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BDE (Betriebsdatenerfassung)

Aktualisiert:

Kurz gesagt

Betriebsdatenerfassung (BDE) erfasst und verteilt die Daten, die im Fertigungsbetrieb anfallen, in maschinenverarbeitbarer Form, automatisch über Sensoren oder manuell am Terminal. Zu den erfassten Daten gehören Zeiten, Mengen, Ausschuss und Stillstandszeiten mit ihren Gründen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt dieselbe technische Grundlage; Maßstab sind Regelwerke wie VDI 5600 Blatt 1.

Das Wichtigste

  • BDE stellt Betriebsdaten aus der Fertigung in maschinenverarbeitbarer Form bereit.
  • Zu den erfassten Daten gehören Zeiten, Mengen, Ausschuss und Stillstandszeiten mit Gründen.
  • Die Erfassung läuft automatisch über Sensoren oder manuell am Terminal.
  • VDI 5600 Blatt 1 (Ausgabe Oktober 2016) führt Datenerfassung als MES-Aufgabe in Abschnitt 5.6.
  • VDI-Richtlinien sind private Regeln mit Empfehlungscharakter und binden nicht aus sich heraus; verbindlich werden sie durch Verweis in Gesetz, Verordnung oder Vertrag.
  • Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt dieselbe technische Grundlage.

Betriebsdatenerfassung (BDE) ist die Erfassung und Weitergabe der Rückmeldungen aus der Fertigung in maschinenlesbarer Form; sie verbindet den Arbeitsplatz und die Maschine mit dem verarbeitenden System.

Wozu sie dient

Die Fertigungssteuerung plant mit Vorgabewerten aus dem Arbeitsplan. Was tatsächlich gerüstet, gefertigt und unterbrochen wurde, liest sie erst aus den Rückmeldungen der Werkstatt. BDE bringt diese Ist-Daten an den Leitstand, in ein MES oder in das ERP-System. Dort tragen sie den Soll-Ist-Vergleich und die Kapazitätsplanung. Welche Rückmeldung eine Werkstatt braucht, hängt vom Zweck ab; die passende Feldauswahl nach Zweck steht im Ratgeber zur Werkstatt-Rückmeldung.

Welche Daten erfasst werden

Die Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik ordnet die Betriebsdaten in Kategorien: Auftragsdaten mit Terminen, Zeiten und gefertigten Mengen, Betriebsmitteldaten mit Lauf- und Stillstandszeiten, Störungen und deren Ursachen sowie Qualitätsdaten mit den Ursachen für Ausschuss. Für die Kalkulation zählen vier Größen. Die Tabelle nennt Erfassungsweg und Verwendung; sie gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich, und die Spalte zur Kalkulation ist eine redaktionelle Zuordnung, nicht Teil der Richtlinie.

Größe Erfassung Verwendung in der Kalkulation
Zeit: Rüst-, Stück- und Laufzeit Start und Ende am Terminal quittieren oder Maschinensignal Ist-Zeit gegen die Vorgabezeit halten und den Auftrag nachrechnen
Menge: Gutmenge Zahl am Terminal tippen, Zähler oder Waage Bezugsgröße, auf die die Auftragskosten je Stück verteilt werden
Ausschuss Menge und Ursache aus einer Liste erfassen Ausschuss erhöht die Kosten je gutem Stück um Material und Zeit
Stillstand: Zeit und Grund Maschinensignal, Grund aus der Liste wählen Mindert die Menge des Zeitraums, auf die die festen Kosten des Arbeitsplatzes entfallen

Erfasst wird über Sensoren und Zähler oder über Terminal, Barcode und RFID. Die Rüstzeit zählt getrennt von der Stückzeit, weil sie je Los anfällt und sonst je Stück zu hoch erscheint.

