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Artikeldaten: ERP oder PIM als führendes System?

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Kurz gesagt

Ob Produkttexte und Bilder im ERP oder in einem PIM gepflegt werden, entscheidet sich an vier Größen: Artikelzahl, Kanäle, Sprachen und Datenverantwortliche. Redaktionelle Orientierung: Bis zu etwa 2.000 Artikeln, drei Kanälen und zwei Sprachen kann der Artikelstamm des ERP die Marketingdaten tragen, wenn die Feldabdeckung ausreicht; darüber führt ein PIM die Marketingdaten, das ERP bleibt führend für Preise, Steuern und Bestände.

Das Wichtigste

  • Führendes System heißt: dort wird das Feld gepflegt, die anderen Systeme übernehmen es per Sync.
  • Entscheidungsgrößen: Artikelzahl, Anzahl der Kanäle, Sprachen und wer die Daten verantwortet.
  • Redaktionelle Orientierung: bis etwa 2.000 Artikel, drei Kanäle, zwei Sprachen kann das ERP die Marketingdaten tragen, wenn die Feldabdeckung ausreicht.
  • Vorgeschlagene Zuordnung: Das ERP führt Preis, Steuerklasse, Bestand und Chargen- und Seriennummern.
  • Vorgeschlagene Zuordnung: Das PIM führt Produkttexte, Bilder, Kategorien und Pflichtangaben je Kanal und Sprache.
  • Das GS1 Data Quality Framework (Version 3.0) ist eine Best-Practice-Empfehlung, keine Bedingung für GDSN-Datenpools; die Nutzung kann sich aus den Anforderungen der Handelspartner ergeben.

Produkttexte und Bilder gehören in den Artikelstamm des ERP oder in ein Produktinformationssystem (PIM). Die Entscheidung ist keine Systemwahl, sondern eine Feldzuordnung: Jedes Feld hat genau ein führendes System, dort wird es gepflegt, die anderen übernehmen es per Synchronisation. Vier Größen entscheiden, welches System führt: Artikelzahl, Kanäle, Sprachen und Datenverantwortliche.

Worum es bei der Entscheidung geht

Ein Produktinformationssystem (PIM) sammelt Produkt- und Artikelinformationen zentral, bereinigt sie und verteilt sie an die Verkaufskanäle. Der Artikelstamm des ERP trägt die Daten, die für Auftragsabwicklung, Lager und Rechnung gebraucht werden: Artikelnummer, Preis, Steuerklasse, Bestand.

GS1 grenzt Stammdaten als Daten ab, die für alle Geschäftsvorfälle gelten und sich kaum ändern: Parteien, Produkte mit ihren festen Attributen wie vollständiger Produktspezifikation und Verpackungshierarchie, und Preise. Genau diese Daten sind der Gegenstand der Entscheidung.

Die Konsequenz: Jedes Feld hat eine Single Source of Truth. Zwei Systeme, die dasselbe Feld schreiben, erzeugen Konflikte; ohne eine Regel, welches System gewinnt, driften die Werte auseinander. Die Zuordnung in den Tabellen ist eine redaktionelle Einschätzung für den typischen Handelsbetrieb; Ihre Prozesse können eine andere Zuordnung erfordern. Für die Abgrenzung zwischen ERP, Shop und CRM siehe Führendes System für Stammdaten festlegen.

Diese Kriterien zählen

Die Tabelle listet die Kriterien mit dem jeweiligen Test. Bestanden gilt je Kriterium nur, wenn der Test ohne Hilfe des Anbieters auskommt.

