Bankanbindung des ERP: EBICS, FinTS und PSD2-Schnittstelle
Kurz gesagt
ERP und Bank verbinden Sie über einen von vier Wegen: EBICS und FinTS als Bankstandards für Zahlungen und Kontoauszüge, den PSD2-Kontoinformationsdienst für das Auslesen von Kontodaten aus online zugänglichen Zahlungskonten über einen zur Erbringung berechtigten Zahlungsdienstleister, oder den Dateiupload als bankseitiges Formular. EBICS und FinTS binden nicht durch Gesetz, sondern über die Vereinbarung mit Ihrer Bank. PSD2 ist eine EU-Richtlinie, die Deutschland und Österreich national umsetzen; in der Schweiz gilt sie nicht, weil die Schweiz nicht zur EU gehört.
Das Wichtigste
- EBICS und FinTS sind Standards der Deutschen Kreditwirtschaft, kein Gesetz; sie binden über die Vereinbarung mit Ihrer Bank.
- PSD2 (Richtlinie (EU) 2015/2366) verpflichtet in der EU, bei online zugänglichen Zahlungskonten den Zugang zu Kontoinformationsdiensten zu ermöglichen; in der Schweiz gilt sie nicht.
- In Deutschland registriert die Bundesanstalt nach § 34 ZAG nur Anbieter, die ausschließlich Kontoinformationsdienste erbringen; zugelassene Zahlungsinstitute und Kreditinstitute können die Dienste ebenfalls anbieten.
- Der Kontoinformationsdienst nach PSD2 liest Kontodaten aus; Zahlungen laufen über ihn nicht.
- Der Dateiupload läuft über das Online-Banking-Formular der Bank; die Freigabe je Zahlung hängt vom Bankangebot ab.
- Für die Schweiz gilt: PSD2 nicht, EBICS und FinTS je nach Bankangebot.
Worum es bei der Auswahl geht
Ihr ERP soll Zahlungen an die Bank übergeben und Kontoauszüge von ihr lesen. Dafür gibt es vier Wege, die sich im Sicherheitsmodell, im Aufwand und im Einsatzfall unterscheiden. Die Wahl hängt davon ab, was Ihre Bank anbietet, was Ihr ERP unterstützt und ob Sie Kontodaten nur lesen oder auch Zahlungen senden wollen.
Die vier Wege im Vergleich
Die Tabelle zeigt die vier Wege nach Sicherheitsmodell, Einrichtungsbedarf und typischem Einsatz.
| Weg | Sicherheitsmodell | Einrichtungsbedarf | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| EBICS | XML-Nachrichten über dedizierten Bankserver, TLS und elektronische Signaturen mit Schlüsselverwaltung | Bank muss EBICS anbieten; ERP muss EBICS-Modul haben | Zahlungen und Kontoauszüge in einem Standard |
| FinTS | FinTS 3.0: SECCOS-Signaturkarte und TAN-Verfahren; FinTS 4.1: HTTPS mit XML | Bank muss FinTS anbieten; ERP muss FinTS-Modul haben | Zahlungen und Kontoauszüge, Nachfolger von HBCI |
| PSD2-Kontoinformationsdienst | Zahlungsdienstleister, der Kontoinformationsdienste erbringt (reine Anbieter registrierungspflichtig), ausdrückliche Einwilligung des Kunden | Dienstleister-Vertrag, Einwilligung, ERP-Modul für Kontodaten | Nur Kontodaten lesen, keine Zahlungen |
| Dateiupload | Bank-Formular im Browser, Freigabe je nach Bankangebot | Keine technische Anbindung, nur Bankzugang | Kleine Betriebe, wenige Zahlungen |
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Kosten unterscheiden sich je Weg und je Anbieter. Fragen Sie Ihre Bank nach den Einrichtungs- und laufenden Kosten für EBICS und FinTS, nach dem Entgeltmodell des PSD2-Dienstleisters und nach den Kosten des Dateiuploads. Auch die Freigabe von Zahlungen im Browser ist bankabhängig: ob je Zahlung oder in Sammelverfahren, zeigt das Angebot Ihrer Bank.
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Bank bietet weder EBICS noch FinTS an.
- Der PSD2-Dienstleister verlangt eine Einwilligung, die nicht widerrufbar ist.
- Das ERP-Modul unterstützt nur einen der beiden Bankstandards.
- Die Bank berechnet je Zahlung eine Gebühr, die im Vertrag nicht steht.
Welche Kriterien für welchen Betrieb
| Betrieb | Kriterium mit dem größten Gewicht | Grund |
|---|---|---|
| Handel mit vielen Zahlungen | EBICS oder FinTS | Zahlungen und Kontoauszüge in einem Standard |
| Dienstleister mit wenigen Zahlungen | Dateiupload | Kein technischer Aufwand |
| Betrieb, der nur Kontodaten liest | PSD2 | Nur Lesezugriff, keine Zahlungen |
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Fragen Sie Ihre Bank, welche Standards sie anbietet.
- Prüfen Sie, was Ihr ERP unterstützt.
- Vergleichen Sie die Kosten je Weg.
- Prüfen Sie die Sicherheitsmodelle.
- Entscheiden Sie, welcher Weg zu Ihrem Betrieb passt.