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PPS (Produktionsplanung und -steuerung)

Aktualisiert:

Kurz gesagt

PPS (Produktionsplanung und -steuerung) ist der Sammelbegriff für die Aufgaben, die den Fertigungsablauf festlegen und überwachen. Zur Planung zählen Programm-, Material- und Kapazitätsplanung, zur Steuerung Auftragsfreigabe, Ablaufplanung und Betriebsdatenerfassung; MRP ist davon die Stufe der Materialbedarfsplanung. Die Einteilung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz dieselbe und bindet nicht durch Gesetz.

Das Wichtigste

  • PPS steht für Produktionsplanung und -steuerung und bezeichnet die Aufgabe und das unterstützende System.
  • Zur Planung gehören Produktionsprogrammplanung, Materialbedarfsplanung sowie Termin- und Kapazitätsplanung; zur Steuerung Auftragsfreigabe, Ablaufplanung und Auftragsüberwachung.
  • Die Auftragsfreigabe ist die Schnittstelle zwischen Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung.
  • Nach dem Konzept der Sukzessivplanung steigt von Stufe zu Stufe der Detaillierungsgrad und sinkt der Planungshorizont.
  • MRP ist die Materialbedarfsplanung als eine Stufe des PPS; MRP II erweiterte sie, daraus entstanden die ERP-Systeme.
  • Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt dieselbe Einteilung der Aufgaben und Systemebenen.

Produktionsplanung und -steuerung (PPS) ist der Sammelbegriff für die Aufgaben, mit denen ein Industriebetrieb sein Produktionsprogramm festlegt, die dafür nötigen Mengen und Termine plant und den Fertigungsablauf überwacht (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Stichwort Produktionsplanungs- und -steuerungssystem; Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort PPS-System).

Welche Stufen PPS umfasst

Die Stufen folgen dem Konzept der Sukzessivplanung: Das Ergebnis einer Stufe ist die Vorgabe der nächsten. Der Detaillierungsgrad steigt dabei, der Planungshorizont sinkt (Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort PPS-System).

Auf die Produktionsprogrammplanung folgt die Materialbedarfsplanung mit Brutto-Netto-Rechnung und Losgrößen je Teil und Woche, danach die Termin- und Kapazitätsplanung mit Durchlaufterminierung und Kapazitätsabgleich. Die Auftragsfreigabe prüft die Verfügbarkeit und bildet die Schnittstelle zwischen Planung und Steuerung. Danach legen Ablaufplanung und Maschinenbelegung die Bearbeitungstermine fest, die Auftragsüberwachung verfolgt den Ablauf mit der Betriebsdatenerfassung (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Universität Potsdam).

Die Ebenen und ihre Werkzeuge

Die Tabelle ordnet jede Aufgabe einer Systemebene zu; die Belege stehen in der letzten Spalte.

Aufgabe Planung oder Steuerung Werkzeug Beleg
Produktionsprogrammplanung (Primärbedarf) Planung, Monate bis Quartale ERP Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik (Primärbedarfsplanung); VDI 5600 Blatt 1, Einleitung
Materialbedarfsplanung (Sekundärbedarf) Planung, Wochen ERP-Dispositionsmodul; kann in einem eigenen PPS liegen Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort PPS-System (Bedarfsplanung); Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik
Termin- und Kapazitätsplanung Planung, Wochen bis Monate ERP oder eigenes PPS Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik (Termin- und Kapazitätsplanung)
Auftragsfreigabe Schnittstelle zwischen Planung und Steuerung PPS- oder ERP-System Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik (Auftragsfreigabe)
Ablaufplanung, Feinplanung Steuerung, Tage bis Schichten MES VDI 5600 Blatt 1, Inhalt Nr. 5.2 (Feinplanung und Feinsteuerung)
Auftragsüberwachung mit Betriebsdatenerfassung Steuerung, laufender Tag MES VDI 5600 Blatt 1, Inhalt Nr. 5.6; Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik (MES-Hauptfunktionalitäten)

Beispielrechnung

Die Zahlen sind erfunden (Beispielrechnung). Ein Betrieb fertigt 720 Stück einer Baugruppe je Woche, jede Baugruppe durchläuft drei Arbeitsgänge. Die Programmplanung stellt bei vier Wochen 2.880 Stück in den Monatsplan (720 × 4). In der Steuerung sind 2.160 Arbeitsgänge je Woche (720 × 3) auf zehn Schichten zu verteilen, also 216 je Schicht (2.160 ÷ 10).

