Integrationsplattform oder Einzelschnittstellen: Wann lohnt was?
Kurz gesagt
Ob Sie eine Integrationsplattform (iPaaS) oder direkte Schnittstellen brauchen, entscheiden drei Faktoren: die Anzahl der Systeme, die Änderungsfrequenz und Ihre internen Entwicklungsfähigkeiten. Bei zwei Systemen genügt eine direkte Schnittstelle. Ob sich ein zentraler Hub rechnet, zeigt die Break-even-Rechnung: unter der Modellannahme, dass jedes System mit jedem anderen verbunden wird, rechnet sich der Hub ab 5 Systemen — eine Beispielrechnung, keine Marktangabe.
Das Wichtigste
- Direkte Schnittstelle: zwei Systeme direkt verbunden (Punkt-zu-Punkt-Kanal, genau ein Empfänger je Nachricht); n(n-1)/2 Verbindungen nur bei Vollvermaschung.
- Hub-Architektur (Message Bus): zentraler Hub mit gemeinsamem Datenmodell, Befehlssatz und Nachrichteninfrastruktur; jedes System braucht eine Anbindung, also n Verbindungen.
- Drei Entscheidungsfaktoren: Anzahl der Systeme, Änderungsfrequenz, interne Entwicklungsfähigkeiten.
- Break-even: Bei den Beispielwerten (2.500 Euro je Schnittstelle, 10.000 Euro Plattform) rechnet sich der Hub bei Vollvermaschung ab 5 Systemen.
- Die Break-even-Rechnung ist eine Beispielrechnung mit markierten Annahmen, keine Marktangabe.
Ob Sie zwei Systeme direkt verbinden oder über eine zentrale Plattform laufen lassen, ist eine Architekturfrage. Sie lässt sich an drei Größen festmachen: der Zahl der Systeme, der Änderungsfrequenz und Ihren internen Entwicklungsfähigkeiten. Dieser Artikel liefert einen Entscheidungsbaum und eine Break-even-Rechnung, mit der Sie die Frage für Ihren Betrieb beantworten.
Worum es bei der Auswahl geht
Eine direkte Schnittstelle verbindet zwei Systeme untereinander: System A sendet an System B, System B sendet an System C. Das Buch Enterprise Integration Patterns (Hohpe und Woolf, 2003) beschreibt diese Form als Punkt-zu-Punkt-Kanal, eine Verbindung, bei der genau ein Empfänger eine Nachricht erhält.
Die hier betrachtete Hub-Architektur ist die Gegenform: ein zentraler Hub, an den sich alle Systeme anbinden. Das Buch beschreibt diese Form als Message Bus, eine Kombination aus gemeinsamem Datenmodell, gemeinsamem Befehlssatz und einer Nachrichteninfrastruktur, über die die Systeme über eine gemeinsame Schnittstelle kommunizieren. Neue Systeme hängen Sie an den Hub an, statt jede neue Verbindung einzeln zu bauen. Ob eine konkrete Integrationsplattform (iPaaS) diese Hub-Form umsetzt, prüfen Sie am Angebot.
Die drei Entscheidungsfaktoren
Die Tabelle listet die drei Faktoren mit dem jeweiligen Prüfweg. Jeder Faktor trägt ein eigenes Gewicht; Ihre Prozesse können ein anderes setzen.
| Faktor | Was er entscheidet | So prüfen Sie es | Frage an den Anbieter |
|---|---|---|---|
| Anzahl der Systeme | wie viele Verbindungen Sie bauen und pflegen müssen | Zählen Sie die Systeme, die Daten austauschen, und die Prozesse, die sie verbinden | Wie viele Anbindungen sind im Preis enthalten, und was kostet jede weitere? |
| Änderungsfrequenz | wie oft Sie Schnittstellen neu bauen oder anpassen müssen | Notieren Sie, wie oft sich Systeme, Formate oder Prozesse im letzten Jahr geändert haben | Was kostet eine Änderung einer bestehenden Anbindung, und wie lange dauert sie? |
| Interne Fähigkeiten | ob Sie Schnittstellen selbst bauen und betreiben können | Prüfen Sie, ob Sie Entwickler mit Erfahrung in den beteiligten Schnittstellen-Technologien haben | Bietet der Anbieter eine Testumgebung und Dokumentation, mit der Sie selbst anbinden können? |
Der Entscheidungsbaum
Der Baum läuft über die drei Faktoren. Gehen Sie die Schritte in dieser Reihenfolge durch:
- Zählen Sie die Systeme, die Daten austauschen.
- Zwei Systeme: Eine direkte Schnittstelle genügt. Der Baum endet hier.
- Drei oder mehr Systeme: Gehen Sie zu Schritt 2.
- Beurteilen Sie die Änderungsfrequenz.
- Gering (weniger als eine relevante Änderung pro Quartal): Direkte Schnittstellen bleiben pflegbar. Gehen Sie zu Schritt 3.
- Hoch (mehrere Änderungen pro Quartal): Ein Hub bündelt die Änderungen an einer Stelle. Gehen Sie zu Schritt 3.
- Prüfen Sie Ihre internen Fähigkeiten.
- Sie haben Entwickler, die die beteiligten Schnittstellen-Technologien beherrschen: Direkte Schnittstellen sind umsetzbar, solange die Zahl der Systeme klein bleibt.