Kriterium Was es entscheidet So prüfen Sie es Frage an den Anbieter
Artikelzahl und Varianten den Pflegeaufwand je Änderung Zählen Sie aktive Artikel und Varianten und schätzen Sie die Änderungen je Monat “Wie viele Artikel und Varianten deckt die Lizenz ab?”
Kanäle welche Felder und Formate jeder Kanal verlangt Listen Sie die Kanäle und je Kanal die benötigten Felder “Welche Felder und Formate verlangt jeder Kanal?”
Sprachen wie oft sich Texte und Bilder je Sprache vervielfachen Zählen Sie die Sprachen und die Kanäle je Sprache “Führt das System Texte und Bilder je Sprache und Kanal?”
Datenverantwortliche wer pflegt und wer gibt frei Benennen Sie je Datenart das Team und die Freigabe “Wer pflegt welche Felder, und wer gibt sie frei?”
Feldabdeckung des ERP ob Textlänge, Bildanzahl und Medientypen ausreichen Vergleichen Sie die Kanal-Anforderungen mit den ERP-Feldern “Wie lang sind die Textfelder, wie viele Bilder je Artikel?”
Sync-Richtung und -frequenz wie schnell Änderungen im Kanal ankommen Testen Sie mit einem Beispielartikel “Wie schnell ist eine Änderung im Kanal sichtbar?”
Datenqualitätsregeln ob Vollständigkeit und Konsistenz geprüft werden Prüfen Sie Validierung und Vollständigkeitsberichte “Welche Prüfregeln gibt es, und wer sieht die Auswertungen?”
Kostenstruktur was Lizenz, Schnittstelle und Pflege kosten Fordern Sie eine Kostenaufstellung “Was kostet die Lizenz je Artikel, die Schnittstelle, die Pflege?”

Zur Zeile Datenqualitätsregeln: Das GS1 Data Quality Framework (Version 3.0) ist ein Best-Practice-Leitfaden für die Datenqualität, der von Handelspartnern gemeinsam genutzt werden kann. Der Kern ist ein Datenqualitätsmanagementsystem (DQMS); dazu gehören Selbstbewertungs-Tools und ein Verfahren zur physischen Prüfung von Produktattributen. Die Nutzung ist keine Bedingung für die Veröffentlichung von Daten in GDSN-zertifizierten Datenpools; GS1 empfiehlt sie zur Sicherung der Datenqualität. Ob das Framework genutzt wird, hängt zusätzlich von den globalen und lokalen Anforderungen der Handelspartner ab. Genaue Gewichts- und Maßdaten vermeiden nach GS1 wiederholtes Messen entlang der Lieferkette und reduzieren Nacharbeit bei Regalplänen.

Welches System führt: Entscheidungstabelle

Die Tabelle ordnet das führende System den vier Größen zu. Die Zuordnung und die Schwellenwerte sind eine redaktionelle Einschätzung für den typischen Handelsbetrieb; GS1 schreibt keine konkrete Anwenderarchitektur vor (GS1 System Architecture, Abschnitt 3.2). Ihre Prozesse können eine andere Zuordnung erfordern.

Artikelzahl Kanäle Sprachen Datenverantwortliche Führendes System
bis 500 1 (etwa Shop) 1 1 Team ERP
bis 2.000 2 bis 3 1 bis 2 1 bis 2 Teams ERP, PIM optional
ab 2.000 ab 3 ab 3 mehrere Teams PIM, ERP für Preise und Bestände

Die erste Zeile: Ein einzelner Kanal mit einer Sprache und einem Team kann die Marketingdaten im ERP pflegen, wenn die Feldabdeckung ausreicht. Die zweite Zeile: Ab zwei Kanälen und zwei Sprachen steigt der Pflegeaufwand; ein PIM wird optional, wenn die ERP-Felder nicht ausreichen. Die dritte Zeile: Ab 2.000 Artikeln, drei Kanälen und drei Sprachen mit mehreren Teams führt das PIM die Marketingdaten; das ERP bleibt führend für Preise, Steuern und Bestände.

Wer welches Feld pflegt: Feld für Feld

Die Tabelle ordnet die Felder dem führenden System zu. Die Zuordnung ist eine redaktionelle Einschätzung; Ihre Prozesse können eine andere Zuordnung erfordern.

