Anpassungen updatefähig halten: Dokumentation und Regeln
Kurz gesagt
Erfassen Sie jede Anpassung in einem Register mit Zweck, verantwortlicher Person, Testfall und Update-Prüfung, und arbeiten Sie vor jedem Update eine Regressionsliste ab. Der BSI IT-Grundschutz (Deutschland) verlangt in OPS.1.1.3.A1, Änderungen geeignet zu planen, zu genehmigen, zu dokumentieren und eine Rückfall-Lösung vorzuhalten; vorab zu testen empfiehlt dieselbe Anforderung. Er bindet nicht durch Gesetz, sondern nur, wo ein Vertrag oder eine Regelung ihn festschreibt.
Das Wichtigste
- Jede Anpassung bekommt eine Kennung mit Zweck, verantwortlicher Person, Testfall und Update-Prüfung.
- BSI OPS.1.1.3.A1: Änderungen MÜSSEN geplant, genehmigt und dokumentiert werden, vorab getestet werden sie SOLLTEN; eine Rückfall-Lösung MUSS vorhanden sein.
- Nach BSI OPS.1.1.6 kann sich eine Änderung auf andere Funktionen auswirken; A12 empfiehlt dafür Regressionstests bis hin zu Sicherheitsmechanismen und -einstellungen.
- Vor jedem Update alle registrierten Anpassungen über ihren Testfall prüfen, nach dem Einspielen nachtesten.
- Der IT-Grundschutz bindet nicht durch Gesetz, sondern nur dort, wo ein Vertrag oder eine Regelung ihn festschreibt.
Eine Anpassung ist jede Einstellung, jedes Druckformular, jede Auswertung und jede Erweiterung, die nicht zum Herstellerstand gehört. Ob Ihr Wartungsvertrag sie erfasst, hängt von seinem Umfang ab — klären Sie das je Anpassung mit Ihrem Hersteller. Sie muss auch nach dem nächsten Update weiter tragen. Ob sie das tut, entscheidet sich daran, ob Sie sie kennen, einer Person zuordnen und wiederholt testen können. Dieses Vorgehen baut dafür ein Anpassungsregister auf und hält es über die Updates hinweg aktuell.
Grundlage der Regeln ist der BSI IT-Grundschutz, Edition 2023 (Stand Februar 2023). Er ist eine Methode des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik und bindet nicht durch Gesetz; verpflichtend wird er nur, wo ein Vertrag, eine Weisung oder eine Regelung ihn festschreibt. Seine Bausteine OPS.1.1.3 Patch- und Änderungsmanagement und OPS.1.1.6 Software-Tests und Freigaben sind als technische Richtschnur auch für Betriebe in Österreich und der Schweiz lesbar.
Was Sie vorab brauchen
- eine Liste aller Änderungen am System seit dem Go-live: Anpassungsanforderungen, Einstellungen, Druckformulare, Auswertungen, Schnittstellen, Erweiterungen
- je Anpassung eine fachlich verantwortliche Person aus dem Fachbereich, nicht nur eine Person aus der IT
- einen Testzugang, der keine echten Buchungen und keine Nachrichten an Schnittstellen auslöst; BSI OPS.1.1.6.A2 verlangt, dass funktionale Software-Tests den Produktivbetrieb nicht beeinflussen
- einen festen Ablageort, an dem Register und Testergebnisse für die nächste Version auffindbar sind
- die Release- und Änderungsinformationen Ihres Herstellers, damit Sie wissen, welche Bausteine ein Update berührt
- eine Person, die die Freigabe erteilt und sie dokumentiert
Schritt für Schritt: Anpassungen erfassen und pflegen
Schritt 1: Anpassung erfassen
Geben Sie jeder Anpassung eine Kennung und beschreiben Sie in einem Satz ihren Zweck. BSI OPS.1.1.3.A5 empfiehlt, Änderungsanforderungen (Request for Changes) zu erfassen und zu dokumentieren. Erfasst wird die Programmierung ebenso wie eine Einstellung, die ein Update auf den Auslieferungsstand zurücksetzt. Ende: Die Anpassung steht mit Kennung und Zweck im Register.
