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Deckungsbeitrag berechnen: einstufig, mehrstufig, pro Engpass

Aktualisiert:

Gilt für: Versionunabhängige Kalkulation für die Kostenrechnung in Deutschland, Österreich und der Schweiz; keine Produkt- oder Versionsbindung.

Kurz gesagt

Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz abzüglich der variablen Kosten. Einstufig (DB I) deckt er die Fixkosten des Betriebs, mehrstufig (DB II, III) zieht er zusätzlich produktbezogene Fixkosten und der Produktlinie zurechenbare Gemeinfixkosten ab; Unternehmensfixkosten bleiben auf Unternehmensebene. Bei positivem, konstantem Stückdeckungsbeitrag und gleichbleibenden Fixkosten im betrachteten Mengenbereich ergibt sich die Gewinnschwelle aus den Fixkosten geteilt durch den Deckungsbeitrag je Einheit.

Das Wichtigste

  • DB I = Umsatz − variable Kosten; er deckt die Fixkosten des Betriebs.
  • DB II = DB I − produktbezogene Fixkosten; DB III = DB II − der Produktlinie zurechenbare Gemeinfixkosten; Unternehmensfixkosten bleiben auf Unternehmensebene.
  • Gewinnschwelle = Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag je Einheit, bei positivem, konstantem Stückdeckungsbeitrag und gleichbleibenden Fixkosten im betrachteten Mengenbereich (Beispielrechnung: 4.500 Stück).
  • Pro Engpass: der Deckungsbeitrag je Engpassstunde zeigt, welches Produkt bei knapper Kapazität priorisiert wird.
  • Der Deckungsbeitrag ist ein Begriff der internen Kostenrechnung, nicht der Finanzbuchhaltung.

Wer den Deckungsbeitrag einer Produktlinie, eines Kunden oder eines Auftrags kennt, weiß, wie viel dieser zur Deckung der Fixkosten beiträgt und ob er Gewinn stiftet. Die Rechnung folgt einem festen Schema: variable Kosten vom Umsatz abziehen, dann Fixkosten stufenweise abziehen. Alle Zahlen unten sind erfundene Annahmen für eine Beispielrechnung.

Was Sie vorab brauchen

Halten Sie die folgenden Angaben bereit, bevor Sie rechnen:

  • den Nettoverkaufspreis je Einheit in Euro.
  • die variablen Kosten je Einheit in Euro, aufgeteilt in Material, Fertigung und Vertrieb.
  • die produktbezogenen Fixkosten des Jahres in Euro, also Kosten, die nur für diese Produktlinie anfallen.
  • die der Produktlinie zurechenbaren Gemeinfixkosten in Euro, etwa ein dediziertes Team oder eine dedizierte Werbekampagne; Unternehmensfixkosten, die keiner Produktlinie zurechenbar sind, bleiben auf Unternehmensebene.
  • die geplante Absatzmenge in Stück.
  • bei Engpass: die Engpassstunden je Einheit und die verfügbaren Engpassstunden.

Die Fixkosten sind die Kosten, die unabhängig von der Absatzmenge anfallen, etwa Miete, Leasingraten, Versicherungen und Grundstrom. Die variablen Kosten fallen nur im Zusammenhang mit der Produktion an, etwa Wareneinkauf, Fertigungslöhne und variable Vertriebskosten. Das SECO-KMU-Portal führt dieselbe Trennung.

Schritt für Schritt: Deckungsbeitrag I, II und III

Schritt 1: Variable Kosten je Einheit ermitteln

Addieren Sie alle Kosten, die mit jeder verkauften Einheit steigen: Material, Fertigungslöhne und variable Vertriebskosten. Ziehen Sie die Summe vom Nettoverkaufspreis ab.

  • Ergebnis: Deckungsbeitrag I je Einheit in Euro (Beispiel: 100 Euro Preis minus 60 Euro variable Kosten ergibt 40 Euro).

Schritt 2: Deckungsbeitrag I der Periode berechnen

Multiplizieren Sie den Deckungsbeitrag je Einheit mit der Absatzmenge. Das Ergebnis ist der Deckungsbeitrag I der Periode; er deckt die Fixkosten des Betriebs.

  • Ergebnis: Deckungsbeitrag I in Euro (Beispiel: 6.000 Stück mal 40 Euro ergibt 240.000 Euro).

Schritt 3: Produktbezogene Fixkosten abziehen

Ziehen Sie vom Deckungsbeitrag I die Fixkosten ab, die nur für diese Produktlinie anfallen, etwa die Abschreibung einer dedizierten Maschine oder ein dediziertes Team. Das Ergebnis ist der Deckungsbeitrag II.