Feld Führendes System Grund Sync-Richtung
Artikelnummer (intern) ERP gebunden an Warenbewegung und Rechnung ERP → PIM, ERP → Kanäle
GTIN ERP GS1-Produktkennung; Vergaberegeln im GS1 GTIN Management Standard ERP → PIM
Produktname (kurz) ERP wird für Rechnung und Lieferschein gebraucht ERP → PIM
Produkttext (lang) PIM Marketinginhalt je Kanal und Sprache PIM → ERP (falls gebraucht)
Bilder und Medien PIM Bildanzahl und Formate unterscheiden sich je Kanal PIM → Kanäle
Preis ERP gebunden an Rechnung und Steuer ERP → PIM, ERP → Kanäle
Steuerklasse ERP gebunden an Rechnung ERP → Kanäle
Bestand ERP gebunden an Warenbewegung ERP → Kanäle
Gewicht und Maße PIM Kanal- und Frachtdaten; genaue Werte vermeiden wiederholtes Messen PIM → ERP (für Versandberechnung)
Kategorie (GPC) PIM gemeinsame Klassifikationssprache für Handelspartner PIM → Kanäle
Chargen- und Seriennummern ERP gebunden an Warenbewegung; für Verbraucherprodukte auf dem EU-Markt verlangt die GPSR ein Identifizierungselement (Art. 9 Abs. 5) ERP → Kanäle
Pflichtangaben (Zusammensetzung, Sicherheit) PIM Inhalt je Kanal und Sprache PIM → Kanäle

Zur Kategorie-Zeile: Die Global Product Classification (GPC) ist nach GS1 ein standardisiertes Klassifikationssystem, das Käufern und Verkäufern eine gemeinsame Sprache für die Produktgruppierung gibt (GS1 System Architecture, Abschnitt 7.3.1).

Zur GTIN-Zeile: Die GTIN ist die GS1-Produktkennung des Artikels. Die Regeln für ihre Vergabe stehen im GS1 GTIN Management Standard; die Einhaltung ist wesentlich, damit das Produkt im GS1-System eindeutig und korrekt identifiziert wird. Welche Kennung ein Kanal verlangt, prüfen Sie je Kanal: Einige Kanäle weisen eigene interne Kennungen zu, deren Anlage die GS1 GTIN voraussetzt. Zur Zuordnung von SKU und GTIN über Verkaufskanäle siehe Artikelnummer, SKU und GTIN.

Zur Chargen- und Seriennummern-Zeile: Die GPSR (Verordnung (EU) 2023/988, gilt ab 13. Dezember 2024) gilt für Verbraucherprodukte, die in der EU in Verkehr gebracht oder auf dem Markt bereitgestellt werden, soweit es im Unionsrecht keine spezifischen Bestimmungen zur Sicherheit der Produkte gibt (Art. 2 Abs. 1, Art. 3 Nr. 1). Hersteller müssen dafür sorgen, dass ihre Produkte eine Typen-, Chargen- oder Seriennummer oder ein anderes für Verbraucher leicht erkennbares und lesbares Element zur Identifizierung tragen; ist das wegen der Größe oder der Art des Produkts nicht möglich, genügen die Angaben auf der Verpackung oder in einer beigefügten Unterlage (Art. 9 Abs. 5). Eine Seriennummer je Einzelstück ist nicht vorgeschrieben. Von der GPSR ausgenommen sind unter anderem Arzneimittel, Lebensmittel, Futtermittel, lebende Pflanzen und Tiere, Pflanzenschutzmittel, bestimmte Beförderungsmittel, Luftfahrzeuge und Antiquitäten (Art. 2 Abs. 2). Für Produkte, die spezifischen Anforderungen der Harmonisierungsrechtsvorschriften der Union unterliegen, gilt Kapitel III Abschnitt 1 der GPSR und damit die Kennzeichnungspflicht des Art. 9 Abs. 5 nicht (Art. 2 Abs. 1 Unterabsatz 3 Buchst. b). Die Mitgliedstaaten dürfen das weitere Bereitstellen auf dem Markt von Produkten, die unter die Richtlinie 2001/95/EG fallen, mit ihr konform sind und vor dem 13. Dezember 2024 in Verkehr gebracht wurden, nicht behindern (Art. 51). Die Chargen- und Seriennummern sind an die Warenbewegung gebunden und gehören deshalb ins ERP.

Woraus sich die Kosten zusammensetzen

Die Entscheidung über das führende System sagt nicht, was die Nutzung kostet. Klären Sie diese Felder je Angebot schriftlich; ein leeres Feld ist eine offene Frage, keine Null.

