DE · AT · CHAnleitung

KI-Absatzprognose: Wie gut ist sie und wie messe ich das?

Aktualisiert:

Gilt für: Versionunabhängige Rechnung für Deutschland, Österreich und die Schweiz; Beispielzahlen sind erfunden, keine Produkt- oder Versionsbindung.

Kurz gesagt

Ob eine Absatzprognose gut ist, zeigt erst der Vergleich: Messen Sie den Fehler der Prognose und den Fehler einer einfachen Basis wie dem gleitenden Mittelwert der vier Vorwochen über dieselben Wochen. Liegt die mittlere absolute Abweichung der Prognose unter der der Basis, ist sie besser; verglichen werden die Prognosewerte, die das System damals ausgegeben hat. Die Rechnung gilt im DACH-Raum gleich.

Das Wichtigste

  • Der Fehler einer Woche ist Ist minus Prognose in Stück; positiv heißt Unterschätzung.
  • MAPE ist der Mittelwert der absoluten Wochenabweichung im Verhältnis zum Ist-Absatz derselben Woche, in Prozent.
  • Der mittlere Fehler (Bias) zeigt die Richtung; er kann null sein, obwohl jede Woche abweicht.
  • Relativer Fehler = MAE der Prognose geteilt durch MAE derselben Wochen bei der Basis; unter 1 ist besser.
  • Eine Woche ohne Absatz macht MAPE unbrauchbar, weil durch null geteilt würde.

Eine Prognosezahl allein trägt keine Aussage. Ob die Absatzprognose im ERP brauchbar ist, entscheidet sich erst im Vergleich mit einem Verfahren, das jeder Betrieb ohne Modell rechnen kann. Diese Anleitung führt den Vergleich über zwölf Wochen an einem erfundenen Artikel vor.

Was Sie vorab brauchen

  • den Absatz je Woche in Stück, auf derselben Ebene, auf der die Prognose ausgegeben wird: Artikel, Lagerort, Verkaufskanal.
  • die Prognosewerte mit dem Datum des Rechenlaufs, aus dem sie stammen; später überschriebene oder nachträglich geglättete Werte verfälschen den Vergleich.
  • vier Vorlaufwochen für die Basis und zwölf Messwochen, die nicht von Sonderfällen geprägt sind, etwa Auslistung oder einmalige Aktion.
  • eine Regel für Rückgaben und Storni, die über den ganzen Zeitraum gleich angewendet wird.
  • eine Tabellenkalkulation oder einen Bericht; alle Kennzahlen unten sind Summen und Mittelwerte.

Welche Kennzahlen die Prognose beschreiben

Der Fehler einer Woche ist die Differenz aus Ist und Prognose in Stück; positiv heißt, die Prognose war zu niedrig.

Kennzahl Formel und Einheit Was sie zeigt
Mittlerer Fehler (Bias) Summe (Ist − Prognose) ÷ n, Stück die Richtung: positiv ist Unterschätzung, negativ Überschätzung
Mittlerer absoluter Fehler (MAE) Summe |Ist − Prognose| ÷ n, Stück die durchschnittliche Abweichung ohne Richtung
Mittlerer absoluter prozentualer Fehler (MAPE) Summe (|Ist − Prognose| ÷ Ist) ÷ n × 100, Prozent die Abweichung im Verhältnis zum Absatz der Woche
Relativer Fehler (RelMAE) MAE Prognose ÷ MAE Basis, ohne Einheit unter 1 besser als die Basis, über 1 schlechter

n ist die Zahl der Messwochen. Bias und MAE sagen Verschiedenes: Ein Verfahren kann in jeder Woche danebenliegen und trotzdem einen Bias von null haben, wenn sich Über- und Unterschätzung aufheben.

MAPE hat zwei Grenzen: Er ist nicht definiert oder unendlich, wenn der Ist-Absatz einer Woche null ist, und er wird extrem groß, wenn einzelne Ist-Werte klein sind (Hyndman & Koehler 2006, Abschnitt 2.2; das offene Lehrbuch Forecasting: Principles and Practice, 3. Auflage, im Folgenden fpp3, Abschnitt 5.8). Prozentfehler gewichten Abweichungen außerdem nicht gleich: Bei einem Ist-Absatz von 100 Stück ergeben 200 Stück Prognose 100 Prozent Fehler, 50 Stück Prognose nur 50 Prozent (fpp3, Abschnitt 5.8).