  • Ergebnis: Deckungsbeitrag II in Euro (Beispiel: 240.000 Euro minus 60.000 Euro ergibt 180.000 Euro).

Schritt 4: Gemeinfixkosten zuordnen und abziehen

Ziehen Sie vom Deckungsbeitrag II die Gemeinfixkosten ab, die der Produktlinie zurechenbar sind, etwa eine dedizierte Werbekampagne oder ein dediziertes Vertriebsbüro. Das Ergebnis ist der Deckungsbeitrag III. Gemeinfixkosten, die keiner Produktlinie zurechenbar sind, bleiben in der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung auf Unternehmensebene; eine Verteilung mit einem Schlüssel, etwa nach Umsatz oder nach Maschinenstunden, ist eine zusätzliche Vollkostenbetrachtung, kein Schritt der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung.

  • Ergebnis: Deckungsbeitrag III in Euro (Beispiel: 180.000 Euro minus 120.000 Euro ergibt 60.000 Euro).

Schritt 5: Gewinnschwelle berechnen

Voraussetzung ist ein positiver, konstanter Stückdeckungsbeitrag und gleichbleibende Fixkosten im betrachteten Mengenbereich. Teilen Sie die Summe der Fixkosten der Produktlinie durch den Deckungsbeitrag je Einheit. Das Ergebnis ist die Gewinnschwelle, also die Absatzmenge, ab der die Produktlinie kostendeckend arbeitet.

  • Ergebnis: Gewinnschwelle in Stück (Beispiel: 180.000 Euro Fixkosten geteilt durch 40 Euro ergibt 4.500 Stück).

Schritt 6: Deckungsbeitrag pro Engpass berechnen

Teilen Sie den Deckungsbeitrag je Einheit durch die Engpassstunden je Einheit. Das Ergebnis zeigt, wie viel Deckungsbeitrag eine Engpassstunde mit diesem Produkt erwirtschaftet. Bei knapper Kapazität priorisieren Sie das Produkt mit dem höheren Wert.

  • Ergebnis: Deckungsbeitrag je Engpassstunde in Euro (Beispiel: 40 Euro geteilt durch 2 Stunden ergibt 20 Euro je Stunde).

Beispielrechnung: eine Produktlinie

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen. Eine Produktlinie verkauft 6.000 Stück im Jahr zum Nettoverkaufspreis von 100 Euro je Stück.

Angabe Wert
Nettoverkaufspreis je Stück 100 Euro
variable Kosten je Stück (Material 40, Fertigung 15, Vertrieb 5) 60 Euro
Deckungsbeitrag I je Stück (100 − 60) 40 Euro
Deckungsbeitrag I-Satz (40 ÷ 100) 40 Prozent
Absatzmenge 6.000 Stück
Deckungsbeitrag I der Periode (6.000 × 40) 240.000 Euro
produktbezogene Fixkosten (Jahr) 60.000 Euro
Deckungsbeitrag II (240.000 − 60.000) 180.000 Euro
der Produktlinie zurechenbare Gemeinfixkosten (Jahr) 120.000 Euro
Deckungsbeitrag III (180.000 − 120.000) 60.000 Euro
Summe der Fixkosten (60.000 + 120.000) 180.000 Euro
Gewinnschwelle (180.000 ÷ 40) 4.500 Stück

