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CRM im ERP-Modul oder als eigenes System: Kriterien

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Gilt für: Versionsunabhängig; gilt für die Wahl zwischen CRM-Funktionen im ERP und einem getrennten CRM-System in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Kurz gesagt

Ob Kundenpflege im ERP-Modul bleibt oder ein eigenes CRM dazukommt, prüfen Sie an drei Größen: Vertriebsprozess, Nutzerzahl und Integrationstiefe. Das Prüfraster dieses Artikels gibt eine redaktionelle Tendenz und keine Grenze: Ein einstufiger Ablauf mit einer Ansprechperson und reiner Stammdatenübernahme spricht für das ERP-Modul, mehrere Rollen, mehrere Kanäle oder Aktivitäten in beide Richtungen für ein eigenes CRM mit einer führenden Stelle je Datenart. Entscheidend sind die Funktionen, die das Angebot für Ihren Ablauf nachweist, nicht eine feste Nutzerzahl.

Das Wichtigste

  • Entscheidungsgrößen: Komplexität des Vertriebsprozesses, Zahl der Nutzer, Tiefe der Integration.
  • Annahme des Vergleichs: CRM im ERP-Modul teilt Datenbank und Anmeldung des ERP, ein eigenes CRM bringt eigene Datenbank und Anmeldung mit; Datenhaltung und Zahl der Verträge prüfen Sie im Angebot.
  • Integrationstiefe in drei Stufen: Stammdaten, Belegübergabe, Prozessdaten in beide Richtungen.
  • Bei zwei Systemen schreibt je Datenart nur eine Stelle; die andere liest.
  • Stammdaten sind nach der Begriffsbestimmung von GS1 die Angaben zu Geschäftspartnern, Produkten und Preisen, die vor dem Geschäftsvorfall feststehen.
  • Der Artikel nennt keine Produkte und keine Preise; die Tabellen sind Prüfraster.

Ein ERP-Modul und ein eigenes CRM verfolgen denselben Zweck, liegen aber an verschiedenen Orten. Der Vergleich in diesem Artikel nimmt an, dass ein CRM-Modul Datenbank, Anmeldung und Kundenstamm mit Auftrag und Rechnung teilt und ein eigenes System beides mitbringt und über eine Schnittstelle am ERP hängt. Ob Ihre Angebote dieser Annahme folgen, prüfen Sie an Datenhaltung, Anmeldung und Zahl der Verträge. Die Wahl bestimmt, an wie vielen Stellen Kundendaten liegen und wie viele Stellen sie ändern dürfen.

Worum es bei der Auswahl geht

Für den Vergleich nimmt dieser Artikel an, dass die CRM-Funktionen im ERP-Modul in der Datenbank und der Anmeldung des ERP liegen und ein eigenes CRM ein getrenntes System mit eigener Datenbank, eigener Anmeldung und einer Schnittstelle zum ERP ist. Ob das im Angebot zutrifft, klären Sie dort an Datenhaltung, Anmeldung und Zahl der Verträge. Ob der zweite Weg nötig ist, hängt nicht an der Betriebsgröße allein, sondern an drei Größen: wie verschachtelt Ihr Vertrieb arbeitet, wie viele Personen mit Kunden zu tun haben und wie tief beide Systeme verbunden sein müssen.

Zwei Datenarten sind dabei zu trennen. GS1 beschreibt Stammdaten als Angaben zu Geschäftspartnern, Produkten und Preisen, die vor dem Geschäftsvorfall feststehen und zwischen den Vorfällen kaum wechseln. Vorgangsdaten dagegen sind nach derselben Quelle die Angaben, die zwei Geschäftspartner über Bestellung, Lieferung, Rechnung und Zahlung austauschen. Bringt ein eigenes CRM eine eigene Datenbank mit, entstehen zwei Bestände, die eine Schnittstelle im Gleichstand halten muss. Deshalb gehört zu jeder Datenart eine führende Stelle, die schreiben darf; wie Sie sie zwischen ERP, Shop und CRM aufteilen, steht in Abgrenzung von ERP und CRM.