Als Basis dient im Beispiel der gleitende Mittelwert der vier Vorwochen, also das Mittel von vier aufeinanderfolgenden Wochenwerten (gleitender Mittelwert der Ordnung 4; fpp3, Abschnitt 3.3). Die Fachliteratur führt als einfache Vergleichsverfahren den Mittelwert aller Beobachtungen, die naive Prognose mit dem letzten Beobachtungswert, bei Saisondaten die saisonal naive Prognose und die Drift-Prognose (fpp3, Abschnitt 5.2); die naive Prognose ist das gebräuchlichste Vergleichsverfahren (Hyndman & Koehler 2006, Abschnitt 2.4). Der Vergleich mit einer selbst gewählten Basis wie diesem gleitenden Mittelwert ist der relative Fehler RelMAE: der mittlere absolute Fehler der Prognose geteilt durch den mittleren absoluten Fehler der Basis über dieselben Messwochen, unter 1 besser. Die Basis ist frei wählbar; auch mit der naiven Prognose als Basis bleibt es dieser Vergleich über die Messwochen, die Rechnung ändert sich nicht. Eine eigene Kennzahl ist dagegen MASE: Sie bezieht den mittleren absoluten Fehler der Prognose auf den mittleren absoluten Ein-Schritt-Fehler der naiven Prognose in der Trainingsreihe, also nicht auf eine Vergleichsprognose im Messzeitraum; unter 1 ist die Prognose besser als diese naive Prognose (Hyndman & Koehler 2006, Abschnitte 2.4 und 3; fpp3, Abschnitt 5.8).

Schritt für Schritt: Prognose und Basis vergleichen

Schritt 1: Zeitraum und Einheit festlegen

Legen Sie Zeitraum, Ebene und Einheit fest. Im Beispiel sind es ein Artikel, zwölf Wochen, Einheit Stück. Notieren Sie Startwoche und Rechenlauf der Prognosewerte; sonst vergleichen Sie später zwei Modelle.

  • Ergebnis: Zeitraum, Ebene, Einheit und Rechenlauf im Prüfblatt.

Schritt 2: Ist-Werte und damalige Prognosewerte nebeneinanderstellen

Tragen Sie je Woche den Ist-Absatz und den Prognosewert ein, den das System für diese Woche ausgegeben hat. Bei mehreren Rechenläufen je Woche wählen Sie den für die Planung maßgeblichen und behalten diese Wahl bei.

  • Ergebnis: eine Tabelle mit Ist-Spalte und Prognosespalte je Woche.

Schritt 3: Basisprognose rechnen

Bilden Sie für jede Messwoche den Mittelwert des Absatzes der vier Wochen davor, gerundet auf volle Stück. Behalten Sie die Basis für alle Wochen dieselbe, sonst vergleichen Sie wechselnde Maßstäbe.

  • Ergebnis: eine Spalte mit der Basisprognose je Woche.

Schritt 4: Fehler je Woche bilden

Ziehen Sie in jeder Zeile den Prognosewert vom Ist-Wert ab, getrennt für Prognose und Basis. Notieren Sie Wochen mit sehr großem Fehler, bevor Sie Mittelwerte bilden.

  • Ergebnis: zwei Fehlerspalten in Stück.

Schritt 5: Kennzahlen rechnen

Bilden Sie aus den Fehlerspalten die Mittelwerte und Summen der Übersicht. Für den relativen Fehler teilen Sie den mittleren absoluten Fehler der Prognose durch den der Basis.

  • Ergebnis: je Kennzahl ein Wert für Prognose und Basis.

Schritt 6: Ergebnis lesen und wiederholen

Vergleichen Sie zuerst den relativen Fehler, dann den Bias beider Reihen. Unter 1 ist die Prognose in diesem Zeitraum besser als die Basis, bei 1 oder darüber nicht. Wiederholen Sie die Rechnung mit einem zweiten Zeitraum.

