Benutzerverwaltung im ERP: Eintritt, Wechsel, Austritt, Rechte-Review
Kurz gesagt
Sie führen ein Verzeichnis aller Zugänge – persönliche Konten, Rollen- und Gruppenkonten, technische Konten für Schnittstellen, Token – und pflegen es bei Zugang, Aufgabenwechsel und Weggang. Der BSI-Baustein ORP.4 verlangt, Kennungen und Rechte nur nach Bedarf zu vergeben, zu dokumentieren und regelmäßig zu prüfen; einen Zeitraum nennt er nicht. Der IT-Grundschutz bindet nur, wo Vertrag oder eigene Regelung ihn festschreiben.
Das Wichtigste
- ORP.4.A1 bis A3 (Edition 2023): Kennungen und Berechtigungen nur nach Bedarf, dokumentiert und geprüft.
- Der IT-Grundschutz ist eine Methode des BSI; verbindlich wird er erst durch Vertrag oder eigene Regelung.
- ORP.4.A2: Bei personellen Veränderungen müssen nicht mehr benötigte Kennungen und Berechtigungen entfernt werden.
- Umsetzungshinweis ORP.4.M3: Dokumentation mindestens alle sechs Monate gegen den tatsächlichen Stand prüfen.
- Umsetzungshinweis ORP.4.M2: Konto zuerst sperren, mittelfristig – etwa binnen drei Monaten – aus dem Produktivsystem entfernen.
- Technische Konten und Token: verantwortliche Person (M15), dokumentierte Ausgabe (ORP.4.A7), geplanter Passwortwechsel (ORP.4.A23).
Der Baustein ORP.4 nennt als eigene Gefährdungslage, dass der IT-Betrieb von personellen Veränderungen zu spät erfährt und Konten ausgeschiedener Mitarbeitender weiterlaufen; ebenso sammeln umgesetzte Mitarbeitende ihre alten Rechte an (Abschnitt 2.1, Stand Februar 2023). Dagegen hilft kein einzelner Schalter, sondern ein Verfahren mit drei Auslösern – Eintritt, Wechsel, Austritt – und einer wiederkehrenden Kontrolle des tatsächlichen Standes. Es folgt der Methode des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und lässt sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich anwenden.
Was Sie vorab brauchen
- ein Verzeichnis aller Zugänge zum ERP: persönliche Kennungen, Gruppen- und Rollenkonten, technische Konten für Schnittstellen wie Shop oder Bank, dazu Token
- die Rollen- und Rechteübersicht aus dem System als Tabelle mit Exportdatum
- die Zuordnung der Rollen zu Personen: wer Rechte genehmigt und wer sie einrichtet (der Baustein trennt Benutzende, Genehmigende, Fachverantwortliche und IT-Betrieb)
- ein Antragsformular mit Name, Organisationseinheit, Tätigkeit, benötigten Rechten, Dauer und Zustimmung der vorgesetzten Person (ORP.4.M1)
- die Meldung der Personalstelle an die für Rechte zuständige Stelle bei Eintritt, Wechsel und Austritt
Der Baustein trennt Zugang (Nutzung von IT-Systemen), Zugriff (Nutzung von Daten) und Zutritt (Betreten von Räumen); hier geht es um Konten und Rechte im System (Umsetzungshinweis ORP.4, Abschnitt 1). Für Ihren Betrieb verbindlich werden diese Anforderungen durch Vertrag oder eigene Richtlinie; der Grundschutz selbst ist Methode und Empfehlung.
Schritt für Schritt: Konten und Rechte pflegen
Schritt 1: Kontenverzeichnis anlegen
Tragen Sie jede Kennung mit Inhaber, Organisationseinheit, Rechteprofil, Grund der Einrichtung und Befristung ein (Inhalt nach Umsetzungshinweis M3). Bei Gruppen-, System- und Schnittstellenkonten steht statt eines Inhabers eine namentlich verantwortliche Person; M15 verlangt sie. Ende: Jede Kennung hat eine Zeile und eine verantwortliche Person.
Schritt 2: Zugang beantragen und genehmigen lassen
Zu jedem neuen Zugang gehört ein Antrag mit Funktion, benötigten Rechten und Befristung. Rechte über dem Standard dürfen nur nach Begründung und Prüfung vergeben werden (ORP.4.A2). Wer genehmigt, darf sich nicht selbst Rechte genehmigen (M2). Ende: Der Antrag trägt Datum, Begründung und Namen der genehmigenden Person.
Schritt 3: Konto über eine administrative Rolle einrichten
Kennungen und Berechtigungen dürfen nur über separate administrative Rollen eingerichtet werden (ORP.4.A1, A2). Vergeben Sie ein Standard-Rechteprofil nach Aufgabe (ORP.4.A16); das Erstpasswort wird bei der ersten Anmeldung gewechselt (M1). Kennungen mit weitreichenden Berechtigungen sollten mit Mehr-Faktor-Authentisierung geschützt werden (ORP.4.A10; bei erhöhtem Schutzbedarf ORP.4.A21). Ende: Die Anmeldung erfolgt mit eigenem Konto, das Einrichtungsdatum steht im Verzeichnis.