Die DAMA-DMBOK, das Referenzwerk von DAMA International, ordnet das Datenmanagement in elf Wissensgebiete ein; zwei davon sind die Daten-Governance, die festlegt, wer über Daten entscheidet und wer sie pflegt, und die Datenintegration, die Daten aus getrennten Systemen zusammenführt. Das Rahmenwerk ist werkzeugneutral, kein vorschreibender Standard und keine Rechtsnorm.

Diese Kriterien zählen

Die sieben Kriterien gelten für beide Bauformen. Die Spalte Prüfung nennt einen Test, den Sie ohne Anbieter durchführen können; die letzte Spalte die Frage, deren Antwort im Angebot stehen sollte.

Kriterium Was es entscheidet Prüfung Frage an den Anbieter
Vertriebsablauf: Phasen, Varianten, Freigaben ob die Funktionen Ihren Ablauf abbilden oder eine eigene Oberfläche verlangen Legen Sie Ihren längsten Verkaufsfall als Testfall an, mit Nachfassen und einer Freigabe Wie bilden Sie Phasen, Nachfassen und eine Freigabeschwelle ab?
Nutzer und Rollen ob Innen- und Außendienst getrennte Sichten brauchen Schreiben Sie eine Rollenmatrix mit den Rechten sehen, ändern, freigeben Wie viele Rollen sind enthalten, und was kostet jede weitere?
Integrationstiefe wie viel zwischen ERP und CRM fließt und in welche Richtung Notieren Sie je Feld die Richtung in einer Feldliste Welche Felder gehen in welche Richtung, und in welchem Takt?
Führende Stelle je Datenart wo Kunde, Angebot und Beleg gepflegt werden Entscheiden Sie je Datenart, welches System schreiben darf (führendes System für Stammdaten) Welches System schreibt, welches liest, und was gilt bei Widerspruch?
Belegweg ob Angebot, Auftrag und Rechnung eine Kette bleiben Testen Sie einen Angebotsfall bis zur Auftragsbestätigung durch Erzeugt Ihr System Belege oder bereitet es sie nur vor?
Arbeit ohne Netz ob der Außendienst beim Kunden erfassen kann Schalten Sie das Netz ab und erfassen Sie einen Besuch Funktioniert die App ohne Netz, und was geschieht beim Abgleich?
Auszug und Übernahme ob Sie den Bestand später mitnehmen können Fordern Sie zwei Testauszüge an, für Kunden und für Aktivitäten Welches Format, welche Felder, wie oft, und was kostet der Auszug?

Die Entscheidungstabelle: ERP-Modul oder eigenes CRM

Für die Entscheidung zählen dieselben drei Größen, jede in drei Stufen. Beim Vertriebsablauf heißt einstufig: Angebot und Auftrag entstehen in einem Schritt, eine Ansprechperson ist zuständig, eine Freigabe ist nicht nötig. Mehrstufig heißt: Varianten, Nachfassen über Wochen, Freigabe ab einem Betrag. Langzyklisch heißt: mehrere Entscheider, Verhandlungen über Monate, Prognose je Phase, mehrere Kanäle.

Bei der Nutzerzahl stehen eine bis zwei Personen, die verkaufen und den Auftrag selbst erfassen, neben drei bis zehn Nutzern mit getrenntem Innen- und Außendienst und neben mehr als zehn Nutzern oder drei Rollen aus Vertrieb, Innendienst sowie Service oder Marketing.

Die Integrationstiefe reicht von Stufe 1, der reinen Stammdatenübernahme mit Kundennummer, Anschrift und Basispreis, über Stufe 2, die Belege übergibt und die Auftragsnummer zurückmeldet, bis Stufe 3, die Aktivitäten, Status und Aufgaben in beide Richtungen führt.