Geltung

Eine gesetzliche Vorgabe zur Produktionsplanung und -steuerung nennen die für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht. VDI 5600 Blatt 1, auf das sich die Zuordnung von Feinplanung und Betriebsdatenerfassung stützt, ist eine Richtlinie: Nach der Auskunft des VDI sind technische Regeln zunächst zur freiwilligen Anwendung gemacht; eine höhere rechtliche Verbindlichkeit erhalten sie durch einen ausdrücklichen Verweis in einem Rechtsdokument oder einem Vertrag. Auch die Einordnung als allgemein anerkannte Regel der Technik erhöht ihre Verbindlichkeit; im Streitfall orientiert sich ein Gericht bei der Urteilsfindung daran. Die Ausgabe Oktober 2016 führt die VDI-Richtlinienliste als überprüft und bestätigt.

Nicht zu verwechseln mit

  • MRP (Materialbedarfsplanung): eine einzelne Stufe des PPS, nicht dessen Oberbegriff; die ersten MRP-Systeme unterstützten allein diese Stufe.
  • MES (Fertigungsleitsystem): die Ebene für die zeitnahe Feinplanung und Steuerung; das Bindeglied zwischen Planung und physischem Produktionsvollzug.
  • PPS-System und PPS-Aufgabe: der Begriff meint beide; ob ein System die Steuerung trägt, entscheidet seine Datenauflösung, siehe Fertigungsplanung im ERP.

Häufige Fragen

Ist ein PPS-System dasselbe wie ein ERP-System?

Nein. Ein PPS-System ist auf die Planung und Steuerung des Produktionsgeschehens ausgerichtet. ERP-Systeme entstanden aus den um weitere Planungsstufen erweiterten MRP-II-Systemen und führen daneben Module für Beschaffung, Vertrieb, Personal und Rechnungswesen (Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik, Universität Potsdam).

Brauche ich ein eigenes PPS oder ein MES?

Das entscheidet die Auflösung Ihrer Daten, nicht das Kürzel im Angebot. VDI 5600 Blatt 1 ordnet ERP-Systemen die mittel- und längerfristige Planung mit geringem Detaillierungsgrad zu und nennt Betriebsdatenerfassung und Qualitätsmanagement als MES-Funktionen. Der Vergleich der vier Planungsaufgaben steht in [Fertigungsplanung im ERP](/fertigung/pps-fertigungsplanung-erp-abgrenzung/).

Woher kommt der Begriff PPS?

Aus dem deutschsprachigen Produktionsmanagement; im Englischen heißen die Stufen MRP, MRP II und Manufacturing Execution System. Das FIR an der RWTH Aachen nutzt das Aachener PPS-Modell als Referenzmodell für die Auftragsabwicklung und hat darauf in einem Forschungsprojekt einen angepassten Auftragsabwicklungsprozess entwickelt.

Quellen

  1. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Produktionsplanungs- und -steuerungssystem (Christoph Siepermann)Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Prozesse und Systeme, Universität Potsdam · abgerufen am
  2. VDI 5600 Blatt 1: Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems – MES), öffentlicher Auszug mit Inhaltsverzeichnis, Einleitung und Anwendungsbereich, Ausgabe Oktober 2016 (PDF)Verein Deutscher Ingenieure (VDI) · abgerufen am
  3. VDI-Richtlinien: Sind VDI-Richtlinien verbindlich anzuwenden?Verein Deutscher Ingenieure (VDI) · abgerufen am
  4. VDI-Richtlinienreihe 5600, Liste der Blätter mit Ausgabedatum und Status (Suchbegriff 5600)Verein Deutscher Ingenieure (VDI) · abgerufen am
  5. Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort PPS-SystemSpringer Fachmedien Wiesbaden GmbH · abgerufen am
  6. Forschungsprojekt IPPSLaBeM: Auftragsabwicklung auf Basis des Aachener PPS-ModellsFIR e. V. an der RWTH Aachen · abgerufen am