Backup (Datensicherung)
Kurz gesagt
Backup ist die Kopie der Daten eines IT-Systems auf einem getrennten Speichermedium, aus der sich ein früherer Stand zurückspielen lässt; in ein ERP-Backup gehören Datenbank, Dateiablage und Konfiguration. Verteilt werden drei Kopien auf zwei Medientypen, eine davon außer Haus (3-2-1-Regel). Nach dem BSI-Baustein CON.3 gehört ein regelmäßiger Restore-Test dazu; er bindet, wo Recht oder Vertrag es festschreibt.
Das Wichtigste
- Backup ist die Kopie auf einem eigenen Speichermedium, aus der sich der alte Datenstand zurückspielen lässt.
- 3-2-1-Regel: drei Kopien, zwei verschiedene Medientypen, eine Kopie außer Haus (US-CERT/CISA, Data Backup Options, 2012).
- In ein ERP-Backup gehören Datenbank, abgelegte Dateien und Konfiguration, soweit sie getrennt gespeichert sind (CON.3.A1, CON.3.A4).
- CON.3.A15 verlangt regelmäßige Tests, ob sich die gesicherten Daten einwandfrei und in angemessener Zeit zurückspielen lassen.
- ISO/IEC 27001:2022 führt Datensicherung als Kontrolle 8.13 im Anhang A; sie bindet nur über Recht oder Vertrag.
- Eine Datenspiegelung über RAID ist nach CON.3 keine Datensicherung, weil beide Datenträger gleichzeitig geändert werden.
Backup (deutsch: Datensicherung) ist eine zusätzliche, vom Produktivsystem getrennte Datenkopie, die in festen Abständen erzeugt und so aufbewahrt wird, dass sich ein früherer Zustand daraus wieder herstellen lässt. Der Begriff steht zugleich für den Vorgang und für das Ergebnis. Der BSI-Baustein CON.3 Datensicherungskonzept behandelt das Erstellen und das Wiederherstellen als eine Aufgabe.
Was in ein ERP-Backup gehört
Ein ERP kann seine Daten auf mehrere Speicher verteilen: Buchungen in der Datenbank, Rechnungs- und Belegdateien in einer Ablage, Formulare, Berichte und Schnittstellenmodule in der Konfiguration. CON.3.A1 verlangt, je System und Anwendung die Rahmenbedingungen der Sicherung zu erheben: zu sichernde Daten, Speicher- und Änderungsvolumen, Änderungszeitpunkte, Verfügbarkeits-, Vertraulichkeits- und Integritätsanforderungen sowie die Zuständigkeiten. CON.3.A4 verlangt je System einen Sicherungsplan, der unter anderem die Wiederherstellungsreihenfolge, die Aufbewahrungsdauer und den Schutz vor Zugriff und Überschreiben festhält.
Wie viel Datenverlust Sie je Anwendung, IT-System oder Geschäftsprozess hinnehmen, steht als maximal zulässiger Datenverlust (Recovery Point Objective, RPO) in der Notfallplanung und gehört nach CON.3 in das Sicherungskonzept; er bestimmt das Intervall. Das BSI-Glossar zu Standard 200-4 gibt den RPO je Anwendung, IT-System oder Geschäftsprozess an. Den Aufbau eines Sicherungsplans für Datenbank, Dateiablage und Anpassungen beschreibt das Backup-Konzept fürs ERP, die beiden Zielwerte erklärt RPO und RTO.
Die 3-2-1-Regel, durchgerechnet für eine ERP-Datenbank
Die 3-2-1-Regel steht in der Behördenpublikation Data Backup Options der amerikanischen Cybersicherheitsbehörde CISA (US-CERT, 2012): drei Kopien einer wichtigen Datei, zwei verschiedene Medientypen, eine Kopie außer Haus. Die Publikation ist eine Faustregel und kein Gesetzestext; verbindlich wird sie, wo Sie oder ein Auftraggeber sie zum Standard erklären.
Die Tabelle rechnet die Regel für ein ERP mit erfundenen Zahlen durch; alle Werte sind Beispielannahmen.
| Kopie | Was sie im Beispiel ist | Medientyp | Aufbewahrungsort |
|---|---|---|---|
| Kopie 1: produktiver Bestand | Datenbank mit 180 GB und Dateiablage mit 60 GB, Änderungsvolumen 12 GB pro Tag | Festplatte im Server | Serverraum, kein Backup |
| Kopie 2: erste Sicherung | Vollsicherung 240 GB täglich um 23:00 Uhr, dazu stündlich die Sicherung des Transaktionsprotokolls, sofern das Datenbanksystem eines führt | Festplatte im NAS | anderer Brandabschnitt |
| Kopie 3: zweite Sicherung | dieselbe Vollsicherung wöchentlich, verschlüsselt | Band | anderer Standort oder Bankschließfach |
Damit sind zwei verschiedene Medientypen (Festplatte und Band) und ein Aufbewahrungsort außer Haus abgedeckt; eine Wechsel-Festplatte an einem zweiten Ort wäre kein zweiter Medientyp, weil dann alle drei Kopien auf Festplatten lägen. Die stündliche Protokollsicherung ist keine vierte Kopie im Sinn der Regel; sie hält den RPO klein. Ob Ihr Datenbanksystem ein Transaktionsprotokoll führt und wie es sich sichern lässt, steht in der Wiederherstellungsanleitung Ihres Herstellers. Für den Aufbewahrungsort gilt ergänzend CON.3.A12: Sicherungsmedien räumlich getrennt vom gesicherten System, möglichst in einem anderen Brandabschnitt. CON.3.A14 verlangt, Sicherungen vor unbefugtem Zugriff und vor Überschreiben zu schützen; für eine Kopie in einem Online-Speicher nennt CON.3.A9 die vertraglich zu regelnden Punkte.
