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Kommissionierung (Aufträge aus dem Lager zusammenstellen)

Aktualisiert:

Gilt für: Manuelle Kommissionierung in Lagern von Handels- und Fertigungsbetrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz; ohne Produkt- oder Versionsbindung.

Kurz gesagt

Kommissionierung ist das Zusammenstellen der für einen Auftrag benötigten Artikel aus dem Lager: Ein Kommissionierer entnimmt die bestellten Artikel an ihren Lagerplätzen und stellt sie für den Auftrag zusammen. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gilt: Die vier Verfahren — auftragsweise, sammelweise, zonenweise, wellenweise — wählt man nach der Zahl der Aufträge und der Positionen je Tag.

Das Wichtigste

  • Kommissionierung entnimmt die bestellten Artikel aus dem Lager und stellt sie für den Auftrag zusammen.
  • Vier Verfahren: auftragsweise, sammelweise, zonenweise und wellenweise.
  • Auftragsweise passt zu Aufträgen mit großer Positionszahl; sammelweise bündelt viele kleine Aufträge.
  • Sammelkommissionierung verlangt eine Nachsortierung, wenn die Artikel beim Sammeln nicht getrennt werden; Ein-Positions-Aufträge lassen sich ohne Nachsortierung direkt in Versandbehälter picken.
  • Zonenweise teilt das Lager in Zonen, wellenweise gibt Aufträge eines Zeitfensters gemeinsam frei.
  • Verfahrenslehre: VDI-Richtlinie 3590 Blatt 1 (Ausgabe April 1994); sie ist keine Rechtsvorschrift, sondern zur freiwilligen Anwendung gedacht.

Kommissionierung ist die Entnahme der zum Auftrag gehörenden Artikel aus dem Lager und ihre Zusammenstellung für diesen Auftrag. Sie ist eine Auslagerung für einen Kunden- oder Fertigungsauftrag und grenzt sich damit von jeder internen Bestandsbewegung ab.

Wozu sie dient

Sie stellt aus dem Lagerbestand zusammen, was ein Auftrag verlangt, und bestimmt mit, wie schnell ein Auftrag das Lager verlässt. Zeit und Personal fallen vor allem für die Wege zu den Lagerplätzen und für die Zusammenstellung der Positionen an; Kontrolle, Verpackung und Versand folgen danach als eigene Schritte — erst mit ihnen entsteht die versandfertige Sendung. Stellt Ihr Warenwirtschaftssystem die Kommissionieraufträge bereit, klärt ERP-Lagermodul oder WMS, ob sein Lagermodul dafür reicht oder ein eigenes Lagerverwaltungssystem nötig ist.

Welche Verfahren es gibt

Die vier Verfahren unterscheiden sich darin, wie viele Aufträge in einem Zug bearbeitet werden und ob der Kommissionierer das ganze Lager oder nur einen Ausschnitt durchläuft.

Verfahren Wie es arbeitet Passendes Auftragsprofil
Auftragskommissionierung Ein Kommissionierauftrag entspricht einem Kundenauftrag; eine Tour je Auftrag. Aufträge mit großer Positionszahl und wenige Aufträge je Tag; keine Nachsortierung nötig.
Sammelkommissionierung (Batch) Mehrere Aufträge werden zu einer Gruppe zusammengefasst und in einem Zug entnommen. Viele kleine Aufträge; werden die Artikel beim Sammeln nicht getrennt, sind die Positionen danach nachzusortieren. Ein-Positions-Aufträge lassen sich dagegen direkt in den Versandbehälter picken.
Zonenkommissionierung Das Lager ist in Zonen geteilt; der Auftrag läuft durch die Zonen oder wird aufgeteilt und danach zusammengeführt. Großes Lager mit weit auseinanderliegenden Bereichen und mehreren Beschäftigten; erfordert eine ausgewogene Zonenaufteilung.
Wellenkommissionierung Die Aufträge eines Zeitfensters werden als Welle gemeinsam freigegeben und kommissioniert. Feste Abhol- oder Versandzeiten, bis zu denen die Aufträge fertig sein müssen.

Welches Verfahren sich rechnet, hängt am Auftragsprofil; ein Rechenbeispiel dazu steht im Kommissionierverfahren im Vergleich.

Ein Beispiel

Beispielrechnung: Ein Lager bearbeitet 120 Aufträge am Tag. Auftragsweise entnimmt es jeden Auftrag in einer eigenen Tour, also 120 Touren. Fasst das System je zehn Aufträge zu einer Tour zusammen und werden die Artikel dabei ungetrennt in einen Behälter gesammelt, bleiben zwölf Touren; die Positionen sind dann anschließend auf die einzelnen Aufträge nachzusortieren. Werden die Aufträge beim Sammeln dagegen gleich getrennt, entfällt dieser Schritt.

