BI (Business Intelligence)
Kurz gesagt
Business Intelligence (BI) ist der Sammelbegriff für Verfahren und Werkzeuge, die Betriebsdaten für Entscheidungen aufbereiten. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern die Frage: Ein Standardbericht im ERP beantwortet feste Fragen, ein Export in die Tabellenkalkulation frei verknüpfte, ein BI-Werkzeug wiederkehrende Auswertungen, je nach Auslegung aus einer eigenen Datenbasis oder direkt aus den Quelldaten. ISO/IEC 25012 bindet nicht durch Gesetz.
Das Wichtigste
- BI steht für Business Intelligence: Verfahren und Werkzeuge, die Betriebsdaten für Entscheidungen auswerten.
- Drei Stufen: Standardbericht im ERP, Export in die Tabellenkalkulation, BI-Werkzeug für wiederkehrende Auswertungen.
- Eine eigene Datenkopie ist für ein BI-Werkzeug keine Voraussetzung: Es kann die Quelldaten auch bei jeder Auswertung direkt abfragen.
- Jede Stufe beantwortet eine andere Frage und verlangt eigenen Aufwand.
- DAMA International führt Data Warehousing und Business Intelligence als eigenes Gebiet des Datenmanagements.
- ISO/IEC 25012:2008 und ISO/IEC 25024:2015 sind Normen, keine Vorschriften; sie binden höchstens durch Vertrag.
Business Intelligence (kurz BI, deutsch etwa: Auswertung der Betriebsdaten) ist der Sammelbegriff für Verfahren, Zuständigkeiten und Werkzeuge, die Daten aus den führenden Systemen eines Betriebs zu Auswertungen verarbeiten, die einer Entscheidung als Grundlage dienen.
Die Frage steht vor der Auswertung
Am Anfang steht die Entscheidung, die ansteht, und die Frage, die zu ihr führt; daraus ergibt sich, welche Daten, welche Gruppierung und welcher Zeitraum nötig sind. Der Aufwand wächst mit der Stufe: Der Standardbericht ist im ERP vorhanden, der Export in die Tabellenkalkulation verlangt bei jedem Lauf eigene Arbeit, und das BI-Werkzeug verlangt ein gepflegtes Datenmodell sowie, wenn es auf einer eigenen Kopie arbeitet, eine Auswertungsdatenbasis.
Die drei Stufen der Auswertung
Die Tabelle ordnet drei Stufen ein, die in einem Handels-, Fertigungs- oder Dienstleistungsbetrieb mit ERP nebeneinander stehen können. Sie ist eine redaktionelle Einordnung, keine Vorgabe eines Standards.
| Stufe | Wer die Auswertung erstellt | Frage, die diese Stufe beantwortet | Was die Stufe voraussetzt |
|---|---|---|---|
| Standardbericht im ERP | das ERP, ohne dass Daten das System verlassen | “Wie hoch war der Umsatz je Warengruppe im abgelaufenen Monat?” | einen Bericht, der diese Gruppierung und diesen Zeitraum kennt |
| Export in die Tabellenkalkulation | Sie selbst, Datei für Datei | “Welche Kundengruppen haben diese Warengruppe gekauft, und wie verteilt sie sich über Regionen?” | Export der Einzelzeilen, eigene Formeln, Kenntnis der Feldbedeutung |
| BI-Werkzeug auf eigener Auswertungsdatenbasis | das Werkzeug, aus einer Kopie der Betriebsdaten | “Wie entwickelt sich diese Kennzahl über zwölf Monate je Gruppe, und wann wurde sie zuletzt aktualisiert?” | eine Kopie der Betriebsdaten, ein Datenmodell, eine Anbindung an das führende System und eine Betreuung des Aktualisierungsrhythmus |
Die dritte Stufe beschreibt einen Aufbau, in dem das Werkzeug eine eigene Kopie der Betriebsdaten hält und dazu ein Datenmodell pflegt. Möglich ist auch, die Daten in der Quelle zu lassen und sie bei jeder Auswertung dort abzufragen; dann liegt jede Abfrage beim führenden System, und dessen Leistungsfähigkeit bestimmt die Antwortzeit. Beides ist eine Frage der Auslegung, nicht der Stufe.
Beispielrechnung: dieselbe Frage auf drei Stufen
Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Ein Handelsbetrieb mit 8.000 Artikeln und 40.000 Belegzeilen im Monat will wissen, welche Warengruppe den Umsatz trägt. Der Standardbericht im ERP liefert die Umsatzsumme je Warengruppe für den gewählten Monat. Der Export in die Tabellenkalkulation zeigt zusätzlich die Verteilung auf Kundengruppen; dafür sind die 40.000 Zeilen zu exportieren und auszuwerten. Das BI-Werkzeug stellt dieselbe Kennzahl über zwölf Monate; damit die Gruppen stabil bleiben, muss die Zuordnung von Artikel zu Warengruppe im ERP gepflegt werden.
Was ein Betrieb dafür braucht
Vor der Werkzeugfrage entscheiden nach unserer Einschätzung drei Punkte:
- Formulieren Sie die Entscheidung und die Frage, die aus der Auswertung folgen soll.
- Notieren Sie die Quelle: welches Feld im ERP Wert, Gruppierung und Zeitraum liefert. Das ERP bleibt die führende Stelle für diese Werte (Single Source of Truth).
- Legen Sie den Rhythmus und eine zuständige Person fest, die die Auswertung prüft.
Prüfen Sie vor jedem Aufstieg, ob die niedrigere Stufe die Frage noch trägt. Ein BI-Werkzeug beantwortet eine unklare Frage nicht besser; es zeigt dieselbe Zahl in mehr Ansichten. Wo die Grenzen der einzelnen Wege liegen, beschreibt BI-Werkzeug oder ERP-Berichte.
Standardbasis
Die DAMA-DMBOK (Data Management Body of Knowledge) ist das von DAMA International veröffentlichte Rahmenwerk des Datenmanagements und liegt in der 2. Auflage vor; eine 3. Auflage wird seit 2025 erarbeitet. Der Verband führt “Data Warehousing & Business Intelligence” als eigenes Fachgebiet, und das Rahmenwerk gliedert Datenmanagement in elf Wissensgebiete.
Für die Datenqualität, auf der jede Auswertung steht, beschreibt ISO/IEC 25012:2008 ein allgemeines Datenqualitätsmodell für Daten, die in strukturierter Form in einem Computersystem gehalten werden (erschienen am 3. Dezember 2008, Komitee ISO/IEC JTC 1/SC 7, ICS 35.080; Anwendungsbereich zitiert nach der Kurzfassung der identischen japanischen Übernahme JIS X 25012:2013). ISO/IEC 25024:2015 behandelt die Messung dieser Datenqualität. Beide Normen sind nach dem Katalogeintrag der japanischen Normenstelle JSA gültig. Sie binden nicht durch Gesetz, sondern höchstens durch Vertrag; die DAMA-DMBOK ist ein Rahmenwerk und ebenfalls keine Vorschrift.
Nicht zu verwechseln
- Kennzahl (KPI): das einzelne Maß mit Zielwert und Prüfrhythmus (KPI); BI ist die Aufbereitung, die es bereitstellt.
- Berichtswesen: die wiederkehrenden Berichte und ihre Verteilung (Berichtswesen im ERP aufbauen); BI beschreibt die Aufbereitung der Zahlen, das Berichtswesen ihre Verteilung.
- Datenlager: die eigene Datenbasis für Auswertungen (Auswertungen bremsen das ERP); ein BI-Werkzeug kann darauf zugreifen, muss aber nicht.