Schritt 4: Funktionswechsel abbilden
Bei personellen Veränderungen müssen die nicht mehr benötigten Kennungen und Berechtigungen entfernt werden (ORP.4.A2). Arbeiten Sie den Entzug vor der Vergabe der neuen Rechte ab; ORP.4.A4 verlangt, unvereinbare Aufgaben im Berechtigungsmanagement zu trennen. Die Paare für Einkauf, Lager und Buchhaltung stehen in der Funktionstrennung-Matrix. Ende: Im Verzeichnis stehen nur die neuen Rechte, das Entzugsdatum ist notiert.
Schritt 5: Austritt abwickeln
Arbeiten Sie am letzten Arbeitstag die Austritts-Checkliste unten ab. M2 nennt den Rahmen: nicht mehr benötigte Kennungen innerhalb einer definierten Zeit sperren und nach einer definierten Wartezeit vollständig löschen; als Weg empfiehlt er, zuerst zu deaktivieren – etwa einen Monat – und die Kennung mittelfristig, zum Beispiel innerhalb von drei Monaten, aus dem Produktivsystem zu entfernen. Der Vorgang “Weggang von Mitarbeitern” (M15) umfasst das Löschen aller Rollenzuordnungen und Berechtigungen sowie die Rückgabe von Authentisierungstoken. Ende: Jeder Punkt hat Datum und abzeichnende Person.
Schritt 6: Technische Konten und Token nachhalten
Technische Kennungen gehören keiner Person, brauchen aber eine verantwortliche (M15). Für Kennungen von technischen Konten, Dienstkonten und Schnittstellen plant den Passwortwechsel sorgfältig und stimmt ihn mit dem Anwendungsverantwortlichen ab; vordefinierte Kennungen und Standardpasswörter müssen geändert werden (ORP.4.A23). Ausgabe und Entzug von Token und Chipkarten werden dokumentiert (ORP.4.A7). Ende: Für jede Schnittstelle stehen verantwortliche Person, Zweck und letzter Wechsel im Verzeichnis.
Schritt 7: Rechte-Review durchführen
Bei längeren Abwesenheiten sollten berechtigte Personen vorübergehend gesperrt werden (ORP.4.A5 bis A7), mindestens mit weitreichenden Berechtigungen (M6); die Rechte bleiben während der Sperre erhalten (M15). Prüfen Sie die Dokumentation daraufhin, ob sie den tatsächlichen Stand der Rechtevergabe wiedergibt und die Rechte noch zu den aktuellen Aufgaben passen (ORP.4.A3); der Baustein nennt keinen Zeitraum, M3 empfiehlt mindestens alle sechs Monate und zusätzlich eine Prüfung nach System- oder Anwendungsupdates. Nutzen Sie das Prüfblatt unten; ein MUSS ist unbedingt zu erfüllen, bei einem SOLLTE ist die Abweichung zu begründen. Schützen Sie die Dokumentation vor unberechtigtem Zugriff, beziehen Sie sie in die Datensicherung ein und halten Sie fest, welche Kennung von wann bis wann welche Rechte hatte (ORP.4.A3, M2). Ende: Die Prüfrunde ist datiert, die abgezeichnete Fassung liegt ab; wo die Nachweise liegen, beschreibt das Betriebshandbuch fürs ERP.
So prüfen Sie das Ergebnis
Drei Gegenproben zeigen, ob das Verfahren trägt:
- Vollständigkeit: Jede Kennung im Verzeichnis existiert im System und umgekehrt; M15 nennt als Prüfpunkt Berechtigungen, die direkt auf den Zielsystemen vergeben wurden.
- Trennung: ORP.4.A14 (Standard-Anforderung) verlangt, in angemessenen Zeitabständen zu prüfen, ob sich Benutzende nach der Aufgabenerfüllung abmelden und ob nicht mehrere unter einer Kennung arbeiten; der Umsetzungshinweis M14 nennt dafür ausgewertete Protokolle oder Stichproben.
- Austritt: Ein Protokolltreffer ist kein Nachweis für ein aktives Konto. Prüfen Sie, ob nach dem Austrittsdatum noch eine Anmeldung gelingt – auch mit dem ursprünglich ausgegebenen Erstpasswort.
Das Prüfblatt für den Rechte-Review
Eine Seite je Prüfrunde: Spalte 1 die Prüffrage, Spalte 2 die Bedingung für bestanden, Spalte 3 der Nachweis. Beispielannahme für 30 Mitarbeitende: 24 persönliche Kennungen, drei Gruppenkonten, fünf Schnittstellenkonten, zwei Administrationskonten und drei ausgegebene Token – 24 + 3 + 5 + 2 + 3 ergibt 37 Zeilen, denn hier steht jeder Zugang, auch jedes Token, in einer eigenen Zeile des Verzeichnisses.
