Kontoauszug einlesen: camt.053 oder MT940?
Kurz gesagt
Verarbeiten Sie das Format, das Ihre Bank als Standard liefert. camt.053 ist das ISO-20022-XML-Format mit Referenzen als benannte, optionale XML-Elemente; MT940 ist das SWIFT-Format mit Referenzen in den Unterfeldern von Tag 61 und/oder als strukturierte Labels in Tag 86. Die Deutsche Kreditwirtschaft kündigt das MT940/MT942-Regelwerk zum November 2025 ab.
Das Wichtigste
- camt.053 ist das ISO-20022-XML-Format für Bank-Kunden-Kontoauszüge (BankToCustomerStatement).
- MT940 ist das SWIFT-Format (Message Type 940) für Bank-Kunden-Kontoauszüge.
- In camt.053 stehen Referenzen (End-to-End-ID, Mandats-ID, Gläubigerreferenz, UETR) als benannte, optionale XML-Elemente; ihre Lieferung hängt von Zahlung und Bank ab.
- In MT940 stehen Referenzen in den Unterfeldern von Tag 61 und/oder als strukturierte Labels in Tag 86, daneben Freitext.
- Die Deutsche Kreditwirtschaft kündigt das Regelwerk für Kontoinformationen auf Basis von MT940/MT942 zum November 2025 ab (Anlage 3 V3.9).
- Die Wahl richtet sich nach dem Format, das Ihre Bank als Standard liefert, und dem Abgleichbedarf im ERP.
Beim Einlesen von Kontoauszügen ins ERP entscheidet das Format über die Qualität des Abgleichs. Zwei Formate stehen zur Verfügung: camt.053 (ISO 20022) und MT940 (SWIFT). Dieser Artikel vergleicht sie nach Informationsgehalt, Verwendungslänge, SEPA-Referenzen und Bankunterstützung und gibt eine Migrations-Checkliste.
Worum es bei der Auswahl geht
Das ERP liest Kontoauszüge ein, um Zahlungen mit offenen Posten abzugleichen. Das Format bestimmt, welche Referenzen vorliegen und wie viel Verwendungstext mitkommt. Der Abgleich verknüpft die Buchung mit dem offenen Posten über die Referenz; je strukturierte die Referenz vorliegt, desto weniger Interpretation braucht der Abgleich. camt.053 ist das ISO-20022-Format für Bank-Kunden-Kontoauszüge; MT940 ist das SWIFT-Format, das in Deutschland zum November 2025 aus dem DK-Regelwerk fällt. Die Auswahl ist keine Frage der Überlegenheit, sondern der Bank und des Abgleichbedarfs. Die Wahl betrifft den Import, nicht die Buchung: Das ERP bucht die Zahlung, das Format liefert die Referenz für den Abgleich. Wer beide Formate einliest, ist unabhängig davon, welches die Bank liefert.
Die zwei Formate im Überblick
camt.053 (BankToCustomerStatement) ist eine XML-Nachricht nach ISO 20022; das DK-Regelwerk spezifiziert die Version camt.053.001.08. Sie wird vom Konto-Institut an den Kontoinhaber oder eine autorisierte Partei gesendet und enthält die gebuchten Buchungen sowie Saldo-Informationen. Die Nachricht kann mehrere Konten enthalten und liefert die Buchungen für einen Zeitraum, etwa den Vortag oder den Tag. Der Saldo steht pro Konto; die Buchungen stehen im Element Ntry. Die Buchung kann strukturierte Referenzelemente tragen: End-to-End-ID, Mandats-ID, Gläubigerreferenz, UETR; diese sind optionale XML-Elemente, deren Lieferung von Zahlung und Bank abhängt. Die unstrukturierte Verwendung steht im Element Ustrd (Datentyp Max140Text, je Element bis 140 Zeichen). Die End-to-End-ID wird unverändert durch die gesamte Zahlungs-Kette weitergegeben; sie dient als Abgleichschlüssel. Die Mandats-ID verknüpft die Buchung mit dem Lastschriftmandat, die Gläubigerreferenz mit dem Dokument des Gläubigers. Daneben gibt es eine strukturierte Verwendung, die die Referenz in festen Feldern abbildet.
MT940 ist eine SWIFT-Nachricht, tag-basiert in Blöcke (Header, Transaction, End) aufgebaut. Tag 61 trägt die Buchung mit Unterfeldern, darunter die Referenz des Kontoinhabers und die Referenz des Kontoinstituts; Tag 86 trägt zusätzliche Informationen, die als Freitext oder als strukturierte Labels (z. B. /EREF/, /MARF/, /CSID/) vorliegen. Der Anfangssaldo steht in Tag 60F/M, der Schlusssaldo in Tag 62F/M; Tag 28C trägt die Auszugs- und Sequenznummer. Der Parser muss die Felder zerlegen und je nach Bank die Labels und den Freitext interpretieren.