Fall Vertriebsablauf Nutzer Integrationstiefe Tendenz Was die Tendenz kippen kann
Innendienst verkauft vom Schreibtisch einstufig 1 bis 2, eine Rolle Stufe 1, Stammdaten ERP-Modul Ohne Angebotsstände und Wiedervorlagen wird der Ablauf zur Dateiablage
Außendienst besucht Kunden einstufig 3 bis 10, zwei Rollen Stufe 2, Belege ERP-Modul, solange die App ohne Netz arbeitet Ohne Betrieb ohne Netz bleibt der Besuch unerfasst, bis der Außendienst zurück ist
Angebote mit Varianten und Freigabe mehrstufig 3 bis 10, zwei Rollen Stufe 2, Belege beide Bauformen prüfen, Entscheidung an der Freigabelogik Fehlt die Freigabeschwelle, ändert jedes Angebot den Ablauf
Anfragen aus mehreren Kanälen mehrstufig 3 bis 10, mit Marketing Stufe 3, Prozessdaten eigenes CRM prüfen Führt das Modul Formular, Telefon und Messe zusammen, bleibt die Auswertung dort möglich
Servicefälle und Reklamationen am Kunden einstufig, aber mit Fristen 3 bis 10, Innendienst Stufe 2, Belege ERP-Modul, wenn der Fall am Kunden hängt Braucht der Service eigene Fristen und Eskalationen, verlangt das eine eigene Oberfläche
Projektgeschäft mit langen Zyklen langzyklisch über 10, drei Rollen Stufe 3, Prozessdaten eigenes CRM mit einer führenden Stelle je Datenart Ohne Prognose je Phase und Rechte je Rolle trägt das Modul den Ablauf nicht

Die Stufen sind ein Gerüst für Ihr Angebot und keine Schwellen aus einer Norm: Ein Betrieb mit zehn Nutzern und einstufigem Ablauf kann im Modul bleiben, ein Betrieb mit drei Nutzern und langzyklischem Projektgeschäft kann ein eigenes System brauchen.

Woraus sich die Kosten zusammensetzen

Preise nennt dieser Artikel nicht, weil sie vom Anbieter, vom Vertragsmodell und vom Datum des Angebots abhängen. Tragen Sie die Felder der Tabelle je Angebot ein; was fehlt, notieren Sie als offene Frage im Angebot und nicht als Null.

Kostenfeld Was Sie eintragen
Lizenz je Nutzer Betrag je Nutzer und Monat oder Jahr, mit der Rolle, für die er gilt, samt Aufpreis für weitere Rollen
Einrichtung Betrag für Konfiguration, Vorlagen und Nummernkreise
Schnittstelle einmalig für den Aufbau, laufend für Betrieb und Änderungen
Testumgebung Betrag für eine Umgebung, in der Sie testen können
Schulung und Einarbeitung Betrag je Tag oder Paket, mit der Zahl der Teilnehmenden
Datenübernahme Betrag für Übernahme und Abgleich der Anfangsbestände
Laufzeit und Kündigung Laufzeit, Kündigungsfrist und Kopplung an den ERP-Vertrag
Doppelte Pflege Aufwand, bis eine führende Stelle je Feld feststeht und gelebt wird

Zwei Systeme bedeuten zwei Betriebsaufgaben und eine Schnittstelle, die selbst gepflegt werden will. Ob daraus ein oder zwei Verträge werden, wie viele Lizenzen nötig sind und ob die CRM-Funktionen in Ihrer ERP-Lizenz enthalten sind oder je Nutzer berechnet werden, klären Sie im Angebot.

Warnsignale in Angebot und Vertrag

  • Der Nutzerpreis steigt mit jeder Rolle, und die Rolle für den Außendienst ist nicht enthalten.
  • Der Abgleich läuft nur in eine Richtung, und eine Rückmeldung zu übernommenen Belegen fehlt.
  • Ein vollständiger Auszug lässt sich nicht beauftragen, sichtbar sind die Daten nur am Bildschirm.
  • Die Laufzeit des CRM ist länger als die des ERP-Vertrags, ohne Kündigungsrecht.
  • Die Schnittstelle wird je Feld oder je Aufruf zusätzlich zur Lizenz berechnet.
  • Eine Testumgebung fehlt, oder Tests sollen im Echtsystem laufen.
  • Der Anbieter nennt keine Frist, innerhalb derer er die Daten nach Vertragsende herausgibt.