| Prüffrage | Bestanden, wenn | Nachweis |
|---|---|---|
| Zuordnung der Konten | jede Kennung hat einen Inhaber oder eine verantwortliche Person, auch Gruppen- und Schnittstellenkonten | Verzeichnis, Stand des Exports |
| Rechte nach Bedarf | je Person nur Rechte der aktuellen Aufgabe (Need-to-know, ORP.4.A2) | Rechtebericht je Kennung |
| Ausnahmen begründet | jede Berechtigung über dem Standard trägt Begründung und Genehmigung | Antrag mit Datum und Name |
| Inaktive Kennungen | Kennungen ohne Nutzung über den festgelegten Zeitraum sind deaktiviert (ORP.4.A1) | Anmelde- oder Sperrprotokoll |
| Austritt und Token | ausgeschiedene Personen sind aus Rollen und Gruppen entfernt, zurückgegebene Token entzogen (ORP.4.A7) | Austritts-Checkliste |
| Technische Konten | je Schnittstellenkonto stehen verantwortliche Person, Zweck und geplanter Passwortwechsel | Verzeichnis, Wechselplan |
| Funktionstrennung | keine Kennung vereint unvereinbare Aufgaben (ORP.4.A4) | Funktionstrennung-Matrix |
Ein Prüfintervall schreibt der Baustein nicht vor; M3 empfiehlt mindestens alle sechs Monate. Nach redaktioneller Einschätzung gehören weitreichende Rechte, Administrations- und Schnittstellenkonten in jeden Prüflauf, Leserechte ohne Schreibzugriff dürfen seltener dran sein.
Die Austritts-Checkliste
Die Punkte folgen dem Vorgang “Weggang von Mitarbeitern” (Umsetzungshinweis ORP.4.M15) und dem Entzug nach ORP.4.M2. Jeder Punkt bekommt Datum und Kürzel.
| Punkt | Erledigt, wenn |
|---|---|
| Kennungen sperren | alle Kennungen der Person, nicht nur die Hauptkennung, sind am letzten Arbeitstag gesperrt |
| Rollen und Vertretungen entziehen | die Person ist aus allen Rollenzuweisungen, Gruppen und Vertretungen entfernt |
| Zugänge außerhalb des ERP | Shop, Zeiterfassung, Dokumentenablage und Mail sind nach derselben Liste behandelt |
| Geteilte und technische Kennungen | Passwörter, die die Person kannte, sind geändert; der Wechsel bei Schnittstellen ist mit der Anwendungsverantwortlichen abgestimmt (ORP.4.A23) |
| Token, Zertifikat, Chipkarte | ausgehändigte Mittel sind zurückgenommen, Ausgabe und Entzug dokumentiert (ORP.4.A7) |
| Betreute Schnittstellen | für jedes technische Konto, das die Person verantwortet hat, ist eine neue verantwortliche Person eingetragen |
| Rechtehistorie und Löschtermin | festgehalten ist, welche Kennung von wann bis wann welche Rechte hatte (M2), und ein Termin für die Löschung steht fest (Beispiel drei Monate) |
| Meldung | die für Rechte zuständige Stelle und die Personalstelle sind informiert (M2) |
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Umgang |
|---|---|---|
| Eine ausgeschiedene Person kommt noch ins ERP | Sperre aufgehoben, zweites Konto oder geteilte Kennung | alle Kennungen der Person prüfen, Anmeldeprotokoll ansehen, geteilte Kennung auflösen |
| Nach dem Wechsel bestehen alte Rechte fort | der Entzugsschritt fehlt im Ablauf | Entzug mit Datum in den Antrag aufnehmen und gegen das Verzeichnis prüfen |
| Eine Schnittstelle fällt nach einem Passwortwechsel aus | Wechsel nicht mit dem Anwendungsverantwortlichen abgestimmt (ORP.4.A23) | Wechselfenster absprechen, technisches Konto samt verantwortlicher Person dokumentieren |
| Im Review zeigt sich keine Abweichung | Geprüft wurde die Rollendefinition gegen sich selbst | je Kennung die wirksamen Rechte aus dem System ablesen |
| Rechte sind nicht trennbar | Rollenmodell zu grob, Rechte hängen an Feldern | Rollen neu zuschneiden, siehe Rollen- und Rechtekonzept |
| Anträge kommen am Verfahren vorbei | Antragspflicht nur mündlich vereinbart | Genehmigungsweg schriftlich festlegen, Abweichungen im Review vermerken |
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie den Systembetreuer oder Herstellersupport, wenn die Rechteauskunft Ihres ERP keine Zuordnung Person zu wirksamem Recht hergibt, sondern nur Rollendefinitionen; ohne diese Auskunft bleibt das Prüfblatt eine Papierübung. Mitbestimmung, Beschäftigtendatenschutz und Aufbewahrung beurteilt nicht der IT-Grundschutz, sondern das Recht des jeweiligen Landes; dafür sind Personal- und Rechtsabteilung zuständig. Für den Zugriff von Automaten und KI-Agenten gilt dieselbe Logik, ergänzt um eigene Konten und Freigaben: KI-Agenten absichern. Müssen Konten unter Zeitdruck gesperrt werden, hilft der Ablauf bei Cyberangriff auf das ERP; für die technische Basis darüber hinaus die ERP-Sicherheitsbasis.