Woran Sie das Format erkennen
camt.053 ist eine XML-Datei. Maßgeblich ist das Element BkToCstmrStmt samt Namespace; die XML-Erklärung am Datei-Anfang ist möglich, aber nicht zwingend. Die Buchungen stehen im Element Ntry, die Verwendung im Element RmtInf. MT940 ist eine Textdatei mit tag-basierten Feldern: :61: für die Buchung, :86: für die zusätzlichen Informationen, :28C: für die Auszugsnummer. Felder können mehrere Zeilen umfassen; Fortsetzungszeilen beginnen nicht mit einem neuen Tag. Wer die Datei öffnet, erkennt das Format an der Struktur: XML mit Elementen ist camt.053, Zeilen mit Tags ist MT940.
Diese Kriterien zählen
Vier Kriterien strukturieren die Wahl; jedes lässt sich ohne Anbieterangaben prüfen.
| Kriterium | camt.053 (ISO 20022) | MT940 (SWIFT) |
|---|---|---|
| Informationsgehalt | XML, strukturierte Buchungen mit Referenzelementen, Saldo, optional Zusatzinformationen | tag-basiert, Tag 61 (Buchung) und Tag 86 (zusätzliche Informationen), Anfangssaldo in Tag 60F/M, Schlusssaldo in Tag 62F/M |
| Verwendungslänge | unstrukturiert je Ustrd-Element bis 140 Zeichen (Max140Text); zusätzlich strukturierte Verwendung möglich | Freitext in Tag 86, bis zu 6 Zeilen à 65 Zeichen |
| SEPA-Referenzen | strukturiert: End-to-End-ID, Mandats-ID, Gläubigerreferenz, UETR (optionale XML-Elemente) | Referenzen in den Unterfeldern von Tag 61 und/oder als strukturierte Labels in Tag 86, daneben Freitext |
| Bankunterstützung | ISO-20022-Standard für Bank-Kunden-Kontoauszüge; ob Ihre Bank es liefert, klären Sie bei der Bank | SWIFT-Format; in Deutschland fällt es zum November 2025 aus dem DK-Regelwerk; ob Ihre Bank es liefert, klären Sie bei der Bank |
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen: dem Parser, der das Format einliest; der Wartung, wenn sich das Format oder die Bank-Implementierung ändert; und dem Abgleich, der die Referenzen mit offenen Posten verknüpft. camt.053 ist XML und strukturiert, der Parser liest die Referenzelemente direkt aus. MT940 ist zeilenbasiert, der Parser muss Tag 61 und Tag 86 zerlegen und die Labels und den Freitext von Tag 86 in die offenen Posten auflösen. Je strukturierte die Referenzen vorliegen, desto weniger Interpretation braucht der Abgleich. Die Kosten hängen vom Volumen ab: Je mehr Buchungen pro Tag, desto mehr muss der Parser verarbeiten. Die Wartung hängt davon ab, wie die Bank die Felder befüllt; bei MT940 können Bank-Implementierungen die Labels und den Freitext von Tag 86 unterschiedlich befüllen, was den Parser anpassen kann. Prüfen Sie das am konkreten Bankprofil. Ein Wechsel der Bank kann das Format ändern; der Parser muss dann mitziehen.
Warnsignale
Ein Anbieter, der ein Format unterstützt, ohne das andere zu nennen, schränkt die Bankwahl ein. Prüfen Sie, ob der Parser die strukturierten Labels von Tag 86 und die Unterfelder von Tag 61 auswertet, wenn die Bank sie liefert. Prüfen Sie, ob der Parser den Freitext von Tag 86 in die offenen Posten auflöst, wenn die Bank ihn liefert.
Welches Format für welchen Betrieb
Die folgende Zuordnung ist eine redaktionelle Einschätzung; sie steht nicht in den geöffneten Standards.
| Situation | Was zählt |
|---|---|
| SEPA-Bank mit camt.053-Standard | camt.053: strukturierte Referenzelemente, direkter Abgleich |
| Bank liefert nur MT940 | MT940-Parser nötig; Abgleich über die Referenzfelder von Tag 61 und die Labels von Tag 86 |
| Hoher Abgleichbedarf (große Zahl offener Posten) | camt.053: strukturierte Referenzelemente reduzieren Interpretation |
| Mehrere Banken, gemischte Formate | Parser für beide Formate; Abgleich über gemeinsame Referenz |
| Lastschriften im Bestand | camt.053: Mandats-ID verknüpft Buchung mit Mandat, wenn die Bank sie liefert |
So migrieren Sie (Checkliste)
Ein Wechsel des Formats ist ein Projekt mit festem Zeitpunkt.
- Ermitteln Sie das Format, das Ihre Bank als Standard liefert (camt.053 oder MT940).
- Prüfen Sie, ob Ihr ERP beide Formate einliest; falls nicht, klären Sie den Parserbedarf.
- Vergleichen Sie die Referenzelemente: camt.053 liefert Referenzen als benannte XML-Elemente, MT940 als Unterfelder von Tag 61 und Labels von Tag 86.
- Testen Sie den Abgleich mit echten Kontoauszügen: prüfen Sie, ob die Verwendung und Referenzen korrekt zugeordnet werden.
- Dokumentieren Sie die Formatwahl und den Parser in der Verfahrensdokumentation.
- Planen Sie die Wartung: Bank-Implementierungen ändern sich, der Parser muss mitziehen.