Bei 4.500 verkauften Stück deckt der Deckungsbeitrag I von 180.000 Euro (4.500 × 40) genau die Fixkosten von 180.000 Euro; der Deckungsbeitrag III ist null. Ab dem 4.501. Stück ist der Deckungsbeitrag III positiv. Der Unternehmensgewinn ergibt sich erst nach Abzug der auf Unternehmensebene verbleibenden Fixkosten.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Summenprobe: variable Kosten plus Fixkosten ergeben die Gesamtkosten; jeder Kostenblock steht nur einmal darin.
  • Gewinnschwellenprobe: Bei der Gewinnschwelle ist der Deckungsbeitrag III null; ein Stück darüber ergibt den Deckungsbeitrag je Stück.
  • Engpassprobe: Bei vollständiger Auslastung der Engpasskapazität mit diesem Produkt, ausreichendem Absatz und ohne weitere bindende Beschränkung ergibt der Deckungsbeitrag je Engpassstunde mal die verfügbaren Engpassstunden den maximalen Deckungsbeitrag der Periode aus diesem Produkt.
  • Satzprobe: Der Deckungsbeitrag I-Satz mal der Umsatz ergibt den Deckungsbeitrag I der Periode.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Mögliche Ursache Lösung
Der Deckungsbeitrag III ist negativ, obwohl der Umsatz hoch ist variable Kosten zu hoch angesetzt (zusätzlich angesetzte 10 Euro je Stück senken bei 6.000 Stück den Perioden-DB um 60.000 Euro) oder Gemeinfixkosten zu hoch zugeordnet variable Kosten je Einheit nachrechnen und die Zurechnung der Gemeinfixkosten prüfen
Die Gewinnschwelle liegt über der geplanten Absatzmenge Fixkosten zu hoch oder Deckungsbeitrag je Stück zu niedrig Fixkosten senken, Preis erhöhen oder variable Kosten reduzieren
Zwei Produkte haben verschiedene Deckungsbeiträge je Stück, aber dasselbe Ergebnis pro Engpassstunde kein Fehler: verschiedene Stückdeckungsbeiträge und Engpassstunden können denselben Wert je Engpassstunde ergeben (40 Euro ÷ 2 Stunden = 60 Euro ÷ 3 Stunden = 20 Euro je Stunde) Engpassstunden je Stück nachrechnen; bei Gleichstand sind beide Produkte für die Priorisierung gleichwertig
Der Deckungsbeitrag springt von Periode zu Periode stark variable Kosten nicht konstant je Stück die Kostenspaltung prüfen und semivariable Kosten trennen

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Ihre Steuer- oder Treuhandberatung, wenn die Kostenspaltung in die Buchhaltung und den Jahresabschluss hineinreicht, etwa bei der Abgrenzung von fixen und variablen Gemeinkosten. Die Softwarebetreuung brauchen Sie, wenn das ERP die variablen Kosten nur summarisch ohne eindeutigen Produkt- oder Mengenbezug ausweist; dann lässt sich der Deckungsbeitrag je Stück nicht ableiten. Summarische Werte mit eindeutigem Produkt- und Mengenbezug genügen: Im Beispiel ergeben 360.000 Euro variable Kosten geteilt durch 6.000 Stück 60 Euro je Stück.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag und Gewinn?

Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz abzüglich der variablen Kosten. Der Gewinn ist der Deckungsbeitrag abzüglich aller Fixkosten. Liegt der Deckungsbeitrag unter den Fixkosten, entsteht ein Verlust; liegt er darüber, entsteht Gewinn.

Berechne ich den Deckungsbeitrag pro Stück oder pro Periode?

Beides. Pro Stück ergibt sich der Deckungsbeitrag je Einheit, pro Periode die Summe über alle verkauften Einheiten. Für die Gewinnschwelle brauchen Sie den Deckungsbeitrag je Einheit und die Fixkosten der Periode; Voraussetzung ist ein positiver, konstanter Stückdeckungsbeitrag und gleichbleibende Fixkosten im betrachteten Mengenbereich.

Warum pro Engpass rechnen?

Wenn eine Kapazität knapper ist als die Nachfrage, entscheidet der Deckungsbeitrag je Engpassstunde, welches Produkt priorisiert wird. Maßgeblich ist nicht das Produkt mit dem höchsten Deckungsbeitrag je Stück, sondern das mit dem höchsten je Engpassstunde.

Quellen

  1. Betriebskalkulation und Deckungsbeitrag (fixe und variable Kosten; Deckungsbeitrag aus Umsatz abzüglich variabler Kosten; der Deckungsbeitragssatz soll den Fixkostenanteil decken; Gewinnschwelle)Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), KMU-Portal der Schweizerischen Eidgenossenschaft · abgerufen am
  2. Marketing-Controlling, Abschnitt 2.3.4 Absatzsegmentrechnung auf Basis der stufenweisen Teilkostenrechnung (Folien 82–88: Fixkosten werden der Hierarchieebene zugerechnet, auf der sie entstanden sind; mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung Deckungsbeitrag I bis VI; Unternehmensfixkosten bleiben auf Unternehmensebene)Universität Greifswald, Lehrstuhl für BWL; insb. Marketing · abgerufen am
  3. Deckungsbeitragsrechnung (DB = Erlöse − variable Kosten; absoluter und relativer Deckungsbeitrag; relativer Deckungsbeitrag bei Engpass mit Faktor Zeit)Universität zu Köln, Dezernat 6 – Wirtschaft und Finanzen · abgerufen am