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Customizing (Anpassung ohne Programmierung)

Aktualisiert:

Gilt für: Versionunabhängig; gilt für Standard-ERP in allen Betriebsformen, ohne Bezug auf einen bestimmten Hersteller

Kurz gesagt

Customizing ist die Anpassung eines Standard-ERP an eigene Abläufe ohne Programmierung: Einstellungen und Konfiguration in Feldern und Tabellen, die der Hersteller dafür vorsieht. Sobald ein eigener Programmteil nötig wird, ist das eine Erweiterung über die vorgesehene Schnittstelle, ein Eingriff in Herstellercode eine Modifikation — beides ist Programmierung, kein Customizing. Den Rahmen ergeben in Deutschland, Österreich und der Schweiz Vertrag und Herstellerdokumentation.

Das Wichtigste

  • Customizing heißt Anpassung ohne Programmierung: Einstellung und Konfiguration im vorgesehenen Rahmen des Herstellers.
  • Die Stufenleiter reicht von der Einstellung über die Konfiguration und die Erweiterung bis zur Modifikation.
  • Erweiterung und Modifikation sind Programmierung: eigener Programmteil über die vorgesehene Schnittstelle oder Eingriff in Herstellercode.
  • Ob ein Update eine Anpassung erhält, ist nicht zugesagt; das Risiko ordnet die Tabelle als redaktionelles Modell ein.
  • Einstellung und Konfiguration nimmt der Key User vor, Erweiterung und Modifikation die Entwicklung des Partners oder Herstellers.
  • ISO/IEC/IEEE 24765:2017 und ISO/IEC/IEEE 12207:2026 sind Normen, keine Gesetze; verbindlich werden sie erst durch einen Verweis in Vertrag oder Regelung.

Customizing (deutsch: Anpassung ohne Programmierung) ist die Einrichtung und Konfiguration eines Standard-ERP-Systems innerhalb des Rahmens, den der Hersteller dafür freigibt — über Felder, Tabellen und Regeln, nicht über den Quellcode.

Wozu Customizing dient

Ein Standard-ERP bringt feste Abläufe mit. Weicht der eigene Ablauf davon ab, gibt es zwei Wege: den Ablauf an das System anpassen oder das System an den Ablauf. Customizing ist der zweite Weg, solange er im vorgesehenen Rahmen bleibt: Die Änderung liegt in Feldern und Tabellen, die der Hersteller dafür vorsieht, nicht im Quellcode. Wie ein Update eine solche Anpassung behandelt, ist damit nicht zugesagt; prüfen Sie das vor dem Update am System und beim Hersteller. Sobald ein eigener Programmteil nötig wird, endet das Customizing (Wo die ERP-Anpassung endet).

Die Stufenleiter der Anpassung

Die Tabelle ordnet vier Stufen und nennt für jede, wer sie vornimmt und welches Risiko ein Update mit sich bringt. Das Modell ist eine redaktionelle Einordnung (Stand 14. Oktober 2026), keine Messung; ob ein Update eine Anpassung erhält, hängt vom Update und vom System ab und lässt sich vorher nicht zusagen.

Stufe Was geändert wird Wer es macht Update-Risiko
Einstellung ein vorgesehenes Feld, etwa Nummernkreis, Sprache oder Lagerort Key User oder Fachbereich niedrig: ein Update kann eine Voreinstellung zurücksetzen
Konfiguration Werte und Regeln in vorgesehenen Tabellen, etwa Rabattstufe, Zahlungsbedingung oder Steuerschlüssel Key User, bei Unklarheit die Beratung niedrig bis mittel: Wertebereiche oder Auswertungen können sich ändern
Erweiterung ein eigener Programmteil über die vorgesehene Schnittstelle, etwa eine Automatisierung; Programmierung, aber kein Eingriff in Herstellercode Partner oder eigene Entwicklung hoch: ein Update kann den Aufruf einer Herstellerfunktion brechen lassen
Modifikation Eingriff in den Programmcode des Herstellers, etwa in die Buchungs- oder Preislogik Entwicklung; den Nutzungsumfang vorher im Vertrag prüfen sehr hoch: ein Update kann die Änderung überschreiben oder sich nicht einspielen

Der Übergang zwischen den Stufen ist fließend. Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Eine Konfiguration mit drei Stunden einmaligem Aufwand und ohne Nacharbeit je Update steht nach drei Updates bei 3 + 0 = 3 Stunden; eine Modifikation mit 30 Stunden einmaligem Aufwand und acht Stunden Nacharbeit je Update steht bei 30 + 3 × 8 = 54 Stunden. Beide Wege lösen denselben Ablauf.

Standardbasis

Customizing ist ein Begriff der ERP-Praxis. Den Wortschatz der System- und Softwaretechnik sammelt ISO/IEC/IEEE 24765:2017 (Edition 2.0, veröffentlicht am 6. September 2017); die Prozesse des Software-Lebenszyklus einschließlich Wartung beschreibt ISO/IEC/IEEE 12207:2026 (Edition 2.0, veröffentlicht am 29. April 2026). Beide sind Normen, keine Gesetze: Verbindlich werden sie, soweit ein Vertrag, eine Regelung oder eine Weisung sie in Bezug nimmt. Den Umfang Ihrer Anpassung lesen Sie daher aus dem Vertrag und der Herstellerdokumentation.

Nicht zu verwechseln

  • Individualentwicklung: eigene Software ohne Standardprodukt; Customizing setzt ein Standard-ERP voraus.
  • Fit-Gap-Analyse: der Abgleich von Anforderung und Standard, der dem Customizing vorausgeht (Fit-Gap-Analyse); sie entscheidet, ob überhaupt angepasst wird.
  • Stammdaten: Einträge wie Artikel, Kunden und Preise sind Inhalte des Systems, keine Anpassung seiner Funktion (Stammdatenverantwortung festlegen).

Häufige Fragen

Ist jede Anpassung Customizing?

Nein. Customizing bleibt im Rahmen, den das System dafür vorsieht: Felder, Tabellen und Regeln, die der Hersteller zur Einstellung freigibt. Sobald ein eigener Programmteil nötig wird, ist es Programmierung: eine Erweiterung über die vorgesehene Schnittstelle oder, bei einem Eingriff in den Programmcode des Herstellers, eine Modifikation.

Wer darf Customizing vornehmen?

Einstellung und Konfiguration kann der Key User selbst pflegen, wenn seine Rolle die nötigen Rechte umfasst. Erweiterung und Modifikation gehören in die Entwicklung, weil sie Programmteile ergänzen oder ändern; planen Sie nach einem Update eine Prüfung ein.

Warum ist das Update-Risiko bei einer Modifikation höher?

Nach der Einordnung der Tabelle liegt die Modifikation im Kern des Systems. Ein Update kann sie überschreiben oder sich mit ihr nicht einspielen lassen. Ob und wie stark das geschieht, hängt vom Update und vom System ab und lässt sich vorher nicht zusagen.

Quellen

  1. ISO/IEC/IEEE 24765:2017, Systems and software engineering - Vocabulary, Edition 2.0, veröffentlicht am 6. September 2017, Status PublishedInternational Electrotechnical Commission (IEC), IEC Webstore · abgerufen am
  2. ISO/IEC/IEEE 12207:2026, Systems and software engineering - Software life cycle processes, Edition 2.0, veröffentlicht am 29. April 2026, Status PublishedInternational Electrotechnical Commission (IEC), IEC Webstore · abgerufen am