Kostenfeld Was Sie eintragen
PIM-Lizenz Betrag je Monat oder Jahr, Abrechnung je Artikel oder je Nutzer
Schnittstelle einmaliger Betrag für die Einrichtung, laufender Betrag für den Betrieb
Datenmigration einmaliger Betrag für den Import von Texten und Bildern
Laufende Pflege Stunden je Änderung, je Sprache, je Kanal
Medienlager Betrag je gespeichertem Bild oder Video
Vertragsseite Laufzeit und Kündigung des PIM-Vertrags, getrennt vom ERP-Vertrag

Warnsignale in Angebot und Vertrag

  • Sync-Richtung ist je Feld nicht dokumentiert.
  • Es gibt keine feldbezogene Zuordnung des führenden Systems.
  • Das PIM kann nicht zurück schreiben, etwa bei Preisänderungen.
  • Es gibt keine Versionierung der Texte.
  • Medien werden nur manuell hochgeladen.
  • Es gibt keine Datenqualitätsregeln.
  • Der Vertrag enthält keine Klausel zum Datenexport bei Vertragsende.

So entscheiden Sie in fünf Schritten

  1. Listen Sie alle Kanäle und die Felder, die jeder Kanal braucht.
  2. Zählen Sie Artikel, Varianten und Sprachen.
  3. Weisen Sie je Feld ein führendes System zu; die Zuordnung folgt der Feldtabelle.
  4. Prüfen Sie die Feldabdeckung des ERP: Textlänge, Bildanzahl, Sprachen.
  5. Definieren Sie die Sync-Richtung und testen Sie den Sync mit einem Beispiel von 20 Artikeln.

Für die Messung der Datenqualität nach der Entscheidung siehe Stammdatenqualität messen. Für die Abbildung von Varianten im Artikelstamm siehe Artikelvarianten anlegen.

Häufige Fragen

Muss ich für ein PIM ein GS1-Mitglied sein?

Nein. Die Nutzung des GS1 Data Quality Frameworks ist keine Bedingung für die Veröffentlichung von Daten in GDSN-zertifizierten Datenpools; GS1 empfiehlt sie zur Sicherung der Datenqualität. Die Nutzung hängt zusätzlich von den globalen und lokalen Anforderungen der Handelspartner ab. Ob Sie GS1-Mitglied werden, hängt davon ab, ob Sie GTINs über einen GS1-Mitgliedsverband beziehen.

Kann das ERP Produkttexte in mehreren Sprachen führen?

Das hängt vom ERP ab. Prüfen Sie, ob der Artikelstamm Textfelder je Sprache und Kanal kennt und wie lang sie sind. Fehlt das, führen Sie die Marketingtexte im PIM und synchronisieren Sie sie in das ERP, wenn es sie für Belege oder Etiketten braucht.

Wer pflegt die GTIN?

In der vorgeschlagenen Zuordnung: das ERP. Die GTIN ist die GS1-Produktkennung des Artikels; die Regeln für ihre Vergabe stehen im GS1 GTIN Management Standard. Das PIM liest die GTIN vom ERP, damit Kanal- und Marktplatzdaten dem richtigen Artikel zugeordnet bleiben.

Was passiert mit den Daten, wenn ich das PIM wieder beende?

Verhandeln Sie vor dem Vertrag den Datenexport: alle Texte, Bilder und Zuordnungen in einem dokumentierten Format. Prüfen Sie Exportumfang und Bedingungen vor Vertragsschluss.

Quellen

  1. What is the GS1 Data Quality Framework?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  2. Is using the framework compulsory?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  3. What is the GS1 Data Quality Framework Packet?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  4. What is the advantage of good quality data?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  5. What are the GS1 GTIN rules?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  6. Amazon already allocates its ASIN number to products. Why do I also need a GS1 GTIN?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  7. In GS1 EDI, what is Master Data?GS1, GS1 GO Customer Service Portal · abgerufen am
  8. GS1 System ArchitectureGS1 · abgerufen am
  9. Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR), Art. 9 Abs. 5Europäische Union, Publications Office · abgerufen am