Schritt 2: Verantwortliche Person festlegen
Tragen Sie die fachlich zuständige Person ein. BSI OPS.1.1.3.A2 verlangt, für alle Organisationsbereiche Zuständige für das Patch- und Änderungsmanagement festzulegen. Diese Person kann den Zweck beurteilen und später entscheiden, ob die Anpassung noch gebraucht wird. Ende: In jeder Zeile steht ein Name, nicht eine Abteilung.
Schritt 3: Testfall formulieren
Beschreiben Sie in einem Testfall, welche Eingabe welches Ergebnis erzeugen muss. BSI OPS.1.1.6.A1 verlangt, Testfälle so auszuwählen, dass sie möglichst repräsentativ alle Funktionen überprüfen; Negativ-Tests, die ungewollte Funktionen aufdecken, sollten Sie zusätzlich berücksichtigen (dieselbe Anforderung). Der Testfall muss wiederholbar sein, weil Sie ihn bei jedem Update erneut ausführen; wie Sie Fälle aus Ihren Abläufen ableiten, zeigt der Artikel zu Testfällen aus Geschäftsprozessen. Ende: Eine zweite Person kann den Testfall ohne weitere Erklärung ausführen.
Schritt 4: Update-Prüfung eintragen
Notieren Sie je Anpassung, woran Sie nach einem Update erkennen, dass sie noch trägt: welcher Menüpunkt, welcher Bericht, welche Schnittstelle. BSI OPS.1.1.3.A1 verlangt eine Rückfall-Lösung für jede durchgeführte Änderung und empfiehlt, Änderungen vorab geeignet zu testen (siehe OPS.1.1.6 Software-Tests und Freigaben). Die Update-Prüfung ist die Vorbereitung darauf, weil Sie so wissen, wo Sie nach dem Einspielen zuerst nachsehen. Ende: Die Spalte nennt mindestens einen sichtbaren Anhaltspunkt.
Schritt 5: Register nachführen
BSI OPS.1.1.3.A11 empfiehlt, Änderungen in allen Phasen zu dokumentieren. Führen Sie das Register deshalb bei jeder Anpassung nach und nicht erst vor dem Jahresabschluss. Wird eine Anpassung stillgelegt, bleibt die Zeile mit dem Datum der Stilllegung erhalten. Ende: Register und System stimmen überein.
Das Anpassungsregister
Das Register ist eine Tabelle; eine Tabellenkalkulation oder ein eigenes Feld in Ihrem System genügt. Entscheidend sind vier Angaben je Zeile, weil Sie genau sie beim nächsten Update brauchen: der Zweck, die verantwortliche Person, der Testfall und die Update-Prüfung.
| Kennung | Anpassung und Zweck | Verantwortlich | Testfall | Update-Prüfung | Stand |
|---|---|---|---|---|---|
| A-014 | Druckformular für die Sammelrechnung | Buchhaltung | Sammelrechnung über drei Aufträge erzeugen und drucken | Menüpunkt „Sammelrechnung” öffnet ohne Fehlermeldung | 2026-05-02 |
| K-007 | Rollenrecht „Bestellung freigeben” | Einkauf | Bestellung als Sachbearbeitung anlegen, dann freigeben | Freigabe erscheint nur mit der Rolle „Einkaufsleitung” | 2026-07-19 |
| S-003 | Schnittstelle zum Online-Shop für Bestandsabgleich | Vertrieb | Bestand in einem Testartikel ändern und den Abgleich auslösen | Testartikel zeigt im Shop den geänderten Bestand | 2026-08-11 |
Die Beispiele sind erfundene Einträge (Beispiel, kein Datenbestand). Tragen Sie eine Anpassung erst dann als erledigt ein, wenn der Testfall mindestens einmal bestanden ist.
Regeln für Ihr Anpassungsregister
Die folgenden Regeln sind eine redaktionelle Empfehlung; wo eine BSI-Anforderung dahintersteht, ist sie genannt.
- Keine Anpassung ohne Eintrag: erst eintragen, dann produktiv schalten.
- Genau eine verantwortliche Person je Anpassung (BSI OPS.1.1.3.A2: Zuständige MÜSSEN festgelegt werden).
- Ohne wiederholbaren Testfall keine Freigabe; die Freigabe wird dokumentiert (BSI OPS.1.1.6.A4: Freigabeerklärung).