Normative Grundlage

Die Verfahrenslehre steht in der VDI-Richtlinie 3590 Kommissioniersysteme. Blatt 1 (Grundlagen, Ausgabe April 1994) definiert den Kommissioniervorgang und das Kommissioniersystem, Blatt 2 (Systemfindung, Ausgabe Juli 2002) führt zur Systemauswahl. Die Gliederung der Ablauforganisation in einstufige, zweistufige, auftragsserielle, auftragsparallele, zonenserielle und zonenparallele Kommissionierung stammt aus dem öffentlich zugänglichen Abschlussbericht des Forschungsprojekts ReKom, der sie auf die Richtlinie stützt. Eine VDI-Richtlinie ist keine Rechtsvorschrift; sie ist zur freiwilligen Anwendung gedacht. Verbindlich werden ihre Festlegungen, wenn ein Gesetz, eine Verordnung oder ein Vertrag sie ausdrücklich nennt; laut VDI kann auch ihre Anerkennung als allgemein anerkannte Regel der Technik ihre Verbindlichkeit erhöhen. Der Volltext ist kostenpflichtig.

Nicht zu verwechseln

  • Inventur: zählt und bewertet den Lagerbestand, entnimmt aber nichts für eine Sendung.
  • Umlagerung und Nachschub: bewegen Bestand zwischen Lagerplätzen oder in den Vorratsbereich, ohne dass ein Auftrag entsteht.
  • Verpackung und Versand: folgen der Entnahme als eigene Arbeitsschritte.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sammel- und Wellenkommissionierung?

Die Sammelkommissionierung fasst Aufträge nach ihrer Zusammensetzung zusammen, die Wellenkommissionierung nach der Zeit: Sie gibt alle Aufträge eines Zeitfensters gemeinsam frei. Beides lässt sich verbinden, indem je Welle gesammelt wird. Die Grenze der Sammelkommissionierung sind die Wagenkapazität und, sofern die Artikel beim Sammeln nicht getrennt werden, die nötige Nachsortierung.

Wann passt die Zonenkommissionierung?

Wenn ein Auftrag Positionen aus weit auseinanderliegenden Bereichen des Lagers verlangt und mehrere Beschäftigte gleichzeitig arbeiten. Dann läuft der Auftrag durch die Zonen oder wird aufgeteilt und danach zusammengeführt. Die Zonen müssen wie eine Fertigungslinie ausgewogen besetzt sein, sonst wird eine Zone zum Engpass.

Muss ich nach VDI 3590 kommissionieren?

Nein. Die VDI-Richtlinie 3590 ist eine technische Richtlinie und keine Rechtsvorschrift; sie ist zur freiwilligen Anwendung gedacht. Verbindlich werden ihre Festlegungen, wenn ein Gesetz, eine Verordnung oder ein Vertrag sie ausdrücklich nennt; laut VDI kann auch ihre Anerkennung als allgemein anerkannte Regel der Technik ihre Verbindlichkeit erhöhen. Sie beschreibt Begriffe, Systemaufbau und Systemfindung. Welches der vier Verfahren Sie einsetzen, richtet sich nach Ihrem Auftragsprofil.

Quellen

  1. VDI 3590 Blatt 1: Kommissioniersysteme; Grundlagen, Erscheinungsdatum April 1994 (Kurzreferat und bibliografische Angaben der Verlagsseite; Volltext kostenpflichtig, nicht gelesen)VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V., VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik · abgerufen am
  2. VDI 3590 Blatt 2: Kommissioniersysteme - Systemfindung, Erscheinungsdatum Juli 2002 (Kurzreferat; Volltext kostenpflichtig, nicht gelesen)VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V., VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik · abgerufen am
  3. Sind VDI-Richtlinien verbindlich anzuwenden? Antwort im FAQ-Abschnitt der VDI-Seite VDI-Richtlinien (freiwillige Anwendung; Verbindlichkeit durch Verweise in Rechtsvorschriften und Verträgen; allgemein anerkannte Regel der Technik)VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V. · abgerufen am
  4. VDI 3590 Blatt 1:1994-04 Kommissioniersysteme; Grundlagen, Status [AKTUELL], Ausgabedatum 1994-04 (bibliografischer Nachweis des Verlags)DIN Media GmbH (Beuth Verlag) · abgerufen am
  5. Effiziente Reorganisationsmaßnahmen in manuellen Kommissioniersystemen (ReKom); Abschlussbericht, David Korte, Manuel Hagg, Karl-Heinz Wehking, Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart, Projektlaufzeit 1. April 2015 bis 31. März 2017 (S. 4, 5 und Anhang 1)Universität Stuttgart, Institut für Fördertechnik und Logistik; veröffentlicht über die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. · abgerufen am
  6. Warehouse & Distribution Science, Release 0.98.1, John J. Bartholdi III und Steven T. Hackman, Revised August 16, 2019 (Abschnitt 3.3 Order-picking, S. 25 bis 28; Abschnitt 7.1.1 Operating protocols, S. 80)The Supply Chain & Logistics Institute, H. Milton Stewart School of Industrial and Systems Engineering, Georgia Institute of Technology · abgerufen am