Standardbasis

BDE ist Gegenstand technischer Regelwerke. VDI 5600 Blatt 1 (Ausgabe Oktober 2016) beschreibt Fertigungsmanagementsysteme aufgabenorientiert und führt „Datenerfassung“ als eigene MES-Aufgabe in Abschnitt 5.6. Eine VDI-Richtlinie ist eine private Regel mit Empfehlungscharakter: Ihre Anwendung steht frei, und aus sich heraus ist sie nicht verbindlich. Verbindlich werden ihre Festlegungen erst, wenn ein Gesetz, eine Verordnung oder ein Vertrag auf sie verweist. REFA behandelt Datenermittlung und Betriebsdatenerfassung in der Methodenlehre der Betriebsorganisation, Band „Datenermittlung“. Eine Vorschrift, die BDE anordnet, haben wir in den für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht gefunden.

Nicht zu verwechseln mit

  • Maschinendatenerfassung (MDE): erhebt automatisch Parameter und Laufzeiten einer Anlage über Sensoren; BDE führt zusätzlich manuell erfasste Auftrags-, Mengen- und Qualitätsdaten zusammen.
  • MES: die Ebene der Fertigungssteuerung als Ganzes; BDE ist darin eine Aufgabe neben Feinplanung, Qualitätsmanagement und Instandhaltung.

Häufige Fragen

Ist Betriebsdatenerfassung Pflicht?

Ein Gesetz, das BDE anordnet, haben wir in den für diesen Artikel geöffneten Quellen nicht gefunden. Verbindlich wird sie, wenn ein Betrieb sie aus eigenem Zweck einführt oder ein Vertrag sie verlangt, etwa eine Qualitäts- oder Liefervereinbarung. Ob Sie BDE brauchen, entscheidet also die Auswertung, die Sie tatsächlich lesen.

Wo liegt der Unterschied zwischen BDE und MDE?

MDE erhebt automatisch Parameter und Laufzeiten einer Anlage über Sensoren. BDE ist weiter gefasst: Sie führt automatische und manuell erfasste Auftrags-, Mengen- und Qualitätsdaten zusammen. Ein Betrieb kann mit MDE allein arbeiten, solange die Werte der Anlage für seine Auswertung genügen; für Nachkalkulation und Planung braucht er zusätzlich den Auftragsbezug.

Gehören Mitarbeiternamen zu den Betriebsdaten?

Nicht zwingend. Zeiten und Mengen lassen sich dem Auftrag, dem Arbeitsgang oder der Maschine zuordnen, ohne eine Person zu speichern. Für Nachkalkulation und Planung genügt der Auftragsbezug; einen Namen nimmt die Erfassung auf, wenn die Entlohnung an die gemeldete Leistung anknüpfen soll.

Quellen

  1. VDI 5600 Blatt 1: Fertigungsmanagementsysteme (Manufacturing Execution Systems – MES), Erscheinungsdatum Oktober 2016, Stand der Richtlinienseite: überprüft und bestätigtVerein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) · abgerufen am
  2. VDI 5600 Blatt 1: Inhaltsverzeichnis und frei veröffentlichter Auszug (Oktober 2016), u. a. Abschnitt 5.6 DatenerfassungVerein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) · abgerufen am
  3. VDI-Richtlinien: Antwort auf die Frage nach der rechtlichen Bedeutung von VDI-RichtlinienVerein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) · abgerufen am
  4. Rechtsnatur und Umsetzungskosten der VDI-Richtlinie 4640, Sachstand WD 5 - 3000 - 073/23 vom 7. September 2023Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste · abgerufen am
  5. Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik: Betriebsdatenerfassung (Lars Mönch)Universität Potsdam, Enzyklopädie der Wirtschaftsinformatik · abgerufen am
  6. REFA-Lexikon: Maschinendatenerfassung (MDE)REFA e.V. · abgerufen am
  7. REFA-Lexikon: Stillstandszeiten und AusfallzeitenREFA e.V. · abgerufen am
  8. REFA Methodenlehre der Betriebsorganisation, Band Datenermittlung (1. Auflage 1997, ISBN 3-446-19059-7), VerlagsbeschreibungREFA Bundesverband e.V. (REFA-Shop) · abgerufen am