Restore-Test in sechs Schritten
CON.3.A15 verlangt, regelmäßig zu testen, ob die Sicherungen wie gewünscht funktionieren, vor allem ob sich die gesicherten Daten einwandfrei und in angemessener Zeit zurückspielen lassen. CON.3 nennt in seiner Gefährdungslage den fehlenden Wiederherstellungstest als eigenes Szenario: Ein Sicherungslauf, der ohne Fehlermeldung endet, sagt noch nichts über den Inhalt aus.
- Testsystem bereitstellen, mit derselben ERP-Release und Datenbankversion wie im Produktivbetrieb, getrenntem Netz und eigenen Zugangsdaten. Ergebnis: Die Instanz startet, ohne auf Produktivdaten zuzugreifen.
- Sicherungsstand festlegen und dokumentieren: Datenträger, Zeitpunkt und die Protokollstände, die zum gewünschten Stand gehören. Ergebnis: Eine Liste, die eine zweite Person abarbeiten kann; die Wiederherstellungsreihenfolge steht im Plan (CON.3.A4).
- Zeitnahme starten und zurückspielen: Datum, Start und Ende notieren. Ergebnis: Die Dauer in Stunden und Minuten.
- Dauer mit dem RTO vergleichen. Die gemessene Zeit deckt nur das Zurückspielen ab; der RTO reicht nach dem BSI-Glossar zu Standard 200-4 vom Ausrufen des Notfalls bis zur geforderten Inbetriebnahme der Notfalllösung und umfasst damit mehr als diesen Schritt. Ergebnis: Soll- und Istwert stehen nebeneinander, mit der Angabe, welcher Teil des RTO gemessen wurde; wie Sie Ausfallkosten in Euro rechnen, zeigt Ausfallkosten berechnen.
- Daten prüfen: Anzahl der Belege und Buchungen gegen das Produktivsystem, letzter Beleg, ein geöffnetes Dokument aus der Ablage, eine Testbuchung mit Storno. Ergebnis: Liste der Abweichungen, jede mit Ursache oder Frist.
- Ergebnis festschreiben und aufräumen: Sicherungsintervall, Aufbewahrung oder Zielwerte im Konzept anpassen, Testsystem löschen, Protokoll unterschreiben und den nächsten Termin eintragen. Ergebnis: Unterschriebenes Protokoll. Den Ablauf im Detail beschreibt der Restore-Test fürs ERP.
Standard und Bindung
Der Baustein CON.3 gehört zur Edition 2023 des IT-Grundschutz-Kompendiums, Stand Februar 2023; die Errata des BSI vom 26. März 2026 ändern an ihm nichts. Vorrangig gelten die Basis-Anforderungen A1, A2, A4, A5, A12, A14 und A15; als Standard-Anforderungen sind A6, A7 und A9 ausgewiesen, A13 gilt bei erhöhtem Schutzbedarf. Das Kompendium ist eine Methode des BSI; bindend wird es, wo eine Regelung oder ein Vertrag darauf verweist.
ISO/IEC 27001:2022 führt Datensicherung als Kontrolle 8.13 „Information backup – Sicherung von Information“ im Anhang A. Die Zuordnungstabelle des BSI zum IT-Grundschutz weist diese Kontrolle dem Baustein CON.3 zu, die Kontrolle 8.14 zur Redundanz dem Baustein INF.2. CON.3 selbst verweist noch auf die Vorgängerzählung ISO/IEC 27002:2013 „12.3 Backup“. Der Normtext ist kostenpflichtig und wurde hier nicht geöffnet; die Kontrollnummer ist über die amtliche Zuordnungstabelle des BSI belegt. Eine Norm bindet nicht von sich aus: Verbindlich wird sie, wo Recht oder Vertrag sie in Bezug nimmt.
Nicht zu verwechseln mit
- RAID: eine Datenspiegelung, die CON.3 nicht zur Datensicherung rechnet; sie hilft gegen den Ausfall einer einzelnen Platte, nicht gegen versehentliches Überschreiben oder Schadsoftware.
- Snapshot: nach CON.3.A2 eine ergänzende Option für virtualisierte und Storage-Umgebungen, um zwischen den vollständigen Datensicherungen schnell wiederherstellbare Zwischenversionen zu erhalten.
- Archivierung: CON.3 grenzt sich gegen die Langzeitspeicherung ab und verweist dafür auf den Baustein OPS.1.2.2 Archivierung; eine Datensicherung ist kein Langzeitarchiv.
- RPO und RTO: Zielwerte des Notfallmanagements, keine Sicherung; der RPO bestimmt das Intervall, der RTO die geforderte Wiederanlaufzeit vom Ausrufen des Notfalls bis zur geforderten Inbetriebnahme der Notfalllösung (BSI-Glossar zu Standard 200-4); das reine Zurückspielen ist nur ein Teil davon.