So vergleichen Sie in fünf Schritten

  1. Bestimmen Sie die drei Größen Vertriebsablauf, Nutzerzahl und Integrationstiefe und ordnen Sie Ihren Betrieb in die Entscheidungstabelle ein.
  2. Listen Sie die Datenarten mit ihrer führenden Stelle auf (Verantwortung für die Stammdatenpflege) und prüfen Sie die Erkennung doppelter Kunden (Dubletten im Kundenstamm).
  3. Fordern Sie für beide Bauformen dieselben Angaben an: Kriterien, Kostenfelder und Warnsignale, jeweils mit Datum.
  4. Testen Sie drei Fälle in einer Demo mit Ihren Zahlen: den längsten Verkaufsfall, einen Außendienstbesuch ohne Netz und eine Übergabe vom Angebot zum Auftrag.
  5. Prüfen Sie vor der Unterschrift die Funktionen und Rechte der Anbindung (Offene ERP-Schnittstelle prüfen) und den Schnittstellentest vor dem Start.

Häufige Fragen

Reicht das ERP-Modul, wenn nur zwei Personen Kunden pflegen?

Das Prüfraster dieses Artikels spricht dafür, wenn der Vertriebsablauf einstufig bleibt und zwischen ERP und CRM nur Stammdaten laufen; es ist eine Tendenz, keine Grenze. Steigen die Rollen oder kommen Kampagnen und Aktivitäten dazu, prüfen Sie die Integrationstiefe neu. Maßgeblich ist die Kombination der drei Größen und das, was das Angebot für Ihren Ablauf nachweist, nicht die Nutzerzahl allein.

Ab wann ist ein eigenes CRM sinnvoll?

Eine feste Nutzerzahl als Grenze lässt sich nicht angeben. In der Entscheidungstabelle spricht die Kombination aus langzyklischem Ablauf, mehr als zehn Nutzern in drei Rollen und Prozessdaten in beide Richtungen für ein eigenes System. Eine einzelne Größe genügt dafür nicht: Ein einstufiger Ablauf mit zwei Nutzern spricht im Prüfraster für das Modul.

Kann ich später vom ERP-Modul auf ein eigenes CRM wechseln?

Ja, wenn drei Bedingungen vorher im Angebot stehen: ein vollständiger Auszug in einem offenen Format, Schlüssel für Kunden, Ansprechpersonen und Angebote sowie eine führende Stelle je Datenart. Ohne einen solchen Auszug fehlt eine gesicherte Übernahmemöglichkeit; klären Sie dann, welchen Weg der Anbieter anbietet. Planen Sie den Wechsel als eigenes Projekt mit Testlauf.

Muss ich die Kontaktdaten in beiden Systemen pflegen?

Nein. Je Datenfeld schreibt nur eine Stelle, die andere liest. Doppelt gepflegt wird nur während der Umstellung. Ohne diese Festlegung entstehen zwei Stände: Wer im einen System eine Anschrift ändert, findet im anderen die alte. Halten Sie die Zuordnung schriftlich fest.

Quellen

  1. What is Master Data? (Stammdaten zu Geschäftspartnern, Produkten und vorab bekannten Preisen; Änderungsstand 2. September 2024)GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  2. GS1 Data Exchange: Master Data, Transactional Data und Physical Event Data (Vorgangsdaten als Austausch über Bestellung, Lieferung, Rechnung und Zahlung)GS1 Ireland · abgerufen am
  3. DAMA® Data Management Body of Knowledge (DAMA-DMBOK®): Referenzwerk mit Prinzipien und Praktiken, kein vorschreibender Standard und keine Rechtsnorm, werkzeugneutralDAMA International · abgerufen am
  4. What is Data Management? (elf Wissensgebiete, darunter Data Governance als Verantwortlichkeit, Richtlinien und Entscheidungsrechte sowie Data Integration & Interoperability)DAMA International · abgerufen am