  • Ergebnis: zwei Zahlenreihen für die Entscheidung.

Beispielrechnung: zwölf Wochen gegen den gleitenden Mittelwert

Beispielrechnung mit erfundenen Zahlen: ein Artikel, der Wochenabsatz liegt zwischen 214 und 279 Stück, die vier Vorlaufwochen (Woche 1 bis 4) haben 179, 195, 210 und 204 Stück. Die Basis ist der auf volle Stück gerundete Mittelwert der vier Vorwochen.

Woche Ist (Stück) Prognose (Stück) Basis (Stück) Fehler Prognose (Stück) Fehler Basis (Stück)
5 220 212 197 8 23
6 229 236 207 −7 22
7 214 209 216 5 −2
8 238 252 217 −14 21
9 252 258 225 −6 27
10 236 229 233 7 3
11 247 241 235 6 12
12 261 272 243 −11 18
13 255 262 249 −7 6
14 270 276 250 −6 20
15 263 258 258 5 5
16 279 292 262 −13 17
Summe 2.964 2.997 2.792 −33 172

Aus diesen zwölf Wochen ergeben sich die Kennzahlen.

Kennzahl Prognose Basis
Mittlerer absoluter Fehler (Stück) 7,9 14,7
Mittlerer Fehler, Bias (Stück) −2,8 14,3
MAPE (Prozent) 3,2 5,9
Relativer Fehler (ohne Einheit) 0,54 1,00

Nachgerechnet: Die Prognose weicht in zwölf Wochen mit zusammen 95 Stück ab, 95 ÷ 12 = 7,92 Stück; die Basis mit 176 Stück, 176 ÷ 12 = 14,67 Stück. Der relative Fehler ist 7,92 ÷ 14,67 = 0,54. Die Summe der Prognosefehler beträgt −33 Stück, der Bias −2,75 Stück; die Prognose lag in sieben der zwölf Wochen zu hoch. Die Basis weicht mit 172 Stück nach oben ab, Bias 14,33 Stück, weil der gleitende Mittelwert bei steigendem Absatz dem Ist nachläuft. Für MAPE teilt man die absolute Abweichung jeder Woche durch den Ist-Absatz dieser Woche; über die zwölf Wochen ergibt das 3,2 Prozent für die Prognose und 5,9 Prozent für die Basis.

Nach der mittleren Abweichung ist die Prognose besser als die Basis, liegt aber in sieben von zwölf Wochen zu hoch. Eine kleinere Abweichung mit deutlichem Bias ist ein Fall für eine Prüfung der Prognoseparameter, nicht für einen Abbruch des Vergleichs.

So prüfen Sie das Ergebnis

  • Summenprobe: Summe Ist minus Summe Prognose ergibt die Summe der Fehler: 2.964 − 2.997 = −33.
  • Basisprobe: Woche 8: (204 + 220 + 229 + 214) ÷ 4 = 216,75, gerundet 217 Stück.
  • Verhältnisprobe: 0,54 × 14,67 = 7,92 ergibt den MAE der Prognose.
  • Zeitraumprobe: Rechnen Sie ein zweites Fenster; erst wenn beide in dieselbe Richtung zeigen, tragen Sie die Aussage weiter.

Wenn etwas nicht klappt

Symptom Mögliche Ursache Lösung
MAPE lässt sich nicht berechnen In einer Woche war der Ist-Absatz null; die Division ist nicht definiert MAPE weglassen und MAE und den relativen Fehler rechnen
Der relative Fehler liegt bei 1 Prognose und Basis sind im Messzeitraum gleich gut Zeitraum verlängern, zweites Fenster rechnen, je Artikelgruppe trennen
Der Bias der Prognose ist groß und negativ Die Prognose liegt systematisch über dem Absatz Wochenfehler ansehen, Sonderwochen kennzeichnen und die Rechnung mit und ohne sie vergleichen
Der Bias der Basis ist groß und positiv Der gleitende Mittelwert läuft einem steigenden Absatz nach Kein Fehler der Prognose; als zweite Basis die Vorwoche nachrechnen
Einzelne Wochen dominieren das Ergebnis Ausreißer wie Lieferengpass oder einmalige Aktion Ausreißer kennzeichnen und mit und ohne sie rechnen
Die Werte weichen von den Berichten im ERP ab anderer Datenstand oder andere Filter Datenstand und Abgrenzung beider Quellen notieren

Wann Sie Hilfe holen sollten

Holen Sie Unterstützung, wenn der Absatz viele Nullwochen enthält, etwa bei Artikeln, die nur in einzelnen Wochen verkauft werden (Ersatzteile, Saisonware): Nullwerte im Ist-Absatz treten dort so häufig auf, dass MAPE nicht verwendbar ist (Hyndman & Koehler 2006, Abschnitt 2.2). Fragen Sie auch nach, wenn die Prognose aus einem Dienst außerhalb Ihres Systems kommt: Lassen Sie sich schriftlich geben, welche Daten und welcher Datenstand eingehen und wie Rückgaben und Aktionen behandelt werden. Für die Frage, wie viel Bestand Sie aus der Prognose ableiten, hilft die Rechnung zu Servicegrad und Lieferbereitschaft; für die Frage, ob KI-Funktionen im ERP insgesamt tragen, die Bewertung der Einsatzfelder.

Häufige Fragen

Wie viele Wochen brauche ich für den Vergleich?

So viele Messwochen, dass ein zweites Fenster daneben Platz hat, plus so viele Vorlaufwochen, wie Ihre Basis braucht. Im Beispiel sind das vier Vorlaufwochen und zwölf Messwochen. Deckt der Zeitraum nur eine Saisonphase ab, sagt das Ergebnis für das Jahr wenig; rechnen Sie dann zwei Fenster aus verschiedenen Jahreszeiten.

Was mache ich, wenn in einer Woche nichts verkauft wurde?

Für diese Woche ist der Prozentfehler nicht definiert, MAPE also nicht brauchbar. Rechnen Sie stattdessen den mittleren absoluten Fehler oder den relativen Fehler gegen die Basis; beide kommen ohne Division durch den Wochenabsatz aus. Betrachten Sie die Nullwoche zusätzlich einzeln, weil sie für die Planung oft die entscheidende ist.

Die Prognose ist besser als die Basis — kann ich die Basis weglassen?

Nicht sofort. Der Vergleich gilt für den gemessenen Zeitraum und diese Artikelgruppe. Messen Sie ein zweites Fenster und einzelne Artikelgruppen getrennt, und prüfen Sie den Bias der Prognose. Eine kleinere mittlere Abweichung mit deutlichem Bias bleibt erklärungsbedürftig.

Warum ist der Bias der Basis so groß?

Weil ein gleitender Mittelwert nur Vergangenheitswerte verarbeitet. Steigt der Absatz über die Wochen, liegt der Mittelwert der Vorwochen unter dem Ist-Absatz, der Bias wird positiv. Das ist eine Eigenschaft der Basis und kein Fehler Ihrer Prognose; prüfen Sie es, indem Sie die Vorwoche als zweite Basis nachrechnen.

Quellen

  1. Forecasting: Principles and Practice (3rd ed.), Kapitel 5: The forecaster's toolbox; Abschnitt 5.2 einfache Vergleichsverfahren (Mittelwert, naiv, saisonal naiv, Drift) und Abschnitt 5.8 Bewertung der Punktprognose (MAE, RMSE, MAPE, sMAPE, skalierte Fehler)Rob J. Hyndman und George Athanasopoulos, OTexts (offenes Lehrbuch) · abgerufen am
  2. Another look at measures of forecast accuracy (International Journal of Forecasting 22(4), 679–688); Abschnitt 2.2 prozentuale Fehler, Abschnitt 2.4 relative Maße, Abschnitt 3 skalierte Fehler und MASERob J. Hyndman und Anne B. Koehler; PDF auf der Seite des Autors · abgerufen am
  3. Forecasting: Principles and Practice (3rd ed.), Kapitel 3: Time series decomposition; Abschnitt 3.3 Moving averages (gleitender Mittelwert der Ordnung m als Mittel von m benachbarten Werten)Rob J. Hyndman und George Athanasopoulos, OTexts (offenes Lehrbuch) · abgerufen am