- Notieren Sie, an welcher Stufe die Anpassung ansetzt — Einstellung, Formular, Auswertung, Schnittstelle oder Erweiterung —, weil davon abhängt, ob ein Update sie berührt. Welche Stufen es gibt und wie sie sich unterscheiden, beschreibt der Artikel Stufen der ERP-Anpassung.
- Legen Sie zu jeder Änderung vorher fest, wie Sie sie zurücknehmen (BSI OPS.1.1.3.A1: Rückfall-Lösungen MÜSSEN vorhanden sein).
- Prüfen Sie vor jedem Update die Regressionsliste und testen Sie nach dem Einspielen nach (BSI OPS.1.1.6.A12 empfiehlt Regressionstests nach Änderungen, BSI OPS.1.1.3.A13 Nachtests mit dokumentiertem Ergebnis).
Die Regressionsliste vor dem Update
Ein Regressionstest prüft die Wirkung einer Änderung auf andere Funktionen. BSI OPS.1.1.6.A12 empfiehlt Regressionstests nach jeder Software-Änderung und nennt dabei ausdrücklich die Sicherheitsmechanismen und -einstellungen; die Einleitung des Bausteins begründet das damit, dass sich selbst eine kleine Änderung auf ganz andere Funktionen auswirken kann. Für ein Update heißt das: Neben der geänderten Stelle des Herstellers prüfen Sie Ihre eigenen Anpassungen mit. Eine Zeile je Prüfung, mit Beleg und Ergebnis:
| Prüfung | Beleg | Bestanden, wenn |
|---|---|---|
| jede Anpassung aus dem Register | Kennung und Testfall | der beschriebene Ablauf liefert dasselbe Ergebnis wie vorher |
| Schnittstellen (Shop, Bank, Kasse, Buchhaltung) | eine Testbuchung je Schnittstelle | Daten kommen an und zurück, ohne Fehlermeldung |
| Druckformulare und Auswertungen | Druck oder Export | die Ausgabe öffnet sich und enthält die erwarteten Werte |
| Rollen und Berechtigungen | Anmeldung je Rolle | jede Rolle erreicht ihre Startmaske, die Rechte stimmen |
| Nachtests nach dem Einspielen | Wiederholung der Zeilen darüber | jede Prüfung ist mit Ist-Wert und Datum dokumentiert |
So prüfen Sie das Ergebnis
Das Register ist vollständig, wenn jede Anpassung eine Kennung, einen Zweck, eine verantwortliche Person, einen Testfall und eine Update-Prüfung trägt. Die Regressionsliste ist abgeschlossen, wenn jede Zeile ein Ergebnis mit Datum hat und offene Punkte eine Frist und eine zuständige Person nennen. Prüfen Sie außerdem, ob eine Anpassung nur noch in der Liste steht, aber im System fehlt, oder umgekehrt — beide Fälle sind vor dem nächsten Update zu klären.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Umgang |
|---|---|---|
| Anpassung fehlt nach dem Update | das Update hat die Änderung auf den Herstellerstand zurückgesetzt | Eintrag und Rückfall-Lösung nutzen, Anpassung neu einspielen und den Testfall wiederholen |
| Ein anderer Ablauf bricht nach dem Update | Regressionseffekt außerhalb der eigenen Anpassung | den betroffenen Ablauf als Testfall ergänzen; BSI OPS.1.1.6 nennt genau diese Wirkung |
| Niemand kennt den Zweck einer Anpassung | Zweck und verantwortliche Person fehlen im Register | Zweck mit dem Fachbereich klären oder die Anpassung stilllegen und die Zeile nachführen |
| Update lässt sich nicht einspielen | eine Anpassung steht dem Herstellerstand im Weg | Anpassung mit dem Hersteller klären, Rückfall-Lösung bereithalten, Update erneut versuchen |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie Ihren Anbieter oder Hersteller hinzu, wenn eine Anpassung im Kern geändert wurde oder vom Herstellerstandard abweicht; wie Sie eine solche Erweiterung beauftragen und abnehmen, steht im Artikel zur individuellen Erweiterung. Fällt das Update in ein Umstellungs- oder Wiederherstellungsszenario, gehört der Restore-Test dazu. Ein geführtes Register ist Teil der Betriebsdokumentation; wo sie abgelegt wird, beschreibt das Betriebshandbuch fürs ERP.