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BI-Werkzeug oder ERP-Berichte: Wann reicht das ERP nicht mehr?

Aktualisiert:

Gilt für: Versionunabhängig; gilt für ERP-Systeme mit Standardberichten und Datenexport

Kurz gesagt

Ein BI-Werkzeug lohnt sich, wenn das vorhandene ERP die benötigten Datenquellen, Berichte oder den gewünschten Aktualisierungsabstand nicht abdeckt. Prüfen Sie die vier Kriterien Datenquellen, Berichtsvielfalt, Aktualisierung und Nutzerzahl am konkreten ERP, bevor Sie ein Werkzeug dazuschalten. Reicht das ERP für die laufenden Berichte aus, bleibt es die einfachere Wahl.

Das Wichtigste

  • Ob das ERP weitere Quellen verbindet, variiert; ein BI-Werkzeug führt mehrere Quellen in ein gemeinsames Modell.
  • Vier Kriterien entscheiden: Datenquellen, Berichtsvielfalt, Aktualisierungsbedarf und Nutzerzahl.
  • Ein BI-Werkzeug ist die passende Wahl, wenn Berichte aus mehreren Systemen zusammenkommen.
  • ERP-Berichte können auf Live-Daten laufen; BI-Berichte mit importiertem Datenmodell brauchen einen Datenabgleich, Direktabfragen und Live-Verbindungen fragen die Quelle direkt ab.
  • Lizenz, Aufbau, Pflege und Betrieb sind die Kostenfelder, die Sie je Angebot vergleichen; Preise sind Angebotssache.

Ob ein BI-Werkzeug neben dem ERP sinnvoll ist, entscheidet sich an vier Größen: an den Datenquellen, an der Berichtsvielfalt, am Aktualisierungsbedarf und an der Nutzerzahl. Ob die Standardberichte des ERP ausreichen, hängt vom konkreten System ab: Berichte können auf Live-Daten laufen, und das ERP kann eigene Analysen und geteilte Auswertungen bieten. Die folgende Entscheidungshilfe zeigt, wann das ERP ausreicht und wann ein eigenes Auswertungswerkzeug redaktionell empfohlen wird.

Worum es bei der Auswahl geht

Ein ERP-Bericht entsteht in dem System, das die Betriebsdaten führt: Das ERP speichert Bestände, Aufträge, Rechnungen und Buchungen und stellt daraus die Auswertungen her, die es kennt. Ein BI-Werkzeug (Business Intelligence) ist ein Auswertungswerkzeug, das mehrere Datenquellen in ein gemeinsames Modell führt und Berichte, Dashboards und Abfragen erzeugt, die über die Standardberichte des ERP hinausgehen. Es kann als eigenständiges System laufen oder in das ERP eingebettet sein.

Die Wahl ist keine Frage von besser oder schlechter. Das ERP bleibt die führende Quelle für die Betriebsdaten; ein BI-Werkzeug liest aus und ergänzt. Dasselbe Unternehmen kann seine laufenden Berichte im ERP lassen und nur die übergreifende Analyse in ein BI-Werkzeug auslagern. Was ein BI-Werkzeug ist und welche Stufen zwischen ERP-Bericht und BI-Tool liegen, erklärt das Glossar: BI.

Diese Kriterien zählen

Die Tabelle nennt je Kriterium, warum es die Entscheidung trägt, wie Sie es prüfen und welche Frage Sie an den Anbieter stellen.

Kriterium Warum es die Entscheidung trägt Wie Sie es prüfen Frage an den Anbieter
Datenquellen Ob das ERP weitere Quellen verbindet, variiert; ein BI-Werkzeug führt ERP, Shop, Kasse, CRM und Dateien in ein gemeinsames Modell Liste der Quellen aufstellen, die in die Auswertung einfließen; prüfen, welche das ERP selbst verbindet Welche Quellen verbindet das Werkzeug direkt, welche nur über Export?
Berichtsvielfalt Viele Berichte mit eigenen Filtern, Sichten und Berechtigungen sind die Prüffrage, ob die Berichtsfunktion des ERP sie abdeckt Anzahl der Berichte, deren Pflege und die Nutzer je Bericht zählen Wie viele Berichte und Nutzer unterstützt das Werkzeug, und wie werden Rechte vergeben?
Aktualisierungsbedarf ERP-Berichte können auf Live-Daten laufen; BI-Berichte mit importiertem Datenmodell brauchen einen Datenabgleich, dessen Abstand sich wählen lässt; Direktabfragen und Live-Verbindungen fragen die Quelle direkt ab Festlegen, wie aktuell die Zahlen sein müssen (Stunde, Tag, Woche) Mit welchem Abstand aktualisiert das Werkzeug, und gibt es Echtzeit?
Nutzerzahl Ob das ERP die Nutzer und ihre Abfragen abdeckt, variiert; ein BI-Werkzeug bietet eigene Abfragen und geteilte Auswertungen Nutzer je Rolle und je Bericht erfassen, auch mobile und externe Nutzer Wie werden Lizenzen gezählt, benannt oder gleichzeitig?

Die Schwelle ist redaktionelle Orientierung, keine nachgewiesene Regel: Tragen zwei oder mehr Kriterien deutlich in Richtung BI-Werkzeug, empfehlen wir ein eigenes Auswertungswerkzeug. Trägt nur ein Kriterium, prüfen Sie zuerst, ob eine Erweiterung des ERP-Berichts oder ein Export in ein Tabellenkalkulationsprogramm ausreicht.

Die Anbindung läuft über Standardwege: Datenbankzugriff über ein Interface wie ODBC (Open Database Connectivity), Dateiimport (CSV nach RFC 4180) oder eine API. Prüfen Sie, welche Wege das Werkzeug bietet, bevor Sie es wählen.

Wann das ERP nicht mehr reicht

Die folgenden Signale zeigen, dass die ERP-Berichte an ihre Grenze stoßen. Sie sind Beobachtungen aus dem Betrieb, keine Faustformel; die redaktionelle Orientierung ist, dass zwei oder mehr zusammen für ein eigenes Werkzeug sprechen.

  • Berichte dauern länger, je mehr Daten anfallen, und bremsen das ERP im Tagesgeschäft.
  • Neue Auswertungen werden einzeln programmiert, statt aus einem gemeinsamen Modell erzeugt.
  • Zahlen aus ERP, Shop und Kasse stimmen nicht überein, weil sie aus verschiedenen Systemen stammen.
  • Jeder Nutzer baut sich eigene Abfragen, und dieselbe Kennzahl gibt es in mehreren Versionen.
  • Die Berichte werden in ein Tabellenkalkulationsprogramm exportiert, weil das ERP den gewünschten Filter nicht bietet.
  • Externe Nutzer oder die Geschäftsführung brauchen aktuelle Zahlen, die das ERP nur verzögert liefert.

Woraus sich die Kosten zusammensetzen

Die Kosten beider Wege gliedern sich in dieselben Felder. Tragen Sie je Angebot die Beträge ein oder die offene Frage; Preise sind Angebotssache und ändern sich.

Kostenfeld Beim ERP-Bericht Beim BI-Werkzeug
Lizenz Je nach ERP: enthalten, je Nutzer oder je Modul Mögliche Position: separate Lizenz, je Nutzer, je Datenquelle oder je Abfrage
Aufbau Konfiguration der Standardberichte Modellierung der Datenquellen, Berichte, Dashboards, Rechte
Pflege Anpassung bei neuen Feldern oder Prozessen Pflege des Modells, der Abfragen und der Aktualisierung
Betrieb Läuft mit dem ERP Mögliche Position: eigenes System mit eigener Überwachung und Aktualisierung; eingebettete Berichte laufen im ERP
Wechsel Je Angebot: gekoppelt an das ERP Mögliche Position: eigenständiger Vertrag, eigene Kündigung

Jedes neue Feld, jede neue Quelle und jede neue Abfrage kostet Nacharbeit. Setzen Sie diesen Pflegeaufwand gegen die Zahl erwarteter Änderungen, bevor Sie ein Werkzeug wählen.

Warnsignale in Angebot und Vertrag

  • Das Werkzeug verbindet nur eine Datenquelle, und weitere Quellen sollen über Export angebunden werden.
  • Die Aktualisierung läuft nur in festen, langen Intervallen, obwohl Sie kürzere Zyklen brauchen.
  • Lizenzen werden je Nutzer gezählt, auch für Nutzer, die nur gelegentlich zugreifen.
  • Das Modell und die Berichte werden vom Anbieter gepflegt, und Änderungen sind kostenpflichtig.
  • Der Wechsel des ERP ist im Vertrag nicht geregelt, und die Daten lassen sich nicht vollständig exportieren.
  • Die Rechtevergabe ist nicht nachvollziehbar, und es gibt keine Protokollierung der Abfragen.

Welche Kriterien für welchen Betrieb

Die Gewichtung ist unsere Empfehlung; Ihre Mengen können sie verschieben.

Fall Größtes Gewicht Weg
Laufende Berichte aus dem ERP, wenige Nutzer Berichtsvielfalt, Nutzerzahl ERP-Berichte, ggf. Export in Tabellenkalkulation
Zahlen aus ERP, Shop und Kasse zusammenführen Datenquellen BI-Werkzeug mit gemeinsamer Modellierung
Tägliche oder stündliche Aktualisierung für die Steuerung Aktualisierungsbedarf BI-Werkzeug mit kurzem Zyklus oder Echtzeit
Viele Nutzer mit eigenen Abfragen und Rechten Nutzerzahl, Berichtsvielfalt BI-Werkzeug mit Rollen- und Rechtekonzept
Einmalige Sonderauswertung Aufwand je Lauf Export und Auswertung in Tabellenkalkulation

So entscheiden Sie in fünf Schritten

  1. Listen Sie die Datenquellen auf, die in die Auswertung einfließen, und notieren Sie, welche das ERP selbst verbindet.
  2. Zählen Sie die Berichte, deren Pflege und die Nutzer je Bericht; erfassen Sie auch mobile und externe Nutzer.
  3. Legen Sie fest, wie aktuell die Zahlen sein müssen, und prüfen Sie, ob das ERP diesen Abstand bietet.
  4. Gehen Sie die Warnsignale im Angebot durch und lassen Sie sich die Lizenz- und Wechselbedingungen schriftlich geben.
  5. Wägen Sie die vier Kriterien ab; die redaktionelle Orientierung ist, dass zwei oder mehr Kriterien in Richtung BI-Werkzeug für ein eigenes Auswertungswerkzeug sprechen.

Häufige Fragen

Reicht ein Export aus dem ERP in ein Tabellenkalkulationsprogramm nicht?

Für wenige Berichte ja. Ein Tabellenkalkulationsprogramm eignet sich, wenn ein Nutzer eine Auswertung aus einer Quelle braucht. Sobald mehrere Quellen zusammenkommen, viele Nutzer dieselben Zahlen sehen sollen oder die Daten in kurzen Abständen aktuell sein müssen, prüfen Sie, ob das ERP das abdeckt; deckt es das nicht ab, ist ein BI-Werkzeug die redaktionell empfohlene Wahl.

Muss ich das ERP wechseln, wenn die Berichte nicht reichen?

Nein. Ein BI-Werkzeug ergänzt das ERP, es ersetzt es nicht. Das ERP bleibt die führende Quelle für die Betriebsdaten; das BI-Werkzeug liest aus und führt zusätzliche Quellen zusammen.

Wie aktuell müssen die Daten sein, damit ein BI-Werkzeug sinnvoll ist?

Das hängt an Ihrer Entscheidung. Brauchen Sie Zahlen für tagesaktuelle Steuerung, muss das Werkzeug in kurzen Abständen oder in Echtzeit aktualisieren. Für wöchentliche oder monatliche Berichte genügt ein geplanter Abgleich, wenn das ERP ihn in diesem Abstand bietet.

Quellen

  1. RFC 4180: Common Format and MIME Type for Comma-Separated Values (CSV) Files (Oktober 2005)Internet Engineering Task Force (IETF) · abgerufen am
  2. ODBC Overview - ODBC API ReferenceMicrosoft Learn · abgerufen am
  3. Analyzing, pivoting, and sharing data in Business Central (Reporting options overview)Microsoft Learn · abgerufen am
  4. DirectQuery in Power BI: When to Use, Limitations, AlternativesMicrosoft Learn · abgerufen am