- Sie haben keine solchen Entwickler: Eine Plattform (oder ein Dienstleister) reduziert die Abhängigkeit von Ihren eigenen Fähigkeiten.
Die Kombination aus einer hohen Systemanzahl, hoher Änderungsfrequenz und fehlenden internen Fähigkeiten spricht für eine Integrationsplattform. Zwei Systeme mit stabiler Schnittstelle und einem internen Entwickler sprechen für eine direkte Anbindung.
Ab wann sich ein Hub rechnet
Die Zahl der Verbindungen wächst bei Punkt-zu-Punkt quadratisch, bei einem Hub linear — vorausgesetzt, jedes System braucht eine Verbindung zu jedem anderen (Vollvermaschung). Das ist eine Modellannahme für die Beispielrechnung, keine Pflicht: Der Punkt-zu-Punkt-Kanal des Buches verlangt nur, dass genau ein Empfänger je Nachricht bedient wird, nicht, dass jedes System mit jedem verbunden ist. Braucht jedes System eine Verbindung zu jedem anderen, brauchen n Systeme bei Punkt-zu-Punkt n(n-1)/2 Verbindungen, bei einem Hub n Verbindungen. Die folgende Beispielrechnung zeigt, ab wann sich der Hub rechnet. Alle Zahlen sind erfundene Annahmen, keine Marktangabe.
Annahmen:
- Vollvermaschung: Jedes System braucht eine Verbindung zu jedem anderen; an den Hub bindet sich jedes System einmal.
- Eine Schnittstelle kostet 2.500 Euro einmalig (Aufbau und erste Wartung).
- Die Plattform kostet 10.000 Euro einmalig (Einrichtung und erste Lizenz).
| Systeme n | Verbindungen Punkt-zu-Punkt n(n-1)/2 | Kosten Punkt-zu-Punkt | Verbindungen Hub n | Kosten Hub (n × 2.500 + 10.000) |
|---|---|---|---|---|
| 3 | 3 | 7.500 Euro | 3 | 17.500 Euro |
| 4 | 6 | 15.000 Euro | 4 | 20.000 Euro |
| 5 | 10 | 25.000 Euro | 5 | 22.500 Euro |
| 6 | 15 | 37.500 Euro | 6 | 25.000 Euro |
Bei 4 Systemen ist die direkte Anbindung noch günstiger (15.000 Euro gegen 20.000 Euro). Bei 5 Systemen kippt die Rechnung: Der Hub kostet 22.500 Euro, die direkte Anbindung 25.000 Euro. Ab 5 Systemen rechnet sich der Hub, der dann 5 Verbindungen braucht, wo Punkt-zu-Punkt 10 nötig wären.
Der Break-even hängt vom Verhältnis der Plattformkosten zu den Schnittstellenkosten ab. Steigt die Plattform teurer oder die Schnittstellen günstiger, verschiebt sich die Schwelle nach oben; sinkt sie, nach unten. Die Formel für den Break-even ist n(n-3) = 2 × Plattformkosten ÷ Schnittstellenkosten.
Woraus sich die Kosten zusammensetzen
Die Kosten einer Anbindung setzen sich aus vier Feldern zusammen. Tragen Sie je Angebot die Werte ein; ein leeres Feld ist eine offene Frage, keine Null.
| Kostenfeld | Was Sie eintragen |
|---|---|
| Einmalig je Schnittstelle | Betrag für Aufbau und erste Wartung einer Anbindung |
| Laufend je Schnittstelle | Betrag je Monat oder Jahr für Betrieb und Wartung |
| Einmalig für die Plattform | Betrag für Einrichtung und erste Lizenz, falls vorhanden |
| Laufend für die Plattform | Betrag je Monat oder Jahr für die Plattformnutzung |
| Mehranbindung | Preis für jede Anbindung über dem enthaltenen Kontingent |
| Vertragsseite | Laufzeit und Kündigung, getrennt vom ERP-Vertrag |
Bei einer direkten Schnittstelle entfallen die Plattformfelder; bei einer Integrationsplattform entfällt das Feld Einmalig je Schnittstelle, wenn die Plattform die Anbindung selbst baut.
Warnsignale in Angebot und Vertrag
- Die Plattform berechnet jede Anbindung einzeln, ohne ein enthaltenes Kontingent.
- Es gibt keine Testumgebung; Tests sollen im Produktivsystem laufen.
- Die Laufzeit der Plattform ist kürzer als die des ERP-Vertrags, ohne Kündigungsrecht.
- Änderungen einer bestehenden Anbindung werden als neue Anbindung berechnet.
- Die Dokumentation ist auf Anfrage erhältlich und nicht in auswertbarem Format.
- Der Anbieter nennt keine Frist, wie lange eine Anbindung nach einem Systemwechsel weiterläuft.
So vergleichen Sie in fünf Schritten
- Zählen Sie die Systeme, die Daten austauschen, und notieren Sie die Prozesse, die sie verbinden.
- Fordern Sie je Angebot die Kostenfelder der Tabelle an und notieren Sie das Datum der Anfrage.
- Tragen Sie die drei Entscheidungsfaktoren ein: Systemanzahl, Änderungsfrequenz, interne Fähigkeiten.
- Führen Sie die Break-even-Rechnung mit Ihren eigenen Zahlen durch und markieren Sie die Annahmen.
- Bewerten Sie je Angebot die Warnsignale und entscheiden Sie, welche für Ihre Anbindungen tragbar sind.