfung eines Angebots ERP-Supportvertrag prüfen.

Welche Rolle ITIL spielt

ITIL ist ein Rahmenwerk für das Management digitaler Produkte und Dienste; Rechteinhaber ist PeopleCert (Stand 14. Oktober 2026). Die aktuelle Version heißt ITIL (Version 5); ITIL 4 bleibt verfügbar und ist Voraussetzung für die Aufbaumodule der neuen Version. Beide beschreiben vier Dimensionen des Servicemanagements — Organisation und Menschen, Wertströme und Prozesse, Information und Technologie, Partner und Lieferanten — und ein Wertsystem (in ITIL 4: Service Value System) aus Leitprinzipien, Governance, Wertschöpfungskette, Management Practices und kontinuierlicher Verbesserung.

Für die Betreuung eines ERP sind fünf Praktiken daraus wichtig: Incident Management (Störungen beheben), Problem Management (Ursachen bearbeiten), Change Enablement (Änderungen freigeben), Service Level Management (Serviceniveaus vereinbaren) und Supplier Management (Lieferanten steuern).

ITIL bindet niemanden von sich aus: Nach der allgemeinen Aussage des DIN e. V. zu Normen ist die Anwendung freiwillig, verbindlich wird ein Regelwerk erst durch Verweis in Gesetzen oder durch Vereinbarung. Die Praxisleitfäden sind kostenpflichtige Publikationen; dieser Artikel nennt daher nur öffentlich Beschriebenes und rät, an den Kriterien des Vertrags zu prüfen, nicht an Zertifikaten.

Warnsignale in Angebot und Vertrag

  • Erreichbarkeit „nach Verfügbarkeit“ statt Servicezeit und Reaktionszeit je Priorität.
  • Kein Testsystem und keine Testfälle im Angebot, obwohl Anpassungen außerhalb des Standards bestehen.
  • Kontingent ohne Regel für nicht genutzte Stunden: verfallen, übertragbar, verrechnet?
  • Programmierung ohne schriftliche Schätzung vor der Ausführung und ohne Verfahren bei Überschreitung.
  • Eine Person als einziger Ansprechpartner für Fachliches und Technik, ohne benannte Vertretung.
  • Keine Übergabe: keine Beschreibung der Anpassungen, kein Export, keine Rückgabe von Zugängen.

So vergleichen Sie in fünf Schritten

  1. Bestand aufnehmen. Nutzerzahl, Standorte, Liste der Anpassungen und die Namen der Personen, die Sonderfälle erklären.
  2. Zeitbedarf schätzen. Füllen Sie die Zeitbudget-Tabelle mit Ihren Zahlen und bewerten Sie die Hausstunden mit Ihrem Stundensatz.
  3. Modell bestimmen. Nehmen Sie die Zeile der Entscheidungstabelle, die zu Nutzerzahl, Anpassungen und Wissen passt.
  4. Gleiche Positionen abfragen. Verschicken Sie dieselbe Leistungsliste an jeden Kandidaten samt der Angabe, was nicht enthalten ist.
  5. Vertrag und Ausstieg regeln. Servicezeiten, Reaktionszeiten je Priorität, Kontingent, Dokumentation und Datenexport festhalten und die Übergabe einmal üben (Betriebshandbuch fürs ERP).

Häufige Fragen

Können wir die Betreuung später auf einen anderen Dienstleister verlegen?

Ja, wenn Dokumentation, Datenexport und die Befugnisse an Anpassungen geregelt sind. Lassen Sie beides vor der Vergabe in den Vertrag schreiben: eine Beschreibung Ihrer Anpassungen und Berichte sowie einen Export in einem lesbaren Format. Wie weit ein Bearbeitungsrecht reicht, hängt vom Vertrag ab; die Rechte an eigenem Code behandelt [Standard-ERP oder Individualentwicklung](/auswahl/erp-standard-oder-individualentwicklung-entscheiden/).

Reicht eine Person für die interne Betreuung?

Nein, nach der redaktionellen Regel dieses Artikels nicht. Benennen Sie mindestens eine zweite Person, die einen Sonderfall erklären, ein Update im Testsystem prüfen und im Urlaub oder Krankheitsfall übernehmen kann. Ist diese Vertretung nicht zu besetzen, trägt das Mischmodell den Betrieb besser als eine Einzelperson.

Was kostet die Betreuung im Monat?

Das hängt von Nutzerzahl, Anpassungen, Servicezeiten und Stundenkontingent ab; Marktzahlen nennt dieser Artikel nicht. In der Beispielrechnung stehen 2.600 Euro für die Vollbetreuung durch einen Partner, 2.890 Euro für das Mischmodell und 3.300 Euro für die interne Betreuung. Fordern Sie von jedem Kandidaten dieselbe Positionsliste an.

Brauchen wir eine ITIL-Zertifizierung?

Nein. ITIL ist ein Rahmenwerk mit Empfehlungen und keine Vorschrift. Ein Zertifikat belegt Wissen, ersetzt aber weder eine Dienstzusage noch eine Referenz. Prüfen Sie stattdessen, ob der Anbieter Servicezeiten, Reaktionszeiten je Priorität und die Übergabe von Wissen schriftlich zusagt.

Quellen

  1. ITIL 4 Foundation: öffentlich beschriebene Bestandteile (Service Value System, vier Dimensionen der Serviceerstellung, Praktiken)PeopleCert International Ltd., Rechteinhaber von ITIL · abgerufen am
  2. ITIL Foundation (Version 5): vier Dimensionen, ITIL Value System, Produkt- und Servicelebenszyklus, Management PracticesPeopleCert International Ltd., Rechteinhaber von ITIL · abgerufen am
  3. ITIL-Zertifizierungsübersicht: Module von ITIL 4 und der Version 5 im aktuellen AngebotPeopleCert International Ltd., Rechteinhaber von ITIL · abgerufen am
  4. Evolving from ITIL 4 to ITIL (Version 5): Why it makes sense for today's professionals (Roman Jouravlev, ITIL Senior Architect, PeopleCert)PeopleCert International Ltd. · abgerufen am
  5. Rechtsverbindlichkeit durch Normen: Rechtliche Bedeutung von Normen – freiwillig und äußerst hilfreichDIN e. V., Berlin · abgerufen am