Automobilzulieferer: Lieferabrufe, VDA-Etikett und EDI im ERP
Kurz gesagt
Kommt der Lieferabruf als EDIFACT-Nachricht DELFOR, verbindet er nach der Beschreibung von Odette feste Lieferanweisungen für die nahe Zukunft mit Prognosen über typischerweise sechs bis zwölf Monate. Das ERP muss beides getrennt führen, je Versandeinheit ein Etikett nach dem Profil drucken, das der Kunde vorgibt, und die Versandanzeige DESADV mit denselben Packstückkennungen senden. DELFOR, DESADV und die Etikettprofile sind Empfehlungen von Odette und des VDA; verbindlich werden sie erst über Liefervertrag und Logistikvereinbarung.
Das Wichtigste
- Odette führt den Abruf als DELFOR (Leitfaden JM01, Basis EDIFACT D.04A) und die Versandanzeige als DESADV (Leitfaden JM03, Basis EDIFACT D.20B), beide Version 2025, veröffentlicht im Februar 2026.
- Ein Abruf kann nach der Odette-Beschreibung feste Lieferanweisungen für die nahe Zukunft mit Prognosen über typischerweise sechs bis zwölf Monate verbinden; welche Stufe Bedarf auslöst, folgt aus der Logistikvereinbarung des Kunden.
- Das Etikett gilt in dem Profil, das der Kunde vorgibt: für das Global Transport Label führt Odette das Profil LL08 (Fassung 2.3 von Mai 2025), der VDA veröffentlicht es als VDA 4994.
- Welche Angaben das Etikett trägt, richtet sich nach Odette-Angabe nach dem, was in Einkaufsverträgen und Logistikvereinbarungen vereinbart ist.
- In der Avise muss dieselbe Packstückkennung stehen wie auf dem Etikett; Odette beschreibt OFTP2 seit 2010 als Übertragungsweg über das Internet mit Zertifikaten und automatischem Neustart.
- Für Fehlermeldungen sieht Odette die Nachricht APERAK vor (Syntaxfehler, die die Weiterverarbeitung verhindern, und Datenfehler), für Abweichungen beim Empfang die Nachricht RECADV.
Was Sie vorab brauchen
- die Logistikvereinbarung des Kunden mit Nachrichtenformat, Etikettprofil und Übertragungsweg; nach der Angabe von Odette folgt der Dateninhalt des Etiketts dieser Vereinbarung
- je Kunde die Werk-, Wareneingangs- und Rampennummer, für die der Abruf gilt
- je Teil zwei Nummern: die Kunden-Teilenummer und Ihre eigene Artikelnummer
- den letzten Abruf samt kumulierter Menge als Vergleichsstand zur eigenen Lieferhistorie
- einen Etikettendrucker in dem Format, das der Kunde vorgibt, samt Probepalette
- eine Übertragungsstrecke mit eigener Kennung und Zertifikat sowie eine Ablage für abgelehnte Nachrichten
Was die Formate verbindlich macht
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) schreibt zu Normen, ihre Anwendung sei keine Pflicht, und einen verbindlichen Status erhielten sie erst als Bestandteil von Verträgen oder als Bezug in Gesetzen. Die Nachrichten und das Etikett gelten also, weil der Kunde sie in seiner Logistikvereinbarung verlangt, das Etikett in dem Profil, das dort steht.
Odette, die Organisation hinter diesen Standards, führt den Abruf als DELFOR (Leitfaden JM01, Basis EDIFACT D.04A) und die Versandanzeige als DESADV (Leitfaden JM03, Basis D.20B), beide in der Version 2025, veröffentlicht im Februar 2026. Für die Produktionsteile, die über einen Abruf laufen, beschreibt Odette den Weg so: Zuerst entsteht ein Rahmenvertrag, die Lieferbedarfe kommen danach getrennt je Produktionsprogramm. Das Etikett ist das Odette-Profil des Global Transport Label, LL08, das der VDA als VDA 4994 veröffentlicht, Fassung 2.3 von Mai 2025.
Welche Segmente und Datenfelder eine Nachricht im Einzelnen trägt, steht im Leitfaden des Kunden (JM01 für den Abruf, JM03 für die Avise); dieser Beitrag beschreibt die Aufgabe je Nachricht und die Angaben, die Ihr System führen muss.
Schritt für Schritt: vom Abruf zur Avise
- Abruf einlesenAbsender, Werk, Abrufnummer festhalten
- Mengen je Termin übernehmenfeste Lieferanweisung und Prognose trennen
- Kumulierte Menge abgleichenAbruf gegen die eigene Lieferhistorie
- Bedarf auslösenFertigungsauftrag oder Bestellung je Termin
- Versandeinheiten etikettiereneine Kennung je Palette und Kleinbehälter
- Avise sendendieselbe Packstückkennung wie auf dem Etikett
Die Reihenfolge folgt aus der Sache: Etikettennummer und Avise müssen dieselbe Versandeinheit bezeichnen.
Quelle: Schematischer Ablauf; die Nachrichten folgen den Odette-Leitfäden JM01 und JM03
Schritt 1: Abruf einlesen und Änderungen erkennen
Ein Abruf in diesem Format ist eine DELFOR-Nachricht; Odette hat den Leitfaden JM01 dazu veröffentlicht. Odette beschreibt diese Abrufe so: Sie können feste Lieferanweisungen für die nahe Zukunft mit Prognosen für die weitere Zeit verbinden, nach ihrer Darstellung typischerweise über sechs bis zwölf Monate. Halten Sie beim Einlesen fest, von welchem Kunden, welchem Werk und welchem Teil die Nachricht handelt, und legen Sie mit dem Kunden fest, woran ein geänderter oder ein vollständig ersetzter Abruf zu erkennen ist. Diese Regel gehört in den Import: Eine Änderung wird auf den bestehenden Abruf angewendet, ein Ersatz überschreibt ihn. Ergebnis: Sie wissen, ob der alte Abruf fortgeschrieben oder ersetzt wird; wer eine Änderung als Zugang bucht, zählt die Menge doppelt.
Schritt 2: Mengen mit Bindungsstufe übernehmen
Führen Sie jede Menge mit ihrem Termin und mit der Angabe, ob sie fest oder Prognose ist. Wie Sie damit umgehen, folgt aus der Logistikvereinbarung des Kunden: Sie legt fest, ab welcher Stufe Sie fertigen oder Material bestellen. Redaktionelle Empfehlung: feste Lieferanweisungen lösen Fertigung oder Bestellung aus, Prognosen bleiben Planungsgröße mit eigener Gültigkeit je Termin. Halten Sie diese Zuordnung je Kunde schriftlich fest, weil dieselbe Nachricht bei zwei Kunden zwei verschiedene Folgen haben kann. Ergebnis: feste und unverbindliche Mengen stehen getrennt, und die Regel dahinter ist belegt.
Schritt 3: Kumulierte Menge abgleichen
Führen Sie die kumulierte Menge als eigene Größe: die Summe der seit dem letzten Nullpunkt abgerufenen Mengen. Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: Der Abruf ergibt 12.400 Stück kumuliert, Ihre avisierten Lieferungen ergeben 12.150 Stück. Die Differenz von 250 Stück klären Sie mit dem Kunden, bevor die nächste Lieferung abgerufen wird; sonst wandert sie unbemerkt in jede weitere Planung. Ergebnis: eine geklärte oder offen notierte Differenz.
Schritt 4: Bedarf auslösen
Aus jeder Menge, die nach Ihrer Regel Bedarf auslöst, entsteht je Termin ein Bedarf, gebucht auf Artikel, Menge, Termin und Abrufpunkt. Den Abrufpunkt brauchen Sie für Lieferadresse und Etikett: Er ist die Kombination aus Kundenwerk und Rampe oder Tor, die im Abruf und in der Logistikvereinbarung steht. Ergebnis: ein Bedarf je Termin und Abrufpunkt.
Schritt 5: Versandeinheiten etikettieren
Drucken Sie ein Etikett je Versandeinheit, also je Palette und je Kleinbehälter, mit der Kennung, die später in der Avise steht. Verlangt der Kunde das Global Transport Label, gilt das Odette-Profil LL08 (VDA 4994): Es trägt nach der Beschreibung von Odette eine Lizenznummer (Licence Plate), nutzt den Strichcode Code 128 nach ISO/IEC 15417 und für 2D-Codes Data Matrix nach ISO/IEC 16022; die Beschreibung des Standards nennt daneben QR Code und PDF417. Das ursprüngliche Odette-Transportetikett arbeitet mit Code 39 nach ISO/IEC 16388. Die ISO-Nummern bezeichnen die Symbologie; verlangt wird sie über das Etikettprofil des Kunden.
Für LL08 nennt Odette die Formate A5 (210 × 148 Millimeter), A6 (148 × 105 Millimeter) und SLC1 (210 × 74 Millimeter); weitere Größen stehen in LL08 selbst. Daneben führt Odette das ältere Transportetikett LL03 (210 × 102 Millimeter) als das ursprüngliche A5-Etikett, das weiterhin gebräuchlich ist, und LL02 (210 × 74 Millimeter) als kleinere Fassung.
Die Feldbelegung des Etiketts steht in LL08 selbst und in der Vereinbarung mit dem Kunden; Odette ordnet den Dateninhalt ausdrücklich dem zu, was in Einkaufsverträgen und Logistikvereinbarungen vereinbart ist. Halten Sie die Feldbelegung je Kunde fest und gleichen Sie sie mit dieser Vereinbarung ab. Ergebnis: Jede Versandeinheit trägt genau eine Kennung.
Schritt 6: Avise erzeugen
Die Avise ist eine DESADV-Nachricht. Odette beschreibt ihre Rolle so: Der Kunde kann den Wareneingang vorbereiten und den Eingang automatisiert prüfen, die Avise kann zusätzlich an den Dienstleister gehen, der den Transport durchführt, und sie dient als Grundlage für die Rechnung, weil sie den automatischen Abgleich ermöglicht. Für Ihre Verarbeitung muss die Anzeige der physischen Sendung folgen: die Zahl der Packstücke, die Art der Versandeinheiten und je Einheit die Kennung, die auf dem Etikett gedruckt ist; dazu kommen die Positionen mit Teil und Menge sowie die Angaben zum Transport.
Übernehmen Sie die Kennungen aus den gedruckten Etiketten und nicht aus einer zweiten Quelle. Der Kunde liest die Palette am Wareneingang und gleicht sie mit der Anzeige ab; weichen die Nummern ab, findet die Anzeige nicht zur Lieferung. Ergebnis: Die Avise bildet die Sendung Packstück für Packstück ab.
Schritt 7: Senden und quittieren
Odette beschreibt OFTP als den wichtigsten Dateitransfer der Automobilindustrie; OFTP2 wird seit 2010 über das Internet genutzt, arbeitet mit Zertifikaten und setzt nach einem Übertragungsabbruch automatisch neu an. Werten Sie Fehlermeldungen aus: Odette sieht dafür die Nachricht APERAK vor, die den Eingang quittiert, Syntaxfehler meldet, die eine Weiterverarbeitung verhindern, und inhaltliche Datenfehler. Weicht der Wareneingang von der Anzeige ab, kommt die Nachricht RECADV ins Spiel. Legen Sie die Quittung zur Lieferung ab. Ergebnis: eine abgelegte Quittung je Avise.
Welche Angaben Sie je Nachricht führen
Die Tabelle ist unsere Zuordnung für das ERP: Was die Verarbeitung braucht, nicht ein Auszug aus dem Nachrichtenleitfaden. Welche Segmente und Datenfelder eine Nachricht trägt, steht in JM01 und JM03, und die Spalte Feld ist eine Empfehlung für Ihre Einrichtung, keine Vorgabe.
| Nachricht | Angabe | Feld im ERP | Wann nötig |
|---|---|---|---|
| Lieferabruf (DELFOR) | Kunde, Werk, Rampe oder Tor | Kundenwerk, Abrufpunkt | je Abrufpunkt |
| Lieferabruf (DELFOR) | Abrufnummer und Stand des Abrufs | Abrufnummer, Vorgängerabruf | in jedem Abruf |
| Lieferabruf (DELFOR) | Rahmenvertrag oder Bezug der Nachricht | Rahmenvertragsnummer | in jedem Abruf |
| Lieferabruf (DELFOR) | Kunden-Teilenummer und eigene Artikelnummer | Artikelnummer, Kunden-Teilenummer | je Position |
| Lieferabruf (DELFOR) | Menge je Termin mit der Angabe fest oder Prognose | Abrufmenge, Termin, Bindungsstufe | je Termin |
| Lieferabruf (DELFOR) | kumulierte Menge als Abgleichgröße | Kumulierte Liefermenge | je Position |
| Versandetikett (LL08, LL03, LL02) | Kennung der Versandeinheit, bei LL08 als Lizenznummer | Lizenz- oder Etikettennummer | je Packstück |
| Versandetikett (LL08, LL03, LL02) | Teilenummer und Menge je Packstück | Packstückinhalt | je Packstück |
| Versandetikett (LL08, LL03, LL02) | Profil und Format nach Kundenvorgabe | Etikettendruck, Layout | je Versandeinheit |
| Versandanzeige (DESADV) | Nummer und Datum der Anzeige | Avise-Nummer, Versanddatum | in jeder Avise |
| Versandanzeige (DESADV) | Bezug auf Bestellung, Abruf oder Lieferanweisung | Abruf- oder Bestellnummer | in jeder Avise |
| Versandanzeige (DESADV) | Zahl und Art der Packstücke, Kennung je Packstück | Versandeinheiten, Palettenzahl | je Sendung |
| Versandanzeige (DESADV) | Menge je Position, falls vereinbart mit Seriennummer | Liefermenge, Seriennummer | je Position |
| Versandanzeige (DESADV) | Transportweg, Behälterart, Gewicht | Spedition, Behälterart, Bruttogewicht | je Sendung |
Odette hat die Leitfäden JM01 (DELFOR) und JM03 (DESADV) für die Automobilindustrie veröffentlicht; sie beschreiben, welche Angaben die Branche in welcher Reihenfolge nutzt. Die Nachrichtenfolge von der Bestellung bis zur Rechnung steht in ORDERS, DESADV und INVOIC im Vergleich, der Aufbau einer Nachricht in EDIFACT.
So prüfen Sie das Ergebnis
- Änderung und Ersatz geregelt: Für jeden Kunden steht geschrieben, woran ein geänderter oder ersetzter Abruf zu erkennen ist; der Import wendet eine Änderung an, statt sie zu addieren.
- Bindungsstufen getrennt: Die Regel, welche Stufe Bedarf auslöst, ist je Kunde hinterlegt und mit der Logistikvereinbarung abgeglichen; nach unserer Empfehlung lösen feste Mengen den Bedarf aus, Prognosen dagegen nicht.
- Kumulierte Menge stimmt mit der eigenen Lieferhistorie überein, oder die Differenz ist geklärt.
- Etikettenprobe: Kennung, Teilenummer und Menge je Packstück stimmen mit der Ladeliste überein.
- Aviseprobe: Zahl der Packstücke und alle Kennungen in der Avise sind dieselben wie auf den gedruckten Etiketten.
- Wiederholprobe: Dieselbe Nachricht ein zweites Mal eingelesen darf die Mengen nicht verdoppeln.
- Quittungsprobe: Zu jeder gesendeten Avise liegt eine Antwort vor, Fehlermeldungen sind bearbeitet, Abweichungen aus dem Empfang sind geklärt.
Wenn etwas nicht klappt
| Symptom | Mögliche Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Die Abrufmenge verdoppelt sich | Die Änderung wurde als Zugang gebucht | Kennzeichnung von Änderung und Ersatz beim Kunden erfragen, Abruf verwerfen und erneut auf den Vorgängerabruf anwenden |
| Die kumulierte Menge läuft auseinander | Eine Lieferung oder eine Avise fehlt in der Historie | Lieferhistorie gegen die Avise abgleichen und die Differenz mit dem Kunden klären |
| Der Wareneingang meldet ein unbekanntes Packstück | Die Etikettennummer fehlt in der Avise | Kennungen aus den gedruckten Etiketten übernehmen, Avise erneut senden |
| Der Abruf bleibt liegen | Syntaxfehler, die Verarbeitung brach ab | Fehlermeldung auswerten, Nachricht nach der Korrektur erneut senden |
| Der Kunde mahnt eine fehlende Anzeige | Die Avise wurde erst nach der Verladung erzeugt | Reihenfolge Ladeliste, Etiketten, Avise einhalten |
| Der Kunde meldet eine Abweichung beim Empfang | Menge oder Verpackung weicht von der Anzeige ab | Meldung des Kunden (RECADV) auswerten, Ursache in der Ladeliste suchen |
Bei wiederkehrenden Fehlermeldungen lohnt der Blick auf die Anbindung: Test und Freigabe beschreibt Neuen EDI-Partner anbinden, die Überwachung Schnittstellenfehler im Betrieb.
Wann Sie Hilfe holen sollten
Holen Sie Ihre IT und den Ansprechpartner des Kunden dazu, wenn der Abruf im ERP nur als Datei ankommt und kein Abrufobjekt mit Terminen entsteht: Dann fehlt die Verarbeitungsschicht, und jede Änderung müsste von Hand nachgeführt werden. Dasselbe gilt, wenn der Kunde die Etikettenfassung oder den Nachrichtenleitfaden wechselt.
Bleibt eine Mengendifferenz über mehrere Abrufe bestehen, klären Sie sie mit dem EDI-Ansprechpartner des Werks, bevor Sie weiterliefern. Welche Anforderungen ein Zulieferer-ERP insgesamt tragen muss, steht in ERP für Lieferabrufe, Etiketten und Qualität, der Abgleich des Wareneingangs